Ein elektrisches Klavier und Blues sowie Boogie Woogie – passt das überhaupt zusammen? Diese oder ähnliche Gedanken werden wohl manchem Besucher des jüngsten Konzertabends im Treppenwinkel im Kloster in Riedern am Wald am Samstag durch den Kopf gegangen sein. Aber egal, ob altes Gemäuer und modernes Instrument einerseits oder jung gebliebenes Publikum und inspirierend motivierender Pianist andererseits – es war ein beeindruckendes Erlebnis, was der Musiker Thomas Scheytt an diesem Abend zum Besten gab: Es war Glückseligkeit auf 88 Tasten.

Ein Höhepunkt pianistischer Raffinesse jagte den anderen. Alle spieltechnischen Möglichkeiten des elektronischen Klaviers wurden virtuos ausgenutzt und in verschwenderischer Länge ausgekostet. Schon die erste Improvisation mit dem kompliziert auszusprechenden Titel „Hallo liebe Freunde, herzlich willkommen im Kloster Riedern“ demonstrierte mit seinen typischen Boogie-Woogie-Sequenzen und virtuos stereotypischen Spielfiguren Thomas Scheytts Lust am geistvollen Umsetzen immer neuer Ideen.

Schon nach wenigen Takten zog der Künstler alle Zuhörer in den Bann seiner fliegenden Finger, die in atemberaubendem Tempo die Klaviatur hinauf und hinunter rasten, als gäbe es gar keine Schwerkraft. Alle Gäste, die in der Konzertpause sein zum Verkauf angebotenes Notenheft mit fünf Stücken aus seinem Repertoire kauften, konnten sich auch visuell von der Genialität dieses Ausnahmepianisten überzeugen. Wenn er spielte, bot sich immer wieder folgendes Bild: Der ganze Künstler lebt, kein Körperteil bleibt unbewegt. Und so katapultierte sich der Paganini des Blues mit permanenten Dezimen Griffen und virtuosesten Klangpassagen stimmungsvoll immer wieder in den siebenten Himmel des Boogie Woogie und des Blues.

Kurz nach Sonnenuntergang mit „Inner Voices“ und als zum krönenden Abschluss des Abends das La-la-la-Mitmachstück „Put your Hand in the Hand“ erklang, klappte es auch endlich, dass das begeisterte Publikum (endlich) einheitlich auf die Schläge zwei und vier mitklatschte. Dadurch rauschte ein Niagarafall an Tönen durch die altehrwürdigen Klostermauern und produzierte ein erlebenswertes gemeinschaftliches Hochgefühl purer Begeisterung, das für die Zuhörer unaufhaltsam in die ruhigeren Gefilde eines hoffentlich gemächlicheren Heimweges mündete.