Herr Gamper, Sie sind mehr als 30 Jahre bei der Feuerwehr aktiv. Wie kam es zum Wunsch, Feuerwehrmann zu werden?

Mein Vater war Kommandant der Feuerwehrabteilung Hürrlingen, die sich später mit der Abteilung Riedern zusammenschloss. Ich hatte von klein auf den Wunsch, auch Feuerwehrmann zu werden. Mit 14 Jahren wurde ich in der Jugendfeuerwehr Ühlingen aufgenommen. So bekam ich frühzeitig Einblick in die Aufgaben. Wir Jugendliche wurden mit adäquaten Geräten, Schläuchen und Pumpen vertraut gemacht, konnten an Übungen und Wettkämpfen teilnehmen. Das hat uns allen viel Spaß gemacht hat. 18-jährig wurde ich dann aktives Mitglied der Abteilung Hürrlingen und wechselte 2005 der Liebe wegen den Wohnort und zur Abteilung Birkendorf.

Welche Ausbildung muss man als Feuerwehrkommandant vorweisen?

Man absolviert vier Lehrgänge auf Kreisebene: Truppmann, Funker, Atemschutzgeräteträger und Truppführer. Ein fünfter Lehrgang zum Maschinisten ist nicht zwingend Voraussetzung für Abteilungskommandanten. Für die Befähigung zum Gruppenführer ist der zweiwöchige Lehrgang mit Vollzeitunterricht an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal verpflichtend. Es gibt einem die nötige Sicherheit, um in Brand- und Notfällen Trupps zu führen und Menschen zu retten sowie Objekte zu schützen.

Wie haben Sie den Feuerwehrdienst mit Beruf und Familie vereinbart?

Man muss improvisieren. Mit Verständnis der Familie und des Arbeitgebers ist es kein Problem. Besonders die Familie muss den Dienst mittragen. Bei privaten Festen wird man manchmal zu Einsätzen gerufen. Manchmal ist einem danach nicht mehr zum Feiern zumute. Verständnis der Partnerin oder des Partners sind notwendig.

Der Klimawandel macht sich mit langen Trockenperioden bemerkbar. Welche Einsätze überwiegen – Brände, schwere Stürme oder Verkehrsunfälle?

Durch die Trockenheit kann es leicht zu Bränden und zu Wassermangel kommen. Glücklicherweise hatten wir bei Einsätzen bisher keine Probleme mit Wassermangel. Die Abteilungen der Ortsteile unterstützen sich gegenseitig. Der Anteil der verschiedenen Einsätze ist in etwa zu gleichen Teilen.

Die gute Kameradschaft der Abteilung wird von den Feuerwehrleuten sehr geschätzt. Ihr Führungsstil wurde in Gesprächen gelobt. Was meinen Sie dazu?

Ich hatte das Glück, eine junge motivierte Mannschaft zu übernehmen und konnte mich auf meinen Stellvertreter Johannes Schropp immer verlassen. Ich sehe in erster Linie, dass Feuerwehrleute keine Maschinen, sondern Menschen sind, die auch Emotionen und Schwächen haben dürfen.

Bei Einsätzen mit Toten durch Unfälle oder Suizid, prüfte ich die Situation erstmal allein, um Kameraden nicht unnötig zu belasten. Diese Bilder schüttelt man nicht leicht ab. Man muss sie verarbeiten und dabei ist das familiäre Umfeld wichtig, damit man darüber reden kann. Bei Bränden kann es vorkommen, dass einer nicht in der Lage ist, mit dem Atemschutzgerät in ein Gebäude zu gehen, um Tiere oder sogar Menschen zu retten.

Davor prüfe ich, ob tatsächlich in der Verfassung ist, in ein brennendes Gebäude zu gehen. Es ist klar, dass man keinen nötigt. Auch Höhenangst ist ein Thema. Nicht jeder kann auf die Drehleiter, dafür kann er etwas anderes gut. Jeder macht das, wozu er in der Lage ist, und man ergänzt sich gegenseitig.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Gesamtkommandanten und den Abteilungen der Gemeinde aus?

Einsätze werden oft von mehreren Abteilungen gemeinsam durchgeführt, die der Gesamtkommandant koordiniert. Wir werden dabei zu einem schlagkräftigen Team und arbeiten Hand in Hand. Das funktioniert hervorragend. Da gibt es kein Kirchturmdenken. Auf Unterstützung durch Gesamtkommandanten und Bürgermeister konnten wir uns immer verlassen. Das motiviert auch die Feuerwehrmitglieder.

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Nach elf Jahren treten Sie als Abteilungskommandant in die zweite Reihe. Was hat Sie dazu bewogen?

Die allgemeine Erfahrung sagt, dass nach zehn Jahren ein Wechsel kommen sollte. Was man die ersten fünf Jahre bewegen konnte, festigt sich in weiteren fünf Jahren. Dann wird es Zeit für neue Ideen und frischen Wind in der Truppe.

Der zweite Grund ist neben mehr Zeit für die Familie zu haben, dass ich bei Einsätzen tagsüber nicht vor Ort sein kann. Ich arbeite in Donaueschingen. Gleiches war bei Johannes Schropp der Fall, der in der Schweiz arbeitet. Mit Luca Brutschin und Samuel Rebmann haben wir gute Nachfolger gefunden. Das war uns beiden wichtig.

Was ist rückblickend das schlimmste Erlebnis als Kommandant?

Das Schlimmste ist generell, wenn man ein Todesopfer gut gekannt hat. Den größten Schock hatte ich, als wir im Winter zu einem Verkehrsunfall gerufen wurden. Es war spiegelglatt. Ich sah das verunglückte Auto und vier Kindersitze umgedreht und dachte, es seien Kinder dabei.

Das war Gott sei Dank nicht der Fall. Es war nur eine Person im Fahrzeug. Leider kam für den Familienvater jede Hilfe zu spät. Da ich selbst grad Vater geworden war, hat mich dieser Unfall sehr mitgenommen. Es gab noch weitere schlimme Unfälle und Suizide, die unsere Einsätze nötig machten. Aber der erste war der schlimmste für mich, da ein nahes Umfeld betroffen war.

Und das schönste Ereignis?

Das schönste Ereignis war die Mitgestaltung bei der Beschaffung des neuen Löschfahrzeugs und die Entgegennahme. Nur ein Tag nach der Fahrzeugweihe hatten wir einen Einsatz. Mit dem neuen Fahrzeug konnten wir die Technik effizient nutzen. Schön ist ebenfalls das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Abteilung. Man kann sich aufeinander verlassen und schätzt sich gegenseitig.

Wir sind als Kameraden zu Freunden geworden. Des weiteren ist im Laufe der Zeit ein toller Kontakt zu den Kameraden in Bonndorf entstanden, den ich sehr schätze. Die Anforderungen stiegen in den Jahren kontinuierlich. Ehrenamtliche müssen Zeit investieren, um auf dem erforderlichen Stand zu bleiben. Aber es ist auch schön, wenn man in Notfällen kein Zaungast ist, sondern aktiv Menschen helfen und Objekte schützen kann.

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