Die Bilder von der Flutkatastrophe im Ahrtal zeigten deutlich, dass Naturkatastrophen und die Auswirkungen des Klimawandels auch Deutschland nicht verschont. Das ganze Ausmaß können Bilder nicht wiedergeben. Einzelschicksale erfuhren Felix Eichkorn und Ruben Rebmann aus Birkendorf als freiwillige Helfer. Sie waren fünf Tage im Ahrtal im Einsatz.

Ein Bild der Zerstörung bot sich im Ahrtal den Handwerkern aus Birkendorf, wo sie zusammen mit Freiwilligen zehn Häuser entkernten.
Ein Bild der Zerstörung bot sich im Ahrtal den Handwerkern aus Birkendorf, wo sie zusammen mit Freiwilligen zehn Häuser entkernten. | Bild: Feix Eichkorn

Auf eigene Faust machten sie sich mit Werkzeug, Bohrhammer, Schubkarren, Schaufeln und Kompressor sowie großzügigen Spenden auf den Weg. Auto Tröndle stellte einen Transporter zur Verfügung, Notstromaggregate steuerten Rubens Mutter Monika Rebmann und sein Bruder Samuel bei. Spenden kamen auch von seinen Handwerkskollegen wie Sascha Bucher aus Birkendorf.

Anblick der Verwüstung

„Angesichts überfluteter Häuser war uns klar, dass Handwerker gebraucht werden“, erzählt Felix Eichkorn. Das Bild, das sich ihnen im Ahrtal bot, überstieg sämtliche Vorstellungen. In Walporzheim, direkt an der Ahr gelegen, seien nahezu alle Häuser zerstört, in Heimersheim waren es zehn Prozent. Gutachter und Statiker hatten die Gebäude markiert: Abbruchreife Häuser drei Kreuze, schwer beschädigte und noch zu klärende zwei Kreuze und ein Kreuz bei Häusern, die zu retten waren.

Helfereinsatz im Ahrtal: Ruben Rebmann mit Schubkarren beim Wegschaffen von Schutt aus einem Gebäude, das entkernt wurde.
Helfereinsatz im Ahrtal: Ruben Rebmann mit Schubkarren beim Wegschaffen von Schutt aus einem Gebäude, das entkernt wurde. | Bild: Felix Eichkorn

Eigenes Werkzeug war wichtig. Daran fehlte es nämlich vielen Helfern, die schon da waren, und dadurch wenig bewerkstelligen konnten. „Es war schön zu sehen, wieviel Solidarität es bei uns gibt. Helfer waren aus der ganzen Republik da“, so Eichkorn. Die beiden Birkendorfer legten nach ihrer Ankunft einfach los und lernten erst einen 75-jährigen Rentner und danach Familien mit Kindern und Ehepaare kennen, deren Häuser zum Trocknen entkernt werden mussten.

Nebenbei erfuhren sie von der Verzweiflung der Leute, die nicht wissen, wie es weitergehen würde. „Bewohner und Helfer – jeder erzählte seine eigene tragische Geschichte von dieser Katastrophe. Der Schock sitze tief. Sie erzählten auch von Frust wegen schlimmer Fehler in der Befehlskette von Politikern und Behörden. „Das sind Erlebnisse, die die Menschen dort wohl nie mehr ganz loslassen und auch für uns war es ein Eindruck, den wir nicht vergessen werden“, so die beiden Handwerker.

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Trotzdem gab es Freude über Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftssinn der hochmotivierten Helfer und besonders von Handwerksbetrieben aus dem Ahrtal und aus ganz Deutschland, die mit Bagger, Gabelstapler und Geräten unentgeltlich Soforthilfe leisteten. Mit Freiwilligen, darunter zwei Bundeswehrsoldaten, zwei Polizisten und weiteren Personen, schafften Felix Eichkorn und Ruben Rebmann zehn Häuser zu entkernen. Von morgens acht bis abends 19 Uhr hieß es Estriche rausspitzen, Schutt wegschaffen und Wände von nassem Putz befreien, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Hilfe wird dankbar angenommen

„Schade, dass wir das Gebiet vor der Flut nie kennengelernt haben. Es muss eine sehr schöne Gegend mit alten Fachwerkhäusern, von Weinbergen umgeben, gewesen sein“, bedauert Eichkorn. Er und Ruben Rebmann verließen das Katastrophengebiet mit dem beglückenden Gefühl, konkrete Hilfe geleistet zu haben aber auch in dem Bewusstsein, dass noch sehr viel mehr nötig sein wird, um den Betroffenen der Flut wieder zu einigermaßen Normalität zu verhelfen.

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