Beim Trachtenempfang Anfang des Jahres in Freiburg hat Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer auch in diesem Jahr zahlreiche Gruppen des Bundes „Heimat und Volksleben“ aus dem ganzen Regierungsbezirk empfangen. Mit dabei waren unter anderem Vertreter der Volkstanztrachtengruppe aus Grafenhausen, die den Begriff Heimat bodenständig vertreten. Unter das Motto „Faszination Heimat“ hat auch Uwe Baumann seine Festrede beim Neujahrsempfang in Grafenhausen gestellt.

„Der Begriff Heimat hat in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichsten Gründen und auf vielschichtige Weise eine Renaissance – eine neue Faszination – einen neuen Fokus erhalten“, erläuterte Uwe Baumann, der in seiner Funktion als Initiator der Kunst- und Kulturbewegung Kosmos Schwarzwald in Lahr aus verschiedensten Wegen und Sichtweisen heraus mit dem Thema verbunden ist. Als Autor von „Speck:takel“, einem Kult- und Kochbuch rund um den Schwarzwälder Speck, war und ist Baumann auch in kulinarischen Dingen seit Jahren ebenfalls im Schwarzwald auf Tour – bis hinein in die tiefsten Täler und auf die höchsten Höhen.

Der Autor ist in Grafenhausen übrigens kein Unbekannter: „Ich fühle mich durch das ’Zukunftsforum – Grafenhausen 2025’, das auf Initiative von Bürgermeister Christian Behringer vor drei Jahren gestartet wurde, mit dem Schwarzwaldort ganz besonders verbunden“, betonte er.

Was ist Heimat?

Uwe Baumann bezeichnete Heimat insgesamt als einen schillernden, vielschichtigen und vielseitigen Begriff mit eigener Biografie. So war Heimat ab dem 11. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein ein juristischer und territorialer Begriff, der, so Baumann, mit Stammsitz, Heimat- und Bürgerrechten sowie Pflichten einherging. Aufenthalts- und Bleiberechte wurden damit geregelt. Heimat hatte in diesem Raum auch stets einen engen Bezug zu Besitz und Eigentum.

„Im Schwarzwald bekam je nach Gegend der Älteste oder der Jüngste beispielsweise den Hof, die anderen mussten die Heimat durch Heirat verlassen oder sich mangels Besitzlosigkeit zum Gesinde gesellen“, so der Festredner. Quasi ab Beginn der Reichsgründung im Jahr 1871 nutzte unter anderem der Nationalstaat den Heimatbegriff und deutete ihn patriotisch um. „Die Nationalsozialisten luden den Heimatbegriff in den 1930er Jahren aufwärts dann mit einer rassistischen Blut- und Bodentheorie auf und missbrauchten ihn für ihre Zwecke. Die Pflege von Volkskunst zog ein. Die daraus resultierenden Abscheulichkeiten aus dieser Zeit sind bekannt“, so Baumann.

Heile Welt?

Ab den 1950er Jahren wurde der Heimatbegriff geimpft durch romantische Heile-Welt-Heimatromane und besondere Heimatfilme mit Happyend-Stimmung. „Für Hässliches war kein Platz mehr“, betonte Baumann. Der aufkommende Tourismus tat sein Übriges dazu. Heimat wurde zum Konsumgut. Mit Bürgerinitiativen wie Wyhl zu Beginn der 1980er Jahre bekam der Heimatbegriff wieder eine politische Dimension. Es setzte hier nach Baumanns Worten sogar eine nachkriegliche, erkennbare Scham für den Begriff Heimat ein. Heimatverbände versuchten und versuchen, gewachsene Traditionen und Kultur zu retten. Selbst das Fach „Heimatkunde“ verschwand aus dem Bildungsplan und wurde zur „Sachkunde“.

Keine Deutschtümelei

Der Begriff Heimat erfährt in der Neuzeit eine Renaissance. „Heimat heißt nicht zurück zu gestern, oder früher war alles besser, ich pflege keine Deutschtümelei“, betonte der Festredner und fügte an: „Auch ein rein auf Sicherung von alten Traditionen ausgerichtetes Heimatministerium oder gar ein Heimatschutzministerium im Trump’schen Sinne finde ich wenig spannend bis abstoßend“.

Zu diesem neuen Heimatbegriff zählt Baumann auch nicht den Missbrauch des Begriffes zu leeren Marketingzwecken. „Ebenso kann ich mich persönlich mit bajuwarischen Dirndl und Lederhosen sowie bayrischen Oktoberfesten im Schwarzwald nicht anfreunden“, meinte Uwe Baumann. Auch distanziere er sich eindeutig von Menschen und politischen Bewegungen, die Heimat „im Sinne von nationalistischer, völkischer oder rassischer Natur bespielen wollen“. Auch der Vereinnahmung eines Heimatbegriffs durch „nationalistische rechte Kräfte“ erteilte der Referent als überzeugter Demokrat eine deutliche Abfuhr.

Für die Neujahrsrede, die sich klar und eindeutig mit dem Begriff Heimat auseinandersetzte, bekam der Festredner Uwe Baumann durch ehrlichen Applaus viel Zustimmung der Zuhörer. Bürgermeister Christian Behringer überreichte ihm als kleine Anerkennung ein Kunstwerk vom heimischen Holzbildhauer Simon Stiegeler.