Die Galgenvogelzunft in Grafenhausen hat den 76. Konvent des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) im vergangenen Jahr ausgerichtet – wegen der Corona-Pandemie in abgespeckter Form. Als außergewöhnlich wird die 77. Mitgliederversammlung, die erneut in der Schwarzwaldhalle Grafenhausen stattfand, in die Annalen eingehen. „Kein Konvent mit großem Rahmenprogramm, sondern nur mit begrenzter Teilnehmerzahl“, betonte Narrenmeister Klaus-Peter Klein.

Statt eines bunten Rahmenprogramms zum Konvent des VON gab es erneut nur eine abgespeckte Versammlung unter strengen Hygienebedingungen. Wie Narrenmeister Klaus-Peter Klein bereits im Vorjahr gesagt hatte, agierten die Mitglieder der Galgenvogelzunft Grafenhausen bei der Ausrichtung des 76. Konvents unkompliziert und flexibel. Der Wunsch nach einem zweitägigen Konvent in diesem Jahre ging wegen der andauernden Restriktionen erneut nicht in Erfüllung.

Narrenmeister Klaus-Peter Klein (links) überreichte Harald Morath, Zunftmeister der Galgenvögel, die Urkunde für das Ausrichten des Herbstkonvents zweimal hintereinander – eine Premiere.
Narrenmeister Klaus-Peter Klein (links) überreichte Harald Morath, Zunftmeister der Galgenvögel, die Urkunde für das Ausrichten des Herbstkonvents zweimal hintereinander – eine Premiere. | Bild: Wilfried Dieckmann

Aufgrund der aktuellen Situation war von den derzeit 80 Mitgliedszünften auch bei der jüngsten Mitgliederversammlung nur jeweils ein Vertreter zugelassen. Zutritt hatten diese nur nach der 3-G-Regel, der jeweilige Nachweis musste bei der Einlasskontrolle vorgelegt werden. „Ein hartes Los für die Galgenvögel, die bei der Ausrichtung des Konvents auf jegliches Programm in der Halle verzichten mussten“, erklärte Klaus-Peter Klein. Sehr unterschiedlich seien in der letzten Zeit persönliche Ansichten über die vorgegebenen Regeln geäußert worden, die nicht nur den Verband spalteten: „Leute, die auf Nummer sicher gehen, um Corona keine Ausbreitungsmöglichkeiten zu geben, treffen andere, die nicht mehr bereit sind, zurückzustecken und nur noch ungehindert feiern und zur Normalität zurückkehren wollen“, sagte der Narrenmeister.

Diskussionen

So gab es auch bei der Entscheidung, die Mitgliederversammlung des Verbandes in abgespeckter Form abzuhalten, lange Diskussionen: „Das Unverständnis war bei vielen Narrenfreunden riesengroß“, berichtete Klaus-Peter Klein. Er sei sich aber sicher, dass der VON-Vorstand eine richtige Entscheidung getroffen habe. Er rief in seinem Bericht das abgelaufene Jahr in Erinnerung: „Die übliche Terminflut blieb aus, Verbandsarbeit fand mehr und mehr am Schreibtisch statt“, informierte er.

Die Finanzen

Laut dem Kassenbericht von Schatzmeister Werner Kunkler steht der Verband finanziell auf gesunden Füßen. Dank staatlicher Zuschüsse musste in den Pandemie-Zeiten kein Minus verbucht werden. Die entrichteten Mitgliedsbeiträge der Zünfte in diesem Jahr wurden zurücküberwiesen. Ein Vorgang, der allerdings wiederholt werden müsse, weil vom Finanzamt das fehlende Wort „Spende“ auf Überweisungen moniert worden war. Die Vergabe des Konvents 2022 erfolgte von den Delegierten einstimmig an die Vogtei Mittlerer und Südlicher Breisgau.

Fastnacht in Grafenhausen

„Die Fasnet lebt vom Trubel und dem Bad in der Menge“, sagte Bürgermeister Christian Behringer in seiner Ansprache. Dies allerdings sei aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich gewesen. Es könne davon ausgegangen werden, dass nicht nur die Narren, sondern auch das närrische Volk die Veranstaltungen vermissten. Darüber nicht hinwegtrösten konnten nach den Worten des Bürgermeisters die digitalen Angebote: „Die digitale Welt kann viel, aber Fasnet kann sie nicht.“ In Grafenhausen habe die Fünfte Jahreszeit einen hohen Stellenwert. Er sei sich aber sicher, dass eine ausgefallene Saison nicht dazu führe, dass Grafenhausen „die Fasnet verlernen wird“.

Die Galgenvögel

Auch Harald Morath, Narrenvater der Galgenvogelzunft, kam in seiner kurzen Ansprache an der ungewöhnlichen Form der jährlichen Verbandsversammlung nicht vorbei. Er dankte insbesondere der Gemeinde Grafenhausen, die an der nicht ganz einfachen Organisation des Konvents einen großen Anteil gehabt habe. Für die Ausrichtung des zweiten Konvents in Folge nahm Harald Morath für die Galgenvogelzunft erneut die traditionell vorgesehene Urkunde des Verbandes in Empfang. „Auch diese Tatsache wird in die Verbandsannalen eingehen“, merkte Narrenmeister Klaus-Peter Klein an. Ob es im nächsten Jahr eine normale Fasnet geben werde, könne heute noch nicht vorhergesagt werden.