Wohin geht die Reise der Seelsorgeeinheit Oberes Schlüchttal? Sinkende Katholikenzahlen und die damit verbundenen Einnahmenverluste machen es schwierig, den bisherigen Immobilienbestand zu halten. Eine Gebäudeschau im Oktober des vergangenen Jahres in den einzelnen Pfarreien diente der Bestandsaufnahme, die Martin Müller vom Erzbischöflichen Ordinariat, Hauptabteilung Baureferat 9, sowie Günter Feist von der Referatsleitung Denkmalpflege in der jüngsten Pfarrgemeinderatssitzung erläuterten. In Grafenhausen steht demnach der Verkauf des Pfarrhauses an, auch über die Veräußerung des Kindergartengebäudes wird diskutiert.

Pfarrer Christoph Eichkorn könnte sich vorstellen, eine Etage im Pfarrhaus als Kindergarten zu nutzen.
Pfarrer Christoph Eichkorn könnte sich vorstellen, eine Etage im Pfarrhaus als Kindergarten zu nutzen. | Bild: Wilfried Dieckmann

Nach Zukunftsplanungen der katholischen Kirche soll es im Landkreis Waldshut statt bisher 14 selbstständigen Kirchengemeinden, zu der auch die Seelsorgeeinheit Oberes Schlüchttal gehört, spätestens 2030 nur noch zwei große Seelsorgeeinheiten geben. Angesichts von drastisch sinkenden Katholikenzahlen und den damit verbundenen Einnahmeeinbußen sind die Kirchengemeinden nicht mehr in der Lage, ihren bisherigen Immobilienbestand zu unterhalten.

Die Gemeinde regte einen Kauf des Kindergartengebäudes an.
Die Gemeinde regte einen Kauf des Kindergartengebäudes an. | Bild: Wilfried Dieckmann

Bei der Gebäudeschau in Grafenhausen, Riedern am Wald, Untermettingen und Ühlingen wurden nicht nur der Bestand, sondern auch anstehende Sanierungsmaßnahmen in der Größenordnung von rund zehn Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren erfasst. Da diese hohen Kosten von den Pfarreien nicht zu stemmen sind, sollen 20 bis 30 Prozent des Gebäudebestandes verkauft werden.

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Besondere Probleme haben laut Martin Müller die Pfarreien Grafenhausen und Riedern am Wald. In Grafenhausen steht insbesondere das Pfarrhaus St. Fides, in dem sich die Wohnung des Pfarrers, eine Mesnerwohnung sowie die Kirchenverwaltung befinden, sowie der historische Gewölbekeller im Blickfeld. Anstehende Sanierungen bereiten hier besonders große Probleme. Bei der Finanzierung sei die Kirchengemeinde überfordert, hier brauche es solvente Kapitalgeber. Ein Nutzungskonzept sei bisher nicht vorhanden.

Pastorale Zukunft

Mit Unterstützung aus Freiburg kann die Kirchengemeinde aber nur dann rechnen, wenn lediglich Gebäude saniert werden, die im Hinblick auf die künftige große Kircheneinheit im Landkreis auch eine pastorale Zukunft haben. Neben dem Verkauf des Pfarrhauses wurden in der Sitzung auch andere Nutzungskonzepte wie beispielsweise die Umgestaltung in ein Hotel oder Restaurant angesprochen.

Kindergarten St. Bernhard

Wie Bürgermeister Christian Behringer bei der virtuellen Sitzung mitteilte, würde die politische Gemeinde Grafenhausen gern das Kindergartengebäude erwerben. Als Grund nannte er insbesondere steigende Kinderzahlen und damit nötige Erweiterungen des Platzangebots. Bei Um- und Neubauten trägt Grafenhausen derzeit 70 Prozent der Kosten, auf die Kirchengemeinde entfallen 30 Prozent. „Somit wäre es sinnvoll, dass wir auch Eigentümer des Gebäudes sind, nach Möglichkeit auch mit Grund und Boden“, so der Rathauschef.

Erbpacht statt Verkauf

Nach Angaben von Pfarrer Christoph Eichkorn steht nicht nur der Kindergarten, sondern auch das Amtshaus (Pfarrhaus) auf einem Grundstück, das nicht der Kirchengemeinde, sondern der Pfarrpfründestiftung der Erzdiözese Freiburg gehört. Da diese Stiftung mit den Grundstücken wirtschaften muss, werde wohl kein Verkauf, sondern höchstens ein Erbpachtvertrag auf 99 Jahre möglich sein.

Trennung von Kindergarten und Pfarrhaus

Sollte dies der Fall sein, könnte sich der Bürgermeister im Hinblick auf die Eigenständigkeit des Pfarrhauses auch eine Grundstücksteilung vorstellen. Ein weiteres Problem stellt die Nutzung durch kirchliche Einrichtungen im Untergeschoss des Kindergartens dar. Hier gibt es auch Überlegungen, diese Institutionen ins Pfarrhaus zu verlegen. Eine diesbezügliche Begehung hat es aber bisher nicht gegeben. Auch Pater Christoph dachte an die nötige Erweiterung des Kindergartens und sprach sich für dessen Erhalt am bisherigen Standort in der Ortsmitte aus. Denkbar sei es für ihn auch, statt eines Anbaus eine Etage im Pfarrhaus zu nutzen. Wie der Experte Günter Feist dazu sagte, werde dieser Gedanke aus verschiedenen Gründen aber nur schwer umsetzbar sein.