Die Nachricht hat sich nicht nur bei Pferdefreunden wie ein Lauffeuer verbreitet: Nach einem Vorfall im Klettgau hat nun auch ein Pferdeschänder in Ühlingen-Birkendorf zugeschlagen. Mitten am Tag wurde eine Stute auf einer Koppel hinter dem Sportplatz in Birkendorf so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden musste. Die Polizei hofft auf Hinweise, um den Tierquäler fassen zu können. Eingeschaltet hat sich nun auch die Tierrechtsorganisation Peta, die ein bundesweites Register für Pferderipper-Fälle fordert.

Register soll Täter erfassen

„Bundesweit gibt es immer wieder Übergriffe auf Pferde“, sagt Judith Pein im Namen der Tierrechtsorganisation Peta. Peta fordere ein behördliches Register, in dem Anschläge auf Pferde und überführte Tierquäler erfasst werden. So könnten mögliche Zusammenhänge aufgezeigt und Täterprofile erstellt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation.

Ähnliche Fälle

Peta hält es für wichtig, dass Behörden überregional zusammenarbeiten. Pferdehalter würden über Gefahrenschwerpunkte informiert und gewarnt, um ihre Tiere besser vor Angriffen schützen zu können. „Die Überführung sadistischer Täter ist umso wichtiger, da sich Tierquäler unter Umständen später auch an Menschen vergehen“, sagt Judith Pein. Peta registriere seit 2013 bundesweit Taten von „Pferderippern“ und stelle diese Informationen auch den ermittelnden Behörden zur Verfügung. Mit Blick auf den aktuellen Fall verweist Peta auf ähnliche Fälle in Küssaberg-Rheinheim, die im Januar verzeichnet werden mussten. Auch hier wurden mehrere Stuten von Unbekannten im Genitalbereich verletzt.

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Peta setzt regelmäßig Belohnungen in Fällen von misshandelten Tieren aus, um bei der Ermittlung der Täter zu helfen. 1000 Euro stellt Peta für Hinweise zur Tierquälerei in Ühlingen-Birkendorf aus. Laut Judith Pein führte das Vorgehen in der Vergangenheit zum Erfolg: Peta zahlte 2018 eine Belohnung von 1000 Euro an drei Pferdehalterinnen in Lorsch aus. Ihre Hinweise hatten einen Tierquäler, der im April 2016 eine Stute mit einem Dildo malträtierte, überführt. Auch zwei Frauen aus Dortmund haben bereits Petas Belohnung erhalten, da sie im Februar 2017 einen Mann überführten, der mehrfach ihr Pony misshandelt hatte.

Gute Ratschläge

Die Tierrechtsorganisation rät Pferdehaltern zur Aufmerksamkeit, wenn ein „Pferderipper“ umgeht. Die Tiere sollten – sofern möglich – nachts nicht auf der Koppel stehen, sondern in einer sicheren, bestenfalls mit Videokameras ausgestatteten Stallung untergebracht werden. Alle Zugänge sollten gesichert und abgesperrt sein. Zudem sollten Kontrollgänge zu unregelmäßigen Zeiten durchgeführt werden. Aus Sicherheitsgründen sei es ratsam, diese mit mindestens zwei Personen auszuführen und Mobiltelefone bei sich zu tragen. Verdächtige Personen in der Umgebung sollten der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden, ebenso wie Personen, die bereits durch ihr Verhalten aufgefallen sind.

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Peta warnt, dass Taten, die von „Pferderippern“ begangen werden, auch Indikator für eine mögliche Vorstufe schwerer Sexual- oder Gewaltdelikte an Menschen sein könnten. Zahlreiche Mörder vergingen sich zunächst an Tieren, bevor ihnen Menschen zum Opfer fielen, heißt es in der Pressemitteilung. So ließ der als „Rhein-Ruhr-Ripper“ bekannte Serienmörder Frank Gust seine perversen Fantasien an Pferden, Schafen und Rindern aus, bevor er vier Frauen auf dieselbe Weise tötete wie die Tiere.

Psychologen, Gesetzgeber und Gerichte sind sich einig, dass Vergehen an Tieren mehr Aufmerksamkeit verlangen. Aggressionsforscher Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes sagt: „Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher bereits Tiere gequält.“ Über den Zusammenhang von Tierquälerei und Gewalttaten klärt Peta in der Broschüre „Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei“ auf, die auch für Staatsanwälte, Richter, Polizeibeamte und Sozialarbeiter als Quelle diene.

Hinweise zur Tierquälerei in Ühlingen-Birkendorf nimmt die Polizei unter Telefon 07741/831 60 entgegen. Auch die Tierrechtsorganisation Peta bittet um Hinweise unter Telefon 01520/737 33 41, oder per E-Mail (info@peta.de) – auch anonym.