Waldshut-Tiengen Heimatgeschichtsverein pflegt Berauer Wuhr

Es ist ein Denkmal einer alten Technik: Der künstlich angelegte Wasserkanal bei Berau speiste unter anderem das Kloster, könnte aber sogar aus der Bronzezeit stammen. Der Verein "Historisches Berau" pflegt die Wuhre einmal im Jahr und hat ihn mit Infotafeln versehen.

Der Verein für Heimatgeschichte "Historisches Berau" lässt die Geschichte seines Ortsteils Stück für Stück wieder aufleben. Regelmäßig zum Ende des Jahres hin befreien die ehrenamtlichen Denkmalpfleger und Geschichtsforscher um ihren Vorsitzenden Ralf Hindsches zum Beispiel das sogenannte "Berauer Wuhr" von Gestrüpp. Den acht Kilometer langen, vor Jahrhunderten von Menschenhand geschaffenen Wasserkanal haben sie bereits während der vergangenen Jahre mit zahlreichen Informationstafeln ausgeschildert. Das Bauwerk gilt als das älteste von zahlreichen Wuhren im Hotzenwald. Andreas Haasis-Berner vom Regierungspräsidium Freiburg hat diesem Wuhr eine besondere Bedeutung als Denkmal für Heimat- und Technikgeschichte bescheinigt.

Der Wasserweg zwischen der sogenannten Heidenmühle und dem Berauer Kloster diente in der Vergangenheit dazu, dieses mit Wasser zu versorgen. Am Klosterberg wurde das Wasser zudem für den Betrieb von zwei Mühlen verwendet. Ob die Konstruktion mit einem Gefälle von fast durchgehend 0,5 Prozent aber aus der Zeit des Klosterbaus im Jahr 1117 stammt, ist nicht zweifelsfrei geklärt. "Vieles spricht dafür, dass das Wuhr sogar noch viel älter als das Kloster ist und bereits während der Bronzezeit angelegt wurde", berichtet Ralf Hindsches über die jüngsten Vermutungen seitens Historikern. Für den mittelalterlichen oder sogar frühzeitlichen Siedlungsbau muss das von Tälern umschlossene Plateau rund um Berau eine große Herausforderung dargestellt haben. Es bot zwar Schutz vor unmittelbaren Angriffen aus der Umgebung, jedoch mangelte es hier an natürlichen Wasserquellen.

Das Berauer Wuhr sollte höchstwahrscheinlich genau dieses Problem beheben. Seine Erbauer mussten sich von Hand durch zum Teil massives Felsgestein schlagen. Ralf Hindsches vermutet, dass dieser große Aufwand enorme Kosten verursacht haben muss. Da es dennoch realisiert worden ist, zeugt davon, dass die Auftraggeber über die entsprechenden Mittel verfügt haben müssen. Ob die Investitionen im 12. Jahrhundert zum Beispiel seitens der Kirche getätigt wurden, oder viele Jahrhunderte früher durch die Kelten, ist bis heute ungewiss. Betrieben wurde das Wuhr den historischen Hinweisen und der Geschichtsschreibung nach bis ins 17. Jahrhundert. Danach wurde es wahrscheinlich aufgrund des zu hohen Wartungsaufwands aufgegeben.

Der Geschichtsverein hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte des kleinen, von zwei Tälern gesäumten Ortes und seiner Denkmäler aufzuarbeiten. "Es gibt überall etwas zu entdecken", schwärmt Vorsitzender Ralf Hindsches. Von Beruf ist er freischaffender Grafiker. Nicht selten verbindet er Hobby und Beruf, um anhand historischer Erkenntnisse eindrucksvoll lebensechte Darstellungen der Umgebung während der vergangenen Jahrhunderte zu kreieren. Seine Darstellungen veranschaulichen fast fotorealistisch, wie zum Beispiel das Kloster in Berau früher ausgesehen haben könnte.

Der Verein wurde 2009 gegründet. Zurzeit richten die Mitglieder das Vereinsheim in Berau her, welches später auch ein Archiv beherbergen soll. Seit 2011 besitzt der Verein sogar einen eigenen Armbrustschießstand, an dem die Vereinigung "Söldner derer von Berau" auf Mittelaltermärkten die eindrucksvolle alte Technik vorstellen. "Uns geht es darum, Geschichte erlebbar zu machen" sagt Hindsches. Der Verein hat 15 aktive und 75 passive Mitglieder. Führungen entlang des Wuhrs können im Internet (www.historisches-berau.de) angefragt werden.

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