Ein Denkmal mit japanischen Schriftzeichen beim Haus des Gastes in Birkendorf, errichtet 1994, erinnert an die japanisch-deutsche Freundschaft und die zahlreichen Besuche japanischer Kommunalpolitiker und Fachleute aus der Landwirtschaft aus dem Land der aufgehenden Sonne in der Vier-Täler-Gemeinde Ühlingen-Birkendorf. Seit 40 Jahren besteht der vom damaligen Bürgermeister Karl Sternadl gegründete Deutsch-Japanische Freundeskreis.

50 Japaner ziehen durch Ühlingen-Birkendorf

Es war am 19. November 1978 schon ein ungewohnter Anblick, als 50 Japaner, angeführt vom damaligen Bürgermeister Karl Sternadl, durch Birkendorf zogen. Die Delegation aus Japan hatte sich Ühlingen-Birkendorf ausgewählt, um hier land- und forstwirtschaftliche Erfahrungen zu studieren und die Erkenntnisse in ihre Heimat zu bringen und anzuwenden.

Die Besichtigung landwirtschaftlicher Anwesen gehörte ins Programm der japanischen Delegationen. Letztmalig dabei war 2002 Initiator Altbürgermeister Karl Sternadl (Fünfter von rechts) mit 86 Jahren. (Sechster von rechts) der jüngst verstorbene Landwirt Adolf Isele, dessen Anwesen die Japaner in all den Jahren besuchten. Archivbild: Werner Steinhart
Die Besichtigung landwirtschaftlicher Anwesen gehörte ins Programm der japanischen Delegationen. Letztmalig dabei war 2002 Initiator Altbürgermeister Karl Sternadl (Fünfter von rechts) mit 86 Jahren. (Sechster von rechts) der jüngst verstorbene Landwirt Adolf Isele, dessen Anwesen die Japaner in all den Jahren besuchten. | Bild: Werner Steinhart

Bis die erste japanische Delegation aber in Ühlingen-Birkendorf ankam, gab es im September 1978 recht schwierige Verhandlungen im Ühlinger Rathaus mit dem Geschäftsführer der Organisation, Direktor Seizo Sugiura, und Ryuzo Takayama, Professor an der Universität Tokio. Die Japaner stellten zahlreiche Vorbedingungen, doch hat man auf freundschaftlicher Basis einen Weg für die zukünftige Zusammenarbeit gefunden.

Fachliche Forschungen in Ühlingen-Birkendorf

Die Forschungsdelegationen hatten die Aufgabe, während ihres Aufenthalts neben der Besichtigung von Dörfern mit Hilfe der Bevölkerung und den Vertretern örtlicher Einrichtungen und Behörden fachliche Forschungen durchzuführen. In den Anfangsjahren waren die Japaner immer in landwirtschaftlichen Betrieben untergebracht, um an der Basis Erkundungen einzuholen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Dorfentwicklung gelegt, auf "Unser Dorf soll schöner werden" und "Ferien auf dem Bauernhof".

Als Zeichen der japanisch-deutschen Freundschaft errichteten die Japaner in Birkendorf beim Haus des Gastes 1994 ein Denkmal, auch in Erinnerung an den 1991 verstorbenen Initiator Seizo Sugiura. Bild: Werner Steinhart
Als Zeichen der japanisch-deutschen Freundschaft errichteten die Japaner in Birkendorf beim Haus des Gastes 1994 ein Denkmal, auch in Erinnerung an den 1991 verstorbenen Initiator Seizo Sugiura. | Bild: Werner Steinhart

Altbürgermeister Karl Sternadl war bis ins hohe Alter von 86 Jahren der Motor des Freundeskreises und organisierte bis zuletzt die Aufenthalte der Japaner. 2003 übergab er den Vorsitz an den damaligen Bürgermeister Thomas Fechtig, der die guten Beziehungen weiterführte. Inzwischen hat der amtierende Bürgermeister Tobias Gantert den Vorsitz übernommen. 2007 kam die bislang letzte Delegation nach Ühlingen-Birkendorf, seitdem ruhen die gegenseitigen Aktivitäten.

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Ein besonderes Ereignis war die Einladung Sternadls nach Japan 1981, wo er mit einer deutschen Delegation bei der Verleihung der Preise im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" in Tokio zu Gast war. Dieser Wettbewerb fand in Japan großen Anklang. Insgesamt war Karl Sternadl fünfmal zu Gast in Japan.

Freundschaft verschafft internationalen Ruf

Und dass der Deutsch-Japanische Freundeskreis zu internationalem Ruf gelangte, zeigte sich anlässlich des Besuchs des japanischen Ministerpräsidenten Nakasone beim Weltwirtschaftsgipfel 1985 in Bonn. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl lud Karl Sternadl zu einer Schifffahrt auf den Rhein ein.