Auf die Spuren seines 2015 verstorbenen Vaters und damit auf die Spuren seiner Vorfahren begab sich dieser Tage Klaus Müller aus Ühlingen. Er fuhr nach Oberharmersbach mit dem alten Traktor, mit dem sein Vater August vor 53 Jahren von seinem Heimatort mit all seinen Gerätschaften nach Ühlingen gekommen war, um das landwirtschaftliche Anwesen in der Schulstraße zu übernehmen.

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„Es war für mich ein bewegender Moment, den Ort kennenzulernen, wo mein Vater aufgewachsen ist“, sagt Klaus Müller. Sein Vater wuchs im „Hubhof“ in Oberharmersbach auf, er war schon früh Waise und kam zusammen mit seinen Geschwistern Egon, Hilde und Hedwig zu verschiedenen Verwandten in Oberharmersbach. Die Leistungen der Vorfahren, aber auch die außergewöhnlichen Ereignisse der Kriegsjahre rufen bei Klaus Müller großen Respekt hervor. „Mit der Fahrt wollte ich mich in die Situation meines Vaters hineinversetzen“, betont Klaus Müller, und es bleibt für ihn auch die Frage: „Wie hat es mein Großvater organisiert?“ Großvater August Müller hatte zusammen mit seiner Frau Cäcilia, geborene Lang vom Hubhof, 1938 das Anwesen im Ühlinger Gewann „In der oberen Hub“ gekauft.

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Großvater August starb 1944 in russischer Gefangenschaft, Großmutter Cäcilia starb am 30. Dezember 1945, die vier Kinder wurden Waisen. Uneigennützig hatte sich der damalige Ühlinger Bürgermeister Erwin Probst für die Waisenkinder eingesetzt, sie nach Oberharmersbach gebracht und den Hof in Ühlingen verpachtet. Klaus Müller zeigt die akribische Buchführung von Erwin Probst über den Hof. Klaus Müllers Vater August hatte zwischenzeitlich den Hubhof in Oberharmersbach zusammen mit seinem älteren Bruder Egon bewirtschaftet.

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Doch August zog es dann in sein eigentliches Elternhaus nach Ühlingen. Und so unternahm er 1966 erstmals die Fahrt nach Ühlingen mit Traktor und allen wenigen landwirtschaftlichen Gerätschaften. Im selben Jahr heiratete er in Zell am Harmersbach Monika Gutmann aus Oberentersbach. Und eine Woche danach fuhren beide gemeinsam in ihr neues Heim nach Ühlingen. „Doch so manches Mal hatten die beiden Heimweh nach dem Harmersbachtal“, weiß Klaus Müller.

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Diese Fahrt reizte Klaus Müller und so tuckerte er dieser Tage mit seinem 56 Jahre alten Traktor in die Heimat seiner Vorfahren. „Mein Vater hat diese Fahrt gemacht und ich wollte sie nachempfinden“, so Müller. Über Schluchsee, Titisee, Eisenbach, Föhrenbach, Triberg, Furtwangen, Hornberg, Gutach- und Kinzigtal erreichte er nach acht Stunden Oberharmersbach. Im Hubhof, der heute von seiner Cousine Cornelia Jager und ihrem Mann Heribert bewohnt wird, wurden er und seine Frau Silvia herzlich empfangen. Es bot sich dann an, weitere Verwandte zu besuchen und viel aus der Geschichte der Vorfahren zu erfahren. Auch Silvia, die Ehefrau von Klaus Müller, die ihren Mann begleitet hatte, zog ein positives Resümee: „Ich habe viele Verwandte kennengelernt. Die Familiengeschichte war schon interessant.“