31 Studierende der Leibniz Universität Hannover kamen in den Pfingstferien zu einer botanischen und ökologischen Exkursion in den Schwarzwald. Diese wurde von Professor Hansjörg Küster, der in Grafenhausen beheimatet ist, geleitet. Ein Teil der Studierenden möchte Lehrer an Gymnasien im Fach Biologie werden, andere studieren Landschaftswissenschaften, ein neues Fach, in dem man Landschaften zu beurteilen lernt.

Das Bestimmungsbuch war bei den Studenten immer dabei.
Das Bestimmungsbuch war bei den Studenten immer dabei. | Bild: Wilfried Dieckmann

„In Grafenhausen bestehen hervorragende Voraussetzungen für die Durchführung einer solchen Exkursion“, informierte Hansjörg Küster. Als Übernachtungsquartier dienten fünf Häuser im Ferienhof. Sämtliche Exkursionsziele waren zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, außerdem gab es eine große Fülle an blühenden Pflanzen zu sehen: Am Schlüchtsee, auf dem Feldberg, bei Birkendorf, im Erlenbachtal, auf der Oberen Alp und auf dem Lindenberg, wo die letzten blühenden Orchideen-Exemplare des Frauenschuhs zu finden waren.

Sprechgesang mit Pflanzennamen

Auf ihren Wanderungen erfanden die Studierenden einen Sprechgesang in der Art eines „Rap“, um sich die vielen Pflanzennamen einzuprägen: Esparsette, Akelei, Borstgras, Pippau, Fettkraut, Steinbrech.

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In Grafenhausen informierte sich die Gruppe auch über moderne Landwirtschaft auf dem Bläselehof: Daniel Stritt führte seinen Kuhstall mit Melkroboter vor. Für Diskussionsstoff sorgten die Landschaftsveränderungen durch den Biber an der Schlücht, der laut Küster in wenigen Jahren aus einem Erlen-Eschen-Wald ein neues Biotop mit See geschaffen hat, an dem nun auch Wasservögel wie Enten und Graureiher leben.

Biber weitet Radius aus

Als problematisch bezeichnete Hansjörg Küster die Tatsache, dass angesichts fehlender Baumstämme rund um den Biberteich die Tiere ihren Radius erweitern und somit auch den Schlüchtsee erreichen. Wenn genügend Nahrung nachwachsen würde, dann beschränkten sich die Tiere auch wieder auf das von ihnen geschaffene Biotopumfeld. So werde schlussendlich Baum für Baum fallen.

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Wie der Professor den Studierenden genau erläuterte, frisst der Biber die Äste im Wasser. Er kann nämlich mit seinen eigenen Verdauungsorganen die Nahrung nicht zerlegen und ist auf Bakterien angewiesen, die aber viel Wasser benötigen. Bei diesem Fressvorgang entstünden Schmatzgeräusche, die ziemlich unangenehm seien.

Die wissbegierigen Studierenden erfanden sogar einen Sprechgesang in der Art eines „Rap“, um sich die vielen Pflanzennamen einzuprägen.
Die wissbegierigen Studierenden erfanden sogar einen Sprechgesang in der Art eines „Rap“, um sich die vielen Pflanzennamen einzuprägen. | Bild: Wilfried Dieckmann

„Mit einem Freund habe ich diesem Vorgang einmal eine halbe Stunde lang zuhören müssen, wobei wir erst gedacht haben, wir hätten ein Menschenpärchen in Flagranti erwischt“, erzählte Hansjörg Küster schmunzelnd. Er sei sich auch sicher, so Hansjörg Küster weiter, dass der Biber den Badegästen im Schlüchtsee keinerlei Schäden zufügt.

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Für die Teilnehmer dieser kurzweiligen und lehrreichen Exkursion mit Hansjörg Küster war der Hörsaal also kurzerhand ins Freie verlegt worden: „Zwischen Feldberg und Klettgau kann man eine Menge lernen über Zusammenhänge zwischen Landschaft, geologischem Untergrund, Nutzung des Landes und einer reichhaltigen Vegetation“, so Professor Hansjörg Küster abschließend. Der Erfolg gab ihm recht.