Die Landwirtschaft war schon immer auf die Wetterverhältnisse angewiesen, und unsere Vorfahren verbanden dieses Wissen mit Gläubigkeit. In Ühlingen findet seit 190 Jahren nach einem Gelübde der Vorfahren die Jakobusprozession statt mit der Bitte um einen guten Erntesegen.

Die Zahl derer, die noch diese alte Tradition aufrechterhalten wurde von Jahr zu Jahr kleiner oder die Prozession fiel ganz aus, was auch dem Verkehr auf der L158 geschuldet ist. Die politische Gemeinde, federführend Ortsvorsteher Klaus Müller, hat vor wenigen Jahren diese Jahrhunderte alte Tradition zusammen mit der katholischen Filialgemeinde St. Ursula wieder ins Leben gerufen.

Flurprozessionen an drei Sonntagen

Am Weg von Ühlingen nach Untermettingen steht im Gewann „Bildäcker“ die Jakobus-Kapelle. Nach alter Überlieferung – urkundliche Aufzeichnungen sind anscheinend nicht vorhanden – finden seit 190 Jahren jeweils an den Sonntagen vor Jacobi Flurprozessionen zur Jakobus-Kapelle statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Kapelle soll erstellt worden sein, nachdem schwere Unwetter im Raum Ühlingen Anfang des 19. Jahrhunderts die gesamte Ernte vernichtet hatten. In einem Gewann, das heute noch „Gibt mir nichts“ heißt, wurde der gute Boden zu Tal geschwemmt. Damit sich eine solche Katastrophe nicht mehr wiederholen möge, hat der damalige Gemeinderat 1835 unter Bürgermeister Ferdinand Kech ein Gelübde abgelegt, an den drei Sonntagen vor Jakobi Flurprozessionen zu dieser Kapelle durchzuführen.

Jede Familie des Dorfes wurde dazu verpflichtet, dass wenigstens eine Person sich an der Prozession beteilige. Zuwiderhandlungen wurden von der Ortspolizeibehörde bestraft.

Renovierung für 23.000 Mark

Die Kapelle, wie sie heute auf der Höhe zwischen Schlücht- und Steinatal steht, wurde im Jahre 1980 von Grund auf renoviert, nachdem die vorige Erneuerung in den Jahren 1946/47, in denen es an geeigneten Baumaterialien mangelte, dies notwendig machte.

Die Jakobuskapelle nach der Renovierung 1946/1947 wird für die Einweihung geschmückt.
Die Jakobuskapelle nach der Renovierung 1946/1947 wird für die Einweihung geschmückt. | Bild: Repro: Werner Steinhart

Die Renovation im Jahre 1980 wurde eingedenk des Gelübdes der Ühlinger Bürger vor 190 Jahren größtenteils aus Spendengeldern finanziert. Die Kosten für die notwendig gewordene Renovation lagen bei 23.000 Mark.

1980 wurde die inzwischen marode und baufällig gewordene Jakobuskapelle weitgehenst neu errichtet.
1980 wurde die inzwischen marode und baufällig gewordene Jakobuskapelle weitgehenst neu errichtet. | Bild: Repro: Werner Steinhart

In die Wege geleitet wurde die notwendige Renovation vom damaligen Altbürgermeister Erwin Probst, der sich dafür einsetzte, das zu erhalten, was die Vorfahren geschaffen hatten. Das historische Kleinod war ansonsten dem Verfall preisgegeben. Am 5. Juli 1981 wurde die renovierte Jakobuskapelle vom damaligen Pfarrer Manfred Helfrich unter Mitwirkung der Trachtenkapelle Ühlingen und zahlreicher Gläubigen wieder eingeweiht.

Die sanierte Jakobuskapelle wurde am 5. Juli 1981 vom damaligen Pfarrer Manfred Helfrich feierlich eingeweiht.
Die sanierte Jakobuskapelle wurde am 5. Juli 1981 vom damaligen Pfarrer Manfred Helfrich feierlich eingeweiht. | Bild: Archivbild: Werner Steinhart

Doch auch vor einem kleinen Gotteshaus machten Einbrecher nicht halt. Im Juli 1982 wurde das Eisengitter in der Kapelle gewaltsam aufgebrochen und die Statue des heiligen Jakobus gestohlen. Sie ist nicht mehr aufgetaucht. Weit über die Grenzen Ühlingens hinaus bekannt ist das von Erich Rastätter geschaffene Relief mit den drei Totenschädeln und der Inschrift: „Sag mit Beschauer, wer war König, wer Bettler, wer Bauer?“ Auch das Gemälde im Innern an der Stirnseite stammt von dem Ühlinger Künstler