Bei sommerlichem Wetter sind nicht nur viele Sonnenhungrige von Grafenhausen in Richtung Rothaus gewandert. Einige nutzten auch die Gelegenheit, um den Fortschritt der Erschließungsarbeiten für die neuen Gewerbeflächen „Morgenwaid“ zu begutachten. Für Unverständnis sorgte „Entzündbarer flüssiger Stoff der Gefahrgutklasse3“, der in zahlreichen Kanistern und ohne Schutz im Heckenbiotop unter der Hochspannungsleitung an der Straße lagerte.

Berstgefahr bei Druckanstieg

Entzündbarer flüssiger Stoff im schützenswerten Biotop, frei zugänglich und direkt an der Straße? Wie der Ingenieur und Geschäftsführer des Planungsbüros Hunziker Betatech AG, Hans-Jörg Meier, auf Nachfrage erläuterte, handelt es sich um verschiedene Laugen, die im Zuge der Erschließungsarbeiten beim Verlegen der Fernwärmerohre benötigt werden. Am Montagvormittag wurde dieser Gefahrenpunkt beseitigt, die Behälter wurden samt abgelagertem Unrat entfernt. Auch wenn es sich um verschlossene Kunststoffkanister handelte, hätte es angesichts der starken Sonneneinstrahlung mit entsprechender Hitzeeinwirkung auf die Behälter zu erhöhtem Druckanstieg mit Berstgefahr kommen können.

Entzündbarer flüssiger Stoff im Biotop war frei zugänglich und direkt an der Straße abgelagert worden.
Entzündbarer flüssiger Stoff im Biotop war frei zugänglich und direkt an der Straße abgelagert worden. | Bild: Wilfried Dieckmann

Dabei wäre nicht ausgeschlossen gewesen, dass sich bei erhöhten Umgebungstemperaturen in Verbindung mit Luft explosionsfähige Gemische hätten bilden können. Wenn jetzt auch noch die riesigen Säcke mit „heroal C 50“, die ebenfalls für die Erschließungsarbeiten benötigt werden, entfernt worden sind, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Zumindest in dem betroffenen Bereich der Gewerbestraße.

Die Erschließung

Nicht nur Grafenhausens Bürgermeister Christian Behringer, auch Ingenieur und Geschäftsführer des Planungsbüros Hunziker Betatech zeigte sich mit den Erschließungsarbeiten der 4,4 Hektar großen Fläche zufrieden. Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan und sollen im September abgeschlossen sein. Trinkwasserleitungen sind bereits verlegt und sollen in dieser Woche an das Netz von Grafenhausen angeschlossen werden. „75 Prozent der gesamten Arbeiten sind bereits erledigt“, erklärte der Planer.

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Bis zu vier Meter tief wurden Leitungen verschiedener Art verlegt. Derzeit sind die Fernwärmeleitungen an der Reihe. Die zwei geplanten Löschwassertanks sind bestellt und werden in Kürze im Boden eingebaut. Nach Angaben von Christian Behringer wurde bereits ein Gewerbegrundstück verkauft, eine weitere Anfrage soll dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung vorgestellt werden. „Für zwei weitere Flächen sind Vorreservierungen vorhanden“, freute sich der Bürgermeister.

Zum neuen Gewerbegebiet wird es zwei neue Einfahrten geben. Die Zufahrt zu den bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen soll bepflanzt und in das Heckenbiotop integriert werden. Nach den Worten des Ingenieurs sei es für das Tiefbauunternehmen Staller aus Mettenberg angesichts der zahlreichen Regentage nicht ganz einfach gewesen, den gesteckten Zeitrahmen einzuhalten. „Aber alles hat wie am Schnürle funktioniert“, freute sich Ingenieur Hans-Jörg Meier. Der Bürgermeister rief in Erinnerung, dass in der vergangenen Woche bei dem Unwetter die Baustelle eingestellt werden musste. „Wenn das alles ist, sind wir gegenüber anderen Regionen, die es schwer getroffen hat, gut davongekommen“, sagte er.