In einer nicht ganz einfachen Zeit, angesichts des nicht sichtbaren, jedoch immer präsenten Coronavirus, kann es als mutig bezeichnet werden, ein Kunstprojekt im Skulpturenpark in Grafenhausen zu initiieren. „Ein großes Symposium in der sechsten Auflage wäre in diesem Jahr gemäß den Vorbereitungen genau das Richtige gewesen“, rief Bürgermeister Christian Behringer in Erinnerung. Die Idee, stattdessen eine internationale Open-Air-Ausstellung zu veranstalten, sei nunmehr unter den gegebenen Umständen der richtige Weg gewesen.

Bis auf das Kunstwerk „To The Light“ von Guilio V. Cerbella aus Italien (wird am Freitag, 7. August aufgestellt) sind zwischenzeitlich alle Skulpturen in Grafenhausen angekommen und aufgestellt. Kunstwerke, die passend zum Thema „Zeit im Wandel“ Bezug nehmen auf die vielfältigen Veränderungsprozesse, denen unsere heutige Gesellschaft unterworfen ist.

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Die internationalen Kunstschaffenden haben das vorgegebene Thema nicht nur mit unterschiedlichen Interpretationsansätzen, sondern auch mit verschiedenen Materialien und Herstellungstechniken umgesetzt. Bereits zu diesem Zeitpunkt kann festgehalten werden, dass es ungemein wichtig ist, öffentliche Räume mit Kunst aufzuwerten.

Flankiert werden die „Nistskulpturen“ mit jeweils zwei roten Signalfiguren (ehemals „Tipi“ in Rothaus).
Flankiert werden die „Nistskulpturen“ mit jeweils zwei roten Signalfiguren (ehemals „Tipi“ in Rothaus). | Bild: Wilfried Dieckmann

Von den Besuchern jedenfalls wird dieser Grundgedanke positiv aufgenommen. Die Parkanlage, in der sich Kunst und Natur zu einem ganzheitlichen Sinneserlebnis verbinden, wird derzeit wieder mehr von den Besuchern angenommen. Nahezu 40 Werke internationaler Künstler warten darauf, auch weiterhin von vielen Kunstinteressierten entdeckt zu werden.

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„Die Besucherzahlen haben sich mit der Open-Air-Ausstellung im Skulpturenpark deutlich erhöht“, stellte auch Simon Stiegeler fest, der ebenso wie der Grafenhausener Steinbildhauer Ralf Rosa an der Symposiumsidee in Grafenhausen vor rund 17 Jahren maßgeblich beteiligt war. Die Abschlussveranstaltung findet am Sonntag, 9. August, im Skulpturenpark statt.

Nistskulpturen

Simon Stiegeler fertigte für den Skulpturenpark Grafenhausen zum Thema „Zeit im Wandel“ Nistskulpturen an. Hierfür verwendete er Käfer- und Totholz, das schon stark durch die Natur und die Umwelteinflüsse gezeichnet war. Durch Bohrungen und Spalten hat der Künstler Besiedlungsraum für Insekten und Kleinsttiere geschaffen, um das sogenannte „Totholz“ wieder mit Leben zu erfüllen. Durch diesen Prozess haben die Skulpturen jedoch bewusst nur eine begrenzte Haltbarkeit. Der Künstler möchte mit dieser Figuration den stetigen Wandel und Kreislauf des Lebens und der Natur darstellen. „Holz, das für den Menschen quasi unbrauchbar geworden ist, jedoch in der Natur einfach einen neuen Nutzen widerfährt“, erklärte Simon Stiegeler.

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Gestalterisch hat sich der Künstler der vorhandenen, natürlichen Form unterworfen, betont wurden lediglich einige Elemente. „Der Gedanke, dass die Natur an sich das größte Kunstwerk darstellt – ein Tribut an die Schönheit der Natur“, betonte Stiegeler. Die Skulpturen sind mit sogenannten Lebenslinien durchzogen, die farbig lackiert wurden. Sie bilden einen Kontrast zur natürlich gewachsenen und vergrauten Struktur der Bäume.

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Der Standort wurde bewusst als Verbindungsweg zwischen Schwarzwaldhaus der Sinne und Skulpturenpark gewählt. Flankiert werden die Nistskulpturen von zwei roten Signalfiguren, die ehemals im „Tipi“ in Rothaus standen. Die beiden Kunstwerke wurden aufbereitet, um eine Verbindung zwischen Schwarzwaldhaus der Sinne und dem Skulpturenpark herzustellen.

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Simon Stiegeler lebt und arbeitet in Grafenhausen. Seit den vergangenen Jahren arbeitet er viel an der Symbiose zwischen erlebbarer Kunst-Natur und Mensch. Beispielsweise der Engelsweg im Glottertal, das Tal der 1000 Lichter, Bühlertal, der Fernwanderweg Ars Natura in Bad Willdungen und natürlich das Schwarzwaldhaus der Sinne tragen die Handschrift Stiegelers. Im Skulpturenpark Grafenhausen engagiert er sich als Künstler und Mitinitiator sowie Organisator.