Der Holzmarkt ist von Käferholz überschwemmt. Die Lager der Säger sind voll, die Holzpreise im Keller. Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, informierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Grafenhausen über die Situation, die er als „dramatisch“ bezeichnete. Finanzielle Hilfe für Privatwaldbesitzer wird es nicht geben: „Der Notfallplan 2019 wurde gestrichen, weil sich die Verantwortlichen in Stuttgart nicht einig wurden“, teilte Norbert Schwarz mit.

Sägewerksbesitzer Josef-Hermann Braun aus Birkendorf zeigt mit dem Zollstock auf verblauende Stellen, die durch einen Pilz hervorgerufen werden.
Sägewerksbesitzer Josef-Hermann Braun aus Birkendorf zeigt mit dem Zollstock auf verblauende Stellen, die durch einen Pilz hervorgerufen werden. | Bild: Wilfried Dieckmann

Nicht nur die Aufarbeitung der jüngsten Stürme, dem Forst bereitet insbesondere die Käferinvasion riesige Probleme. Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald mit Sitz in Ühlingen, beschrieb die Situation in Grafenhausen angesichts der Höhenlage gegenüber dem südlichen Landkreis Waldshut als „paradiesisch“. So werde nach seinen Worten beispielsweise die Gemeinde Weilheim in zwei Jahren quasi fichtenfrei sein. Auch gegenüber dem Breitwiesenhof könne derzeit täglich ein halber Hektar mehr Kahlfläche beobachtet werden. „Die zuständigen Förster sind machtlos“, betonte Norbert Schwarz.

Optische Unterschiede gibt es natürlich zwischen frischem und Käferholz.
Optische Unterschiede gibt es natürlich zwischen frischem und Käferholz. | Bild: Wilfried Dieckmann

Somit herrsche ein Überangebot an „blauem Holz“, wie er das Käferholz nannte. Der Name kommt daher, weil sich das vom Buchdrucker befallene Holz blau-grau verfärbt. An der Qualität, also an den statischen Eigenschaften, ändere sich nach den Angaben von Norbert Schwarz allerdings nichts. Bedingt durch den Käfer gebe es aber im Bereich der „Wasserleitungsbahnen des Stammes“ einen Bläuepilz, der das Holz optisch verändert.

Holzpreis auf historischen Tiefstand

„Durch diese Verfärbungen kann das Holz nicht mehr in Sichtbereichen verarbeitet werden und wird von den Firmen auch nicht gewünscht“, informierte der erfahrene Holzvermarkter. Somit sei auch der Holzpreis auf einen historischen Tiefstand gefallen. Hinzu komme natürlich das vorhandene Übergewicht an Käferholz. In vielen Bereichen des Landkreises deckten die Erlöse nicht einmal die Aufarbeitungskosten. „Es gibt viele Waldbesitzer, die ihr ganzes Vermögen in wenigen Wochen verloren haben“, sagte Norbert Schwarz. Auch die Situation der Holzverkäufer sei alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Es gehe im Kern nur noch darum, dieses Käferholz irgendwie loszuwerden. Als erfreulich wertete er die Verträge mit großen Sägereien, die „an Land gezogen werden konnten“.

Ein Hoffnungsschimmer

Das Problem sei dabei aber die große Entfernung und die Verladung auf Güterzüge, der nächste Bahnhof sei in Immendingen. Als Hoffnungsschimmer bezeichnete er eine Verladung auf die Sauschwänzlebahn in Weizen. Hier aber gibt es im Winter Probleme mit den Fledermäusen in den Tunneln. „Wir hoffen aber, dass uns eine Fahrt mit Diesellok genehmigt wird“, berichtete Norbert Schwarz und fügte an, dass die Betreiber der Bahn Interesse signalisierten.

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An den Holzerlösen werde sich jedoch nichts ändern, hier werde Geld verbrannt. Im Sog dieser gesamten Situation sei auch der Preis für frisches Holz nach unten gegangen. Er sei aber voller Hoffnung, dass in der nächsten Zeit die Verhandlungen mit einem Großabnehmer erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Frisch geschlagenes Käferholz könne in der Güteklasse 2 B gehandelt werden, wenn es aber zwei zusätzliche Wochen im Wald liege, werde das Holz blau und sinke im Preis. „Selbst wenn der Käfer in den oberen drei Metern des Baumes sitzt, der Stamm geht auch dann im unteren Bereich in die blaue Verfärbung“, so der Holzexperte. Als besonders dramatisch bezeichnete er die Situation in der Nachbargemeinde Ühlingen-Birkendorf, die zwischenzeitlich schon mehr als die zweifache Menge des geplanten Hiebsatzes als Käferholz habe verkraften müssen.

Warten auf Geld

Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, rief in Erinnerung, dass sich nicht nur der Landesforstpräsident, sondern auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Sommer selbst ein Bild von der dramatischen Situation im Landkreis machen konnte. Hierbei sei insbesondere den privaten Waldbesitzern finanzielle Unterstützung versprochen worden. „Der Notfallplan 2019 wurde jedoch gestrichen, weil sich die Verantwortlichen in Stuttgart nicht einig wurden“, teilte Norbert Schwarz mit. Das bedeutet im Klartext: Geld fließt nicht. Wie es im kommenden Jahr aussehen werde, kann Norbert Schwarz derzeit jedoch noch nicht sagen.