Dem Hausarzt kommt insbesondere im ländlichen Raum eine besondere Bedeutung zu. In Grafenhausen hat die Gemeinde mit einem Ärztehaus dazu beigetragen, dem Hausarztteam Barbara und Markus Bohl langfristig eine Perspektive zu bieten. Das erste Ärztehaus im Landkreis Waldshut wurde in Lauchringen bereits 2008 vom Bürgermeister in Zusammenarbeit mit Ärzten erstellt. Somit sind Patienten beim Facharztbesuch oder bei kleineren Operationen nicht zwangsläufig auf eine größere Krankenhauseinheit angewiesen. Der Wohlfühlcharakter aus der Hausarztpraxis kann erhalten bleiben.

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In der Tat: Der Hausarzt ist für Patienten im Regelfall der Arzt ihres Vertrauens. Ob an der Rezeption oder im Behandlungszimmer: Es handelt sich in der Regel um die gleichen Ansprechpartner, die den Patienten in Form von Vertrautheit schlussendlich einen gewissen Wohlfühlcharakter vermitteln. Muss aber ein weiterer Facharzt zur Behandlung mit eingebunden werden, oder steht gar eine Operation ins Haus, kann sich dies allerdings schlagartig ändern. In größeren Krankenhäusern wie Waldshut oder Neustadt kann nicht garantiert werden, dass immer der gleiche Arzt behandeln wird.

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Bei größeren Eingriffen gibt es aber keine Alternativen. Geht es bei kleineren Eingriffen um ambulantes Operieren, Ultraschalluntersuchung oder Röntgen, dann gibt es mit chirurgischen Tageskliniken jedoch Alternativen. Im Gegensatz zum Raum Bad Säckingen und zur Kreisstadt Waldshut, die mit chirurgischen Zulassungen gut versorgt sind, hakt es im östlichen Landkreis gewaltig. Im Ärztehaus in Lauchringen, in das im Jahr 2008 verschiedene Mediziner eingezogen sind, hat Thomas Boll, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, seine Praxis mit einer chirurgischen Tagesklinik kombiniert. Eine Form, die an die vertraute Hausarztpraxis erinnert. Auch hier kann ein unmittelbares Vertrauensverhältnis zwischen dem Arzt und den Patienten aufgebaut werden. „Persönliche und individuelle Betreuung unserer Patienten steht im Vordergrund“, betonte Thomas Boll im Gespräch mit unserer Zeitung.

Konzept geht auf

Das Konzept Praxis und Tagesklinik ist nicht nur aufgegangen, auch ist schon seit langem die Kapazitätsgrenze für einen Arzt trotz rationellen Arbeitens erreicht. Unterstützt wird Boll von zehn Mitarbeiterinnen (davon sechs in Teilzeit), die im Normalfall so geschult sind, dass alles reibungslos abläuft.

Moderne Röntgengeräte lassen genaue Diagnosen zu.
Moderne Röntgengeräte lassen genaue Diagnosen zu. | Bild: Wilfried Dieckmann

Das bedeutet im Klartext: „Wenn ich ein Behandlungszimmer betrete, ist alles vorbereitet, auch der von mir diktierte Befund wird unmittelbar in das elektronische System eingegeben. Dann kommt häufig Röntgen oder Ultraschall dazu. Auch diese Ergebnisse stehen unmittelbar am Bildschirm zur Auswertung bereit. Nur so ist es möglich, mehrere Patienten in sechs Behandlungszimmern quasi parallel zu behandeln. Auch wenn wenig Zeit zur Verfügung steht, ich kenne meine Patienten gut. Wer in großen Kliniken gearbeitet hat, lernt, die knappe Zeit richtig zu strukturieren.“ Nach den Worten von Boll wird in der Praxis ein kollegiales Miteinander gepflegt: „Ich Chef und ihr müsst machen, gibt es bei mir nicht“, bekräftigte der Chirurg.

Die Rezeption, die von Ehefrau Romana Boll federführend geleitet wird, bezeichnete er als eine tragende Säule des Betriebes. Bei der Terminplanung sei es wichtig, nicht nur neue Patienten mit höherer Behandlungszeit nacheinander zu terminieren, sondern in einem Mix mit nicht so zeitintensiven Nachkontrollen.

Bilder der Fotografin Romana Boll tragen in der Praxis zur Wohlfühlatmosphäre bei.
Bilder der Fotografin Romana Boll tragen in der Praxis zur Wohlfühlatmosphäre bei. | Bild: Wilfried Dieckmann

„Die Rezeption hält mir den Rücken frei, so dass ich mich ganz auf den Patienten konzentrieren kann“, hob Thomas Boll hervor. Sollte bei schwerwiegenden Erkrankungen eine Weiterbehandlung oder größere Operation bei anderen Ärzten oder Kliniken mit eingebunden werden, dann werde diese Terminierung zur Chefsache.

„Wir möchten die Zeit, in der ein Patient krank ist, möglichst kurzhalten. Deshalb erhalten diese auch keinen Zettel mit der Aufforderung, sich selber darum zu kümmern. „Auch hier ist der Facharzt gefragt, der seine Berufskollegen kennt und somit eine Terminierung selber übernimmt“, hob der Mediziner hervor. Auch bei eigenen Operationen in der Tagesklinik übernimmt Boll eine eigenständige Qualitätssicherung, da er die Nachbehandlung bei nicht ganz einfachen Eingriffen auch selbst durchführt. Hier erwartet er zudem eine intensive Mitarbeit der Patienten. Gepflegt wird aber auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Hausärzten, die über eine Direktdurchwahl stets mit dem Fachkollegen Thomas Boll in Kontakt treten können.

Augenmerk auf Ausstattung

Die persönliche und individuelle Atmosphäre in der Praxis mit Tagesklinik liegt dem Chirurgen besonders am Herzen. So wurde deren Ausstattung so ausgewählt, dass sie nicht wie im Krankenhaus wirkt. „Unsere Patienten sollen sich nicht nur während, sondern auch nach der Operation den Umständen entsprechend wohlfühlen“, meinte Boll. Auch wurden die Wände der Praxis nicht mit gekauften Dekomaterialien, sondern mit hochwertigen Schwarzweiß- und Farbaufnahmen der gelernten Fotografin Romana Boll, die sich neben dem Praxisalltag mehr Zeit zum Fotografieren wünscht, bestückt. Wohlfühlatmosphäre steht bei Thomas Boll im Mittelpunkt. Bei ihm hat auch der Erhalt konservativer Behandlungsmethoden einen hohen Stellenwert, sofern diese Vorteile für den Patienten mit sich bringen. Genannt sei hier der Quarkwickel, den viele als altes Heilmittel kennen, das derzeit aber wieder verstärkt angewandt wird. „Früher hat mich der eine oder andere Kollege Quarkdoktor genannt“, witzelte Boll im Gespräch. Warum diese Behandlungsmethode?: „Die Quarkmasse, die mit vier Grad aus dem Kühlschrank kommt, hält lange eine kühle Temperatur“, erläuterte der studierte Facharzt.