Schüler der Schlüchttalschule (Werksrealschule) können künftig selbst Limonade herstellen. Das Grundwissen dazu erhielten sie am Freitag in der Staatsbrauerei Rothaus. Was verbindet Brauerei und Limonade? Die Antwort liegt auf der Hand, denn im Laborraum der Bierhersteller werden Qualitäts- und Hygienekontrollen durchgeführt.

Seit September 2011 gibt es eine Vereinbarung über Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen in Baden-Württemberg. Rothaus-Laborleiter Hans-Joachim Schuldt zeigt in einem Praktikum 9-Klässlern und Lehrer Sven Kucher von der Werkrealschule Grafenhausen Grundlagen in Chemie, Rohstoffzusammensetzung, Mikrobiologie. Es geht um Dinge, die im normalen Schulalltag vielmals aus Fachlehrermangel nie zur Sprache kommen. „Ich engagiere mich deshalb, weil Chemie in den Realschulen ein Schattendasein hat. Wichtig ist, dass die Schüler einen praktischen Eindruck erhalten. Damit möchte ich den Lernplan verbessern.“

Aus sieben Unterrichtseinheiten besteht das Angebot der Staatsbrauerei. Dieses Mal beschäftigen sich die Jugendlichen mit Mikrobiologie, Biochemie und Gärung. Sie erfahren Einzelheiten über alkoholische und andere Gärungen, Gärungsformeln, beschäftigen sich mit Mikroorganismen wie Pilzen (Hefen/Schimmelpilze), Bakterien, Alkohol und Kohlensäure.

Im Labor geht es dann zur Sache, als die Jungs Limonade und Brausepulver herstellten. Dabei geht um die Bestimmung von Kohlensäuregehalt in Mineralwasser, was in mehreren Gruppen umgesetzt wird.

Jeweils zwei Schulstunden hat Hans-Joachim Schuldt eingeplant, um die neun Schüler in Theorie und Praxis zu motivieren. Bei einer Brauereiführung beispielsweise erklärte er den Jugendlichen Rohstoffe, Produktion und Abfüllung. Umfangreich gestaltete sich das Thema Wasser. Von der Wassergewinnung über Niederschlagsmengen, über Wassernutzung und die Geologie des heimischen Raumes mit seinen Mineralien. Ebenso geht es um Wasser-Inhaltsstoffe, -Qualität und -härtung. Aufschlussreich gestaltet sich für die Schüler die Bestimmung des Boden-pH-Wertes, der Wasserhärte in Brau- und Mineralwasser und der Leitfähigkeit des Wassers.

Dann wird es noch interessanter: Es geht um die Einzelheiten zu Kohlehydraten und die Ermittlung von Inhaltsstoffen verschiedener Lebensmittel: Wie viel Stärke, Zucker, Eiweiß, verbirgt sich darin? „Wie ist der Aufbau eines Getreidekorns“, will Schuldt von den Praktikanten wissen. Immerhin sind unter anderem Gerste und Weizen bei der Bierherstellung wichtig. Im nächsten Schritt geht es um Hygiene. Reinigung steht bei der Arbeit mit Lebensmitteln, wie hier in der Brauerei, obenan. So lernt die Runde Details über Säuren, Laugen, Desinfektionsmittel und Reinigungsanlagen. Spannend ist dabei die Konzentrationsbestimmung von Säuren und Laugen, pH-Wert und Titration.

Das Riechen verschiedener Aromen und das Destillieren eines Aromas steht unter der Rubrik „Aroma – Geruch und Geschmack von Lebensmitteln“. Dabei geht es um die Frage: „Was ist ein Aroma?“ Klar, Aromaträger sind ätherische Öle und Ester – diese Antworten können die Schlüchttalschüler nach ihrem Praktikum spielend beantworten.

Das Praktikum

Im Rahmen des Wahlfaches Mensch/Natur/Technik (MNT) bereitete Laborleiter Hans-Joachim Schuldt von der Badischen Staatsbrauerei Rothaus umfangreiche und spannende Unterrichtseinheiten vor. Dabei geht es im Einzelnen um Produktionstechnologie in einer modernen Brauerei, um Rohstoffe und das Lebensmittel Wasser, den Lebensmittelinhaltsstoff Kohlenhydrate. Auch über angewandte Biochemie (wie alkoholische und andere mikrobielle Gärungen), Reinigung und Hygiene sowie Riechen und Schmecken von Aromen in Lebensmitteln erfährt man einiges.

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