Eigentlich müsste die Straßensperrung in Richtung Ebersbach und dem Gasthaus „Sommerau„ Mitte Oktober der Vergangenheit angehören. Maßnahmen, die nicht nur ein Befahren der Straße ermöglichen, sondern auch dem Schutz des Bibers dienen, sollten ab Ende August umgesetzt werden. Passiert ist bisher nichts. Im Gegenteil: An der Absperrung weist eine große Tafel darauf hin, dass ein Befahren bis zum Gasthof „Sommerau„ möglich sei. Nun stellt sich für jeden potenziellen Nutzer der Strecke die Frage: Warum steht da noch ein Verbotsschild?

An der Gemeindeverbindungsstraße, die von der L 170 in Richtung Bonndorf zur Sommerau abzweigt, haben Biber ein Domizil. Diese Straße wurde von der Gemeinde Grafenhausen Ende Juni aus Sicherheitsgründen gesperrt, weil unmittelbar über dem Biberbau die Straße eingebrochen war. Bei einer Kontrolluntersuchung hatte sich herausgestellt, dass der Biber einen Teil der Straße untergraben hatte.

Die Sperrung durch die Gemeinde war daher auch aus Sicht des Regierungspräsidiums gerechtfertigt. „Die Maßnahmen sollen ab Ende August umgesetzt werden. Da Biberwohnhöhlen naturschutzrechtlich geschützt sind und der Biber in Ebersbach Nachwuchs hat, können die Maßnahmen der Bauarbeiten derzeit noch nicht in Angriff genommen werden“, teilte das RP Freiburg damals auf Anfrage mit.

Der Biber war übrigens nicht immer in dem bestehenden Löschweiher ansässig. Das Tier hatte ursprünglich sein Domizil oberhalb der Straße an dem Zulauf zum Weiher. Dies führte dort allerdings zu Aufstauungen in Richtung Ebersbacher Hof. Wie Grafenhausens Bürgermeister Christian Behringer auf Anfrage informierte, bestand damals die Gefahr, dass die Straße überflutet werden könnte. Somit wurde die Dole, die sich unterhalb der Straße Richtung Löschteich befindet, in Absprache mit dem Naturschutzbeauftragten und dem zuständigen Förster offengehalten. Dies hatte zur Folge, dass der Biber sich in dem nahe gelegenen Weiher schließlich ein neues Domizil suchte.

Bezüglich der Straßensperrung in Richtung Gasthaus Sommerau hat sich bisher kein neuer Sachstand ergeben. Die Strecke ist weiterhin komplett durch Verbotsschilder gesperrt. Seit geraumer Zeit aber befindet sich an der Abzweigung von der L 170 eine große, auffällige Tafel mit dem Hinweis „Zufahrt Gasthof Sommerau frei“.

Es handelt sich offensichtlich um kein behördliches Schild. Nach Auskunft der Gemeinde Grafenhausen wurde diese Tafel nicht offiziell aufgestellt. „Es gilt weiterhin ein striktes Fahrverbot“, betonte Rathauschef Christian Behringer. Konkrete Maßnahmen, die zu einem Befahren der Strecke in Richtung Sommerau führen könnten, seien noch nicht in Sicht. Die Gemeindeverbindungsstraße bleibe auch weiterhin gesperrt. Wann ein sicheres Befahren wieder möglich sein wird, steht also immer noch in den Sternen.

Zwischenzeitlich hat es nach Information des Grafenhausener Rathauschefs einen nichtöffentlichen Ortstermin gegeben, an dem auch hochrangige Vertreter des Regierungspräsidiums dabei waren. Hierbei seien, so Christian Behringer, verschiedene Lösungsvorschläge für die Gesamtproblematik diskutiert worden. Die ursprünglich angenommenen Kosten in der Größenordnung von bis zu 8000 Euro haben sich zwischenzeitlich auf 30.000 bis 40.000 Euro erhöht. „Nach einer Ausschreibung werden genauere Kosten vorliegen“, sagte der Bürgermeister und fügte schließlich noch an, dass er die ursprüngliche Schätzung vom ersten Tag an angezweifelt habe.

Zusatzschild

Bürgermeister Christian Behringer weist darauf hin, dass das aufgestellte Schild „Zufahrt Gasthaus Sommerau frei“ keine rechtliche Gültigkeit habe und dass der Aufsteller in einem Schadensfall zur rechtlichen Mithaftung hinzugezogen werden könnte.