Wer beim Neujahrsempfang in Grafenhausen vom Festredner aufgrund der Einladung einen Motivationsredner mit einem Schlüsselrezept zu einer besseren Lebensführung erwartet hatte, dem erteilte der querschnittsgelähmte Benjamin Rudiger gleich zu Beginn eine klare Absage: „Ich bin ein ganz normaler Typ mit einem vielleicht etwas komplizierteren Lebenslauf“, betonte der seit 2015 im Rollstuhl sitzende Festredner. In seinen Aktivitäten ausgebremst hat ihn diese Tatsache aber nicht.

Ein ganz normaler Typ

In diesem Jahr bereicherte der ehemalige Cross-Country-Profi Benjamin Rudiger den Neujahrsempfang in Grafenhausen. Dass er ein ganz normaler Typ sei, haben ihm die Besucher im vollbesetzten Saal des Schwarzwaldhaus‘ der Sinne ohne Wenn und Aber abgenommen. „Benny“ Rudiger ist ein Schwarzwälder, der sich trotz Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lässt. Er präsentierte sich in seinem Vortrag gut gelaunt und voller Lebensfreude. Grafenhausen sei ihm nicht unbekannt, er habe es „ohne Navi“ gefunden. Rudiger bezeichnete sich als „Ehrenamtsfan“. In seinen Ausführungen wollte er unter anderem auch aufzeigen, dass sich ehrenamtliches Engagement angesichts seines Schicksalsschlags „einmal auf eine ganz andere Art und Weise auszahlen kann“. Seine Kraftquelle war und ist bis heute der Sport in freier Natur, maßgeblich unterstützt nicht nur von seiner Familie, sondern auch vom Vereinsleben.

Sportliche Erfolge

„Bis zu dem Tag, als der Leistungssport in mein Leben trat, war alles relativ normal“, berichtete der 35-Jährige aus seinem Lebenslauf. Er habe auch ein wenig Glück gehabt, weil er fünf Jahre lang „Sportsoldat“ war. In dieser Zeit war er von seinem Wehrdienst meistens freigestellt, um Sport zu machen: „Ich war quasi Staatsprofi in einem einmaligen Fördersystem der Bundesrepublik“, betonte Rudiger. Bei ihm habe es nicht zur Olympischen Medaille gereicht, aber solche Sportler müsse es bei der Bundeswehr auch geben. Dennoch war es eine beeindruckende Karriere: Schon im Jahr 2000 hatte er die erste Rennlizenz, war Landesmeister der Junioren und errang den Klassensieg beim Ultra-Bike Marathon. Es folgten mehrere deutsche Meistertitel in der Cross-Country-Disziplin.

Diagnose Krebs

Die erste große Bremse kam im Oktober 2006. „Nach einer guten Saison war die Diagnose Lymphdrüsenkrebs ein großer Schock, der mich total aus den Latschen gehauen hat“, so Rudiger. Er war zu diesem Zeitpunkt aber noch Soldat und wurde als „Privilegierter“ im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm erfolgreich behandelt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus 2007 ging es für ihn wieder mit Vollgas zurück ins Leben. Gemeinsam mit Doris Weiss, die 2013 an Krebs verstorben ist, habe er dann den Krebshilfeverein „RIDE2LIVE e.V.“ gegründet.

Diagnose Querschnittslähmung

Nachdem der Sport ein wenig in den Hintergrund trat, hat Benny Rudiger eine „ganz normale Banklehre mit Betriebswirt“ absolviert. Eine neue Heimat in Sachen sportliche Aktivitäten konnte er bei Etappenrennen finden, bevor er 2010 den Wettkampfsport komplett an den Nagel hängte. Am 10. Januar 2015 folgte dann ein Schicksalsschlag mit extremen Auswirkungen. „Es war der Tag, an dem ich zum letzten Mal einen Fuß mit Gefühl auf den Boden gesetzt habe“, berichtete Benny Rudiger beim Neujahrsempfang. An dem Tag war er mit dem Mountain Bike unterwegs und wollte ein Gatter an einer Weide öffnen. „Dabei bin ich quasi im Stehen umgefallen, ein Wirbel hatte den Nerv abgeklemmt“, schilderte der Sportler. Es folgte die Diagnose Querschnittslähmung.

Aber auch im Rollstuhl ließ sich der ehemalige Profisportler nicht unterkriegen. Heute kann Benjamin Rudiger im speziell umgebauten Fahrzeug sogar wieder Auto fahren. „Ich habe wieder Lebensqualität gewonnen“, hob er hervor. Rudiger ist heute unter anderem für den Schwarzwälder „Ultra-Bike Marathon“ aktiv. Er ist Gemeinderat in Hinterzarten und als Vorstandskoordinator „Black Forest Ultra Bike Marathon“ und als Vorsitzender von „RIDE2LIVE“ aktiv. Benny Rudiger ist auch Mitinitiator des „Netzwerks für Gutes im Dreisamtal“.