Herr Stritt, der Sportverein Grafenhausen will den bestehenden Hartplatz im vereinseigenen Schlüchtseestadion durch einen Kunstrasen ersetzen. Wie lange besteht der Hartplatz schon?

Seit ewigen Zeiten. Der Sportverein Grafenhausen wurde 1921 gegründet, seither wurde auf diesem Platz gespielt. In dieser langen Zeit wurde der Platz jedoch mehrfach grundlegend saniert, ohne die Grundmaße zu verändern. Auch wurde der Platz mit einer Flutlichtanlage ausgestattet.

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Warum soll der Hartplatz nach fast 100 Jahren in einen Kunstrasenplatz umgestaltet werden?

Ein Hartplatz ist nicht mehr zeitgemäß, im gesamten Südschwarzwald gibt es quasi keine derartigen Platzverhältnisse mehr. Die wenigen Exoten kann man an einer Hand abzählen. Nicht nur im Sommer, wenn der Platz pickelhart ist, auch im Herbst ist es nach mehreren Regentagen schwierig zu spielen. Ein Ausweichen auf den bestehenden Rasenplatz ist wegen fehlender Flutlichtanlage nicht möglich. Hinzu kommt, dass die Rasenfläche für Punktspiele und Turniere ausgelastet ist. Zusätzliche Trainingszeiten verkraftet die Grünfläche nicht. Durch den harten Platz kommen aber auch Verletzungsgefahren wie aufgekratzte oder blutende Knie hinzu, die nicht mehr zeitgemäß sind und von den Eltern auch nicht mehr so akzeptiert werden. Gerade im Jugendbereich sehen wir es als erforderlich an, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Die Frage hat sich gestellt, ob Kosten in der Größenordnung von 30 000 Euro für eine dringende Sanierung des Hartplatzes sinnvoll sind.

Daniel Stritt, Vorsitzender SV Grafenhausen.
Daniel Stritt, Vorsitzender SV Grafenhausen. | Bild: Wilfried Dieckmann

Die Zeitreise in die Moderne ist aber auch mit hohen Kosten verbunden. Wieviel Geld muss der Sportverein Grafenhausen für einen modernen Kunstrasenplatz in die Hand nehmen?

Die komplette Bausumme beträgt nach aktuellem Stand etwa 350 000 Euro. In dieser Summe sind der Kunstrasenplatz, die LED-Flutlichtanlage sowie sonstige Arbeiten rund um den Platz eingerechnet.

Warum investiert der SVG nicht in einen zweiten Rasenplatz?

Kunstrasen hat den großen Vorteil, dass man auch bei Regenwetter ohne Beeinträchtigung spielen oder trainieren kann, da das Wasser ohne Probleme abläuft und nicht stehen bleibt. So schaffen wir optimale Bedingungen und schonen unseren Rasenplatz. Ein weiterer Vorteil sind die Abendspiele, die dann unter Flut-licht stattfinden können. Besonders bei viel Regen im Herbst hat man bei zwei Rasenplätzen keinen Vorteil.

Über Kunstrasenplätze wird in den letzten Monaten heftig diskutiert. Ist diese Form eigentlich noch zeitgemäß?

Richtig, Kunstrasenplätze sind derzeit in aller Munde. Uns hat dies aber im Verein wenig geschockt und bringt unsere Planungen auch nicht durcheinander. Wir haben von Anfang an beim Füllmaterial mit dem umweltfreundlichen Naturprodukt Kork geliebäugelt. Granulat aus beispielsweise Altreifen kam nicht in Frage. Diskutiert wurde nur neu produzierter Kunststoff oder Kork. Kork gibt es auf den Plätzen Eisenbach, Saig oder Eggingen. Wir haben uns die Plätze angeschaut und auch darauf gespielt.

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Kann der SVG den neuen Platz aus der Portokasse finanzieren?

Das wäre schön, ist aber nicht so. Die Finanzierung stellt einen Kraftaufwand erster Güte dar. Zur Finanzierung der 350 000 Euro hat uns die Gemeinde erfreulicherweise einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent oder 115 000 Euro zugesagt. Hierfür sind wir besonders dankbar, weil es sich um den wichtigsten Grundstein der Finanzierung handelt. Hinzu kommen Zuschüsse vom Badischen Sportbund für Kunstrasenplatz und Flutlicht in der Größenordnung von knapp 100 000 Euro. Nicht zu vergessen das Eigenkapital von SVG und Förderverein in Höhe von 12 500 Euro. Somit verbleibt ein Eigenanteil in der Größenordnung von 120 000 Euro. Eine Summe, die durch Spenden und Eigenleistungen aufgebracht werden soll. Notfalls muss ein kleinerer Betrag über Kredite finanziert werden.

Sind schon Spenden eingegangen?

Wir sind von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung positiv überrascht, das Spendenkonto füllt sich langsam. Firmen werden von uns direkt angesprochen. Abschließend soll es eine Werbetafel geben, auf der alle größeren Sponsoren verewigt werden. Aktuell sind Spenden in Höhe von 55 000 Euro eingegangen. So kommen wir unserem Ziel, 80 000 bis 90 000 Euro Spendengelder zu erhalten, schon ein großes Stück näher. So steht heute schon definitiv fest: Wir bauen den Kunstrasenplatz. Mit Baubeginn kann im nächsten Jahr gerechnet werden.