Während des Lockdowns haben vor allem Kranke in Kliniken und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen unter Einsamkeit und ausbleibenden Besuchen ihrer Angehörigen gelitten. Hansjörg Dörflinger, inzwischen selbst im Alter von 80 Jahren, ist froh, noch ein aktives Leben in der Familie und als viel beschäftigter Musikant führen zu können.

Hansjörg Dörflinger singt und begleitet sich selbst auf dem Akkordeon, wenn er die Senioren in den Heimen in der Region besucht.
Hansjörg Dörflinger singt und begleitet sich selbst auf dem Akkordeon, wenn er die Senioren in den Heimen in der Region besucht. | Bild: Ursula Ortlieb

Vor der Corona-Pandemie war er jede Woche bei Geburtstagen, Jubiläen, Gästeunterhaltung oder bei öffentlichen Anlässen als Alleinunterhalter oder als Mitglied der Birkendorfer Polka Punks sowie der Mühlbachmusikanten unterwegs und spielt Ziehharmonika und Klarinette. Als Moderator gibt er bei den Auftritten gerne Witze zum Besten und sorgt für Heiterkeit beim Publikum. Als der Corona-Lockdown kam, fielen diese Termine alle weg.

Zu Person und Pflegeheim

Über die Möglichkeit, in seinem Haus weiter musizieren zu können, ist Dörflinger dankbar. Einen Vorteil habe der Lockdown gebracht, meinte seine Frau, da er dadurch mehr zu Hause gewesen sei und sie beide viel gemeinsam musizieren konnten. Durch Freunde, Verwandte und Bekannte in Pflegeheimen wussten sie aber, was Kontaktsperre für diese Menschen bedeutete und hofften auf ein baldiges Ende der Isolierung.

Die Besuche

Hansjörg Dörflinger nahm sich fest vor, so lange er kann mindestens einmal pro Woche in einem der Pflegeheime Bonndorf, Ühlingen, Waldshut, Wutöschingen und in Schleitheim mit Musik Abwechslung und Freude in den Heimalltag zu bringen. Nicht alle Heimbewohner zeigen eine Reaktion. Aber wenn sich nur einer darüber freut, habe sich der Aufwand gelohnt, so Dörflinger. So schmetterte bei seinem jüngsten Besuch im Pflegeheim St. Joachim in Ühlingen ein 88-jähriger ehemaliger Chorsänger alle Strophen von „Wie die Blümlein draußen zittern“, „Die Fischerin vom Bodensee“ und von vielen altbekannten Liedern auswendig mit. Ein Senior, der schon wochenlang kein Wort mehr gesprochen habe, rief einmal plötzlich: „Prima!“, ein anderer habe sogar mit dem Rollator zu tanzen begonnen, erzählt der Musikant.

Das Repertoire

Je nach Möglichkeit und Tagesform der Heimbewohner sei Zeit für eine Unterhaltung mit Leuten, die er von früher kenne. Der 88-Jährige im Pflegheim Ühlingen wünschte sich als Zugabe das Lied „Das schönste Blümlein auf der Welt“, das er immer so gerne gesungen habe. Dörflingers Repertoire schien alle Wünsche erfüllen zu können. Ein Heimbewohner bat ihn, ein Liederbuch mitzubringen. Er habe die Texte nicht mehr so im Kopf, wolle aber auch mitsingen. „Natürlich, das bring ich dir nächstes Mal mit“, versprach Dörflinger und verabschiedete sich nach mehr als einer Stunde von den Bewohnern des Pflegeheims, die sich zum Kaffee Trinken an die Tische setzten und zum Tagesprogramm übergingen.