Vor 150 Jahren wurde in der Ortsmitte von Birkendorf ein Mammutbaum Wellingtonia gepflanzt. Sein botanischer Name ist ein wahrer Zungenbrecher: Sequoiadendron giganteum. Andreas Baumgartner aus Solothurn schrieb begeistert in einem Brief an Familie Reichardt: „Der Mammutbaum mitten im Dorf wäre doch eine Infotafel wert, auf der Betrachter Näheres über dieses Naturwunder erfahren könnten! Sowas mitten in ihrer gepflegten und schmucken Ortschaft!“. Von Zeit zu Zeit gab es schon Befürchtungen, dass der Baum sterben könnte, weil er sehr viele braune Nadeln abgeworfen hatte.

Andreas Baumgartner aus Solothurn begeisterte sich für den Birkendorfer Mammutbaum und ging auch in seiner Heimat auf die Suche nach ...
Andreas Baumgartner aus Solothurn begeisterte sich für den Birkendorfer Mammutbaum und ging auch in seiner Heimat auf die Suche nach solchen Exemplaren. Ein Artikel darüber erschien in der Solothurner Zeitung.

Dazu schrieben die Experten der Mainau auf Anfrage: „Der immergrüne Mammutbaum, Sequoiadendron giganteum, verliert regelmäßig und jahreszeitenunabhängig Nadeln. Sollte der Nadelverlust jedoch stärker als gewohnt ausfallen, so hängt dies meistens mit einer mangelnden Wasserversorgung zusammen. Durch die letzten warmen und niederschlagsarmen Sommer ist bei vielen alten Mammutbäumen eine ausreichende Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet.“

Die Birkendorfer Wellingtonia ist rund 27 Meter hoch und hat einen Stammumfang am Boden von 8,3 in einem Meter Höhe immerhin noch 6,80 Metern. Im Ursprungsland erreichen solche Bäume bis 95 Meter Höhe und einen Stammdurchmesser von 17 (!) Metern. Die Borke ist 30 bis 75 cm dick und kann daher Waldbrände überstehen.

Der Mammutbaum Wellingtonia oder botanische Bezeichnung Sequoiadendron giganteum mit 27 Metern Höhe gehört in Birkendorf wie ...
Der Mammutbaum Wellingtonia oder botanische Bezeichnung Sequoiadendron giganteum mit 27 Metern Höhe gehört in Birkendorf wie selbstverständlich zum Ortsbild.

Für Einheimische gehört dieses Naturdenkmal selbstverständlich zum Ortsbild. Auf der Insel Mainau wurden ebenfalls im Jahr 1870 Bäume dieser Art gepflanzt. Gartenexperten der Insel gaben hierzu wichtige Informationen. Großherzog von Baden, Friedrich der I (1826-1907) hatte 1864 und 1870 diese Bäume gepflanzt (vielleicht eher pflanzen lassen). Er brachte die Samen/Setzlinge von seinen Reisen mit, wovon viele um das Jahr 1870 in Süddeutschland gepflanzt worden sind, die aus der sogenannten Wilhelma Saat stammen.

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Von wem und zu welchem Anlass in Birkendorf der Baum gepflanzt wurde, lässt sich derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen. Denkbar wäre, dass der Baum nach dem Sieg im Deutsch/Französischen Krieg im September 1870, bei dem Birkendorf keine Gefallenen beklagen musste, der Grund für die Pflanzung war.

In der Ortsmitte von Birkendorf steht die 150 Jahr alte Wellingtonia mit dem botanische Namen Sequoiadendron giganteum.
In der Ortsmitte von Birkendorf steht die 150 Jahr alte Wellingtonia mit dem botanische Namen Sequoiadendron giganteum. | Bild: Ursula Ortlieb

Der Glockengießer Kolumban Schnitzer war von 1870 bis 1894 Bürgermeister von Birkendorf. Möglicherweise hatte er den Setzling anlässlich eines Mainau-Besuchs für die Dorfmitte auf dem Grundstück des späteren Bürgermeisters Johann Blatter gebracht.

Marvin Fechtig, der heutige Miteigentümer des Grundstücks, legte Wert auf wurzelschonenden Ausbau der Zufahrt zu seinem Baugrundstück und wasserdurchlässige Oberfläche. Die in Mengen runterfallenden Nadeln müssen öfters zusammengerecht und weggebracht werden. Die Wellingtonia von Birkendorf hat in 150 Jahren schon manche Blessuren abbekommen und Äste verloren.

Marvin Fechtig ist Miteigentümer des Grundstücks, auf dem die Wellingtonia steht. „Der Baum gehört zu Birkendorf und ist unser ...
Marvin Fechtig ist Miteigentümer des Grundstücks, auf dem die Wellingtonia steht. „Der Baum gehört zu Birkendorf und ist unser Wahrzeichen. Es ist mir wichtig, dass die Wurzeln nicht beschädigt werden und genügend Wasser bekommen. Deshalb wird die Zufahrt nicht versiegelt“, so Marvin Fechtig.

So hatte ein großer LKW vor einem Jahr wieder einen dicken Ast, der über die Straße ragte, mitgerissen. Es wäre schön, wenn die Birkendorfer Wellingtonia noch viele kommende Generationen erfreut und stolz in der Ortsmitte in den Himmel ragen darf. Immerhin kann der Baum im Ursprungsland bis zu 3000 Jahre alt werden, also ist das Birkendorfer Exemplar im Verhältnis noch sehr jung.

Weitere Infos zur Dorfgeschichte im Internet (www.geschichte-birkendorf.de) und zu Mammutbäumen (https://www.wilhelma-saat.de/uebersichtskarte/).