Nach rund 14 Jahren hat Libellenforscher Karl Westermann mit seiner Ehefrau Elisabeth wieder einmal den Schlüchtsee besucht. Aber nicht zum Schwimmen, Baden oder Planschen, obwohl das Wetter dazu einladend war. Ziel der Reise war das Erfassen von dort vorhandenen Libellenarten. Als besonders erfreulich wertete der Experte unter anderem das Vorkommen der gemeinen Heidelibelle, die in den Höhen des Schwarzwaldes recht selten sei. Westermann begrüßte es, dass der See in den Wintermonaten nicht mehr komplett abgelassen wird.

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Karl Westermann ist von Haus aus Ornithologe und hat nach seinen Worten vor 47 Jahren in den Rheinauen nach Eisvogelhöhlen gesucht. In dieser Zeit habe er auch den Zugang zu Libellen gefunden und ist ihnen seither quasi treu geblieben. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit kam er vor 14 Jahren nach Grafenhausen und hat mit Genehmigung der Gemeinde und der Oberen Naturschutzbehörde das Libellenvorkommen im Naturschutzgebiet Schlüchtsee von einem Kanu aus untersucht. Als erfreulich wertete er die Tatsache, dass der See in den Wintermonaten zum sogenannten Ausfrieren von der Gemeinde Grafenhausen nicht mehr komplett abgelassen wird, weil damit der größte Teil der Libellenlarven vernichtet werde.

Im Naturschutzgebiet Schlüchtsee glitzern die Teichrosen auch in diesem Jahr zwischen Schilfgürtel und Badehäuschen in Sonnenlicht.
Im Naturschutzgebiet Schlüchtsee glitzern die Teichrosen auch in diesem Jahr zwischen Schilfgürtel und Badehäuschen in Sonnenlicht. | Bild: Wilfried Dieckmann

Als besonders schützenswert bezeichnete er die Röhricht-Bereiche im abgetrennten Naturschutzgebiet. „In diesen Sekundargewässern sind dann auch Moorlibellen zu finden, die sehr selten geworden sind“, erläuterte Karl Westermann. Bei seinem jüngsten Besuch galt somit sein besonderes Interesse auch der dort beginnenden Vermoorung. Er freute sich auch über den üppigen Bestand der Teichrosen, weil einige Libellenarten auf diese angewiesen seien. „Die Rosen bieten bei der Bepaarung den Rendezvous-Platz, bevor die Weibchen die Eier entlang der Stengel unter Wasser ablegen“, hob der Experte hervor.

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Insgesamt habe sich der abgetrennte Schutzbereich im See gut entwickelt. So habe sich in diesem Flachbereich der dreiblättrige Fieberklee, eine in Deutschland besonders geschützte Art, angesiedelt. Dieser Klee wächst in Baden-Württemberg vor allem im Alpenvorland und im südlichen Schwarzwald, einzelne Vorkommen gibt es auf der östlichen Schwäbischen Alb. Als Sumpfpflanze kann man den Fieberklee in Flachmooren, am Rand von Hochmooren und in Verlandungssümpfen finden. Die Pflanze darf aufgrund des besonderen Schutzes nicht gesammelt werden.

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Im Frühjahr ist ein weiterer Besuch in Grafenhausen geplant. „Zur jetzigen Sommerzeit ist alles geschlüpft; gut beobachten kann man derzeit aber die adulten Libellen (erwachsene Tiere), die im Sonnenschein über der Wasseroberfläche umherfliegen“, so Westermann. Und die beiden Experten haben verschiedene Libellenarten erfassen können: So die zweigestreifte Quelljungfer, die Mosaikjungfer, die Torfmosaikjungfer oder die gemeine Heidelibelle, um nur einige zu nennen. Der Besuch von Elisabeth und Karl Westermann hat deutlich gezeigt, dass es sich beim Naturschutzgebiet Schlüchtsee um einen ganz besonderen Lebensraum handelt, an dem das Zusammenspiel von Natur und Tourismus im Großen und Ganzen funktioniert.