Felix Kahlert aus Todtmoos befasst sich seit nunmehr 16 Jahren mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Der 47-Jährige recherchiert Begebenheiten aus Todtmoos und der Region vom Beginn des Nationalsozialismus 1933 bis zum Einmarsch der französischen Besatzer in die Region. Aus dem gesammelten Material sollen zwei Bücher mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten entstehen.

Während Kahlert als Zeitsoldat tätig war, wurde sein Interesse für die Thematik geweckt, wie er sagt. Doch die Wurzeln liegen weiter zurück: „Früher im Krieg waren wir Frauen alleine“, oder „Weißt du noch, früher in Russland?“, waren Aussagen von Einwohnern, die Felix Kahlert bereits in der Jugendzeit zu hören bekam. 2004 begann er damit, Zeitzeugen im Ort zu befragen, die vor 1940 geboren waren.

Er brachte Bilder mit um herauszufinden, wer darauf zu sehen ist: „So wurde das Eis gebrochen. Alle fanden das toll, dass jemand das einmal erforscht“, erklärt Kahlert im Gespräch mit unserer Zeitung. Er traf dabei auch auf Menschen, bei denen die Erinnerung an den Krieg noch immer große Emotionen hervorrief.

Das Vereinsleben mit Festen und Schulleben während der NS-Zeit ist ein Themenbereich, den Kahlert vertiefen will. Denn diese Phase wurde nach seiner Beobachtung in den bislang vorliegenden Chroniken oft ausgeklammert. Auch die Anfänge der Machtergreifung hat er dokumentiert. Der Titel des Werkes könnte laut Felix Kahlert lauten: „Damals in Todtmoos – Zeitzeugen berichten“.

Im zweiten Buch, dass er vorläufig mit „Luftkrieg im Südschwarzwald“ umschreibt, wird unter anderem von den Abstürzen von Flugzeugen der alliierten Streitkräfte zu lesen sein. Seinen akribischen Nachforschungen in unzähligen Archiven in ganz Deutschland, Europa und den USA ist es zu verdanken, dass auch persönliche Kontakte zu Zeitzeugen aus Übersee geknüpft werden konnten.

Umfangreiches Bildmaterial aus der Region über die Zeit des Nationalsozialismus hat Felix Kahlert zusammengetragen. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1945 und zeigt französische Besatzungssoldaten der 9. marokkanischen Infanteriedivision vor dem Haus Roseneck in Todtmoos. Repro: Andreas Böhm
Umfangreiches Bildmaterial aus der Region über die Zeit des Nationalsozialismus hat Felix Kahlert zusammengetragen. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1945 und zeigt französische Besatzungssoldaten der 9. marokkanischen Infanteriedivision vor dem Haus Roseneck in Todtmoos. Repro: Andreas Böhm | Bild: Andreas Böhm

Bei seinen Online-Recherchen stieß Kahlert auf den heute 96-jährigen damaligen US-Soldaten John Connelly, der selbst an Bord eines amerikanischen Bombers diente. Das Militärflugzeug wähnte sich im Juli 1944 irrtümlich über neutralem Gebiet. Die Maschine wurde von der deutschen Flugabwehr getroffen; die Soldaten sprangen über Todtmoos-Au und Wehrhalden ab.

Nach dem Absprung des Piloten über Bannholz stürzte das führerlose Fluggerät bei Blumberg ab. Bis heute steht Felix Kahlert in regem Austausch mit John Connelly. Über den Umtrieb französischer Besatzer in der Region hat Felix Kahlert nach eigener Aussage keine offiziellen Informationen. Die französischen Gerichtsakten seien mit einer Sperrfrist versehen.

Corona-bedingt sind die Nachforschungen des Todtmooser Hobby-Historikers zwischenzeitlich etwas ins Stocken geraten. Erst im Mai hat Felix Kahlert wieder einen Termin zur Akteneinsicht im Militärarchiv in Freiburg bekommen. Dort möchte er noch nach weiteren Informationen zu dem interessanten Themengebiet suchen, bevor seine Bücher erscheinen.