Julian Fechtig hat seine Bäckerausbildung als Zweitbester der Innung in Kreis Waldshut abgeschlossen. Der 22-Jährige ist quasi in der Backstube groß geworden. Während sich sein großer Bruder David lieber den Büchern widmete und in Berlin studiert, war Julian schon als Kind gerne in der Backstube zum Helfen und hatte keine Zweifel bei der Berufswahl. „Ich schätze die handwerkliche Kunst im jungen elfköpfigen Team und die familiäre Atmosphäre in der Backstube.“

Julian Fechtig nach Konditorausbildung nun auch Gesellenbrief des Bäckerhandwerks.
Julian Fechtig nach Konditorausbildung nun auch Gesellenbrief des Bäckerhandwerks. | Bild: Ursula Ortlieb

Nach Abschluss der Realschule in Bonndorf absolvierte er im elterlichen Betrieb die Ausbildung – zuerst zum Konditor und danach zum Bäcker. Zur fundierten Ausbildung gehörte auch ein Lehrlingsaustausch in der Schweiz. „Ich war überrascht vom hohen Niveau des Schweizer Bäckergewerbes und wie viel Können verlangt wird“, erzählt der 22-Jährige.

Erfahrungen außerhalb des Betriebs

Bäckerei-Chef Edgar Kaiser legt Wert darauf, dass seine Schützlinge auch außerhalb des eigenen Betriebes Erfahrungen sammeln. Als Lehrmeister brachten ihm Edgar Kaiser und Jürgen Weber alles bei, was zu einem guten Konditor und Bäcker gehört. An die 55 Brot- und Brötchensorten werden in der Bäckerei hergestellt und ändern sich saisonal.

An nächtliche Arbeitszeiten hat sich Julian gewöhnt. „Um 11 Uhr spätestens habe ich Feierabend, schlafe nach, und habe dann noch viel vom Tag“, resümiert er zufrieden. Zusammen mit 209 jungen Handwerkern aus 28 Berufen wurde Julian vor kurzem in der Stadthalle Tiengen mit dem Gesellenbrief der Bäckerinnung freigesprochen und erhielt ein Lob. Nur wenige Jugendliche entscheiden sich bei ihrer Berufswahl für Bäcker und Konditor, obwohl dieses Handwerk keine Arbeitslosigkeit kennt. Auch in der Birkendorfer Backstube sind Ausbildungsplätze frei.

Die Nachfolge des Betriebes Bäckerei-Konditorei Fechtig ist mit Julian und seinem Cousin Martin Güntert, der Bäckermeister und Betriebswirt ist, nun in vierter Generation gesichert. Mit dem guten Abschluss konnte sich Julian Fechtig zur Meisterausbildung an der Bäcker-Fachschule anmelden und sich für ein Stipendium bewerben.

Julians Freizeit ist voll ausgefüllt. Als Mitglied der Trachtenkapelle Birkendorf spielt er Trompete und ist jüngstes Mitglied im Ortschaftsrat. Gerne fährt er Motorrad mit Freunden oder verbringt Zeit mit seiner Freundin Leonie Gfrörer aus Menzenschwand. Wie die beiden aus der Zeitung erfuhren und als Zufallsfügung sehen, stehen ihre Familiennamen Fechtig und Gfrörer im Stammbaum von Fürstabt Martin II Gerbert in St. Blasien.

Bäckerei Fechtig

Die Bäckerei Fechtig wurde von Julians Urgroßvater Theodor Fechtig 1928 gegründet. Die Großeltern Kurt und Angelika Fechtig bauten 1967 den Betrieb mit Bäckerei, Café und Pension auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus. Julians Vater, Joachim Fechtig, verstarb 1998 kurz nach Übernahme und Modernisierung des Betriebs; Mutter Christina Fechtig übernahm mit den Schwägerinnen Christiane Güntert und Stefanie Kaiser die Geschäftsleitung. In der über 90-jährigen Geschichte ist die einstmals kleine Bäckerei mit Café auf ein Unternehmen mit zwei Filialen in den Edeka Märkten Ühlingen und Grafenhausen gewachsen. Derzeit sind 55 Mitarbeiter beschäftig, darunter acht Familienmitglieder.