Zum Jahreswechsel haben wir den Bürgermeistern von Laufenburg, Murg, Görwihl, Rickenbach, Herrischried und Todtmoos zehn teils persönliche, teils die Gemeinde betreffenden Fragen zukommen lassen. Hier veröffentlichen wir die Antworten der Todtmooser Bürgermeisterin Janette Fuchs.

  1. Sind Sie froh, dass 2020 vorüber ist?

Das Jahr 2020 war für niemanden einfach, hat uns viel abverlangt und sicherlich ist es das Jahr, an das wir uns das ganze Leben zurückerinnern werden. Die Corona-Pandemie hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Viel lieb Gewonnenes hat es uns genommen und manche Belastung noch oben drauf gepackt. Ich denke vor allem an die älteren Menschen, die Kranken, an die Vereinsamung, Existenzsorgen und Zukunftsängste – für viele von uns sind sie zu Alltagssorgen geworden. So gesehen sind wir alle verständlicherweise froh, dass das Jahr vorbei ist, auch wenn die Pandemie noch nicht vorüber ist und die langfristigen Folgen kaum abzuschätzen sind. Doch trotz allen Zumutungen war nicht alles schlecht, es hat auch etliche positive Erfahrungen mit sich gebracht, die unser Leben durchaus bereichert haben oder auf lange Sicht bereichern werden. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich in der Krise vorbildlich und selbstlos um andere gekümmert, die Gemeinsinn und Solidarität gezeigt haben. Ich hoffe sehr, dass wir uns das erhalten können. Dass wir aufeinander acht geben und füreinander einstehen. Die Beschränkung unseres Lebens durch Corona führte auch zur Einsicht und zum Bewusstsein, welche Dinge für uns wirklich wichtig sind. Und zwar dadurch, dass wir sie während des Lockdowns nicht haben können, wie zum Beispiel den geliebten Restaurantbesuch oder das Treffen mit Freunden und Familie, oder aber erst recht die Zeit dafür zu finden. Ich glaube, der Wertewandel in unserer Gesellschaft wurde beschleunigt: weg von Konsum und Verschwendung, hin zu Gesundheit, Umwelt und Lebensqualität. Ein Besinnen auf das Wesentliche im Leben tritt wieder in den Vordergrund. Viele Errungenschaften unserer Wohlstandsgesellschaft werden nicht mehr als etwas Selbstverständliches empfunden. Mit Sicherheit wird uns Corona trotz Impfstoff weiterhin einschränken und möglicherweise treten auch neue Schwierigkeiten auf.

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  1. Was hat Sie vergangenes Jahr besonders gefreut?

An oberster Stelle steht, dass sich eine Zuschussmöglichkeit zur Sanierung unseres Freibades aufgetan hat. Den Antrag haben wir sofort gestellt.

Gleich Anfang des Jahres haben wir aufgrund Schneemangels innerhalb kürzester Zeit ein Huskycamp mit Erfolg auf die Beine gestellt. Es war eine sensationelle Leistung aller Beteiligten.

Zudem hat mich gefreut, dass wir trotz den erschwerten Umständen eine Vielzahl von großen und kleinen Aufgaben und Projekten dennoch auf den Weg gebracht haben. Der Breitbandausbau und die Erweiterung des Fernwärmenetzes ging gut voran, die Sanierung der Wehratalstraße samt Parkplatz beim Friedhof ist erledigt und sieht sehr schön aus, das Wahrzeichen von Todtmoos, der Hochkopfturm erstrahlt in neuem Glanz, die Minigolfbahnen wurden erneuert, die Umgehungsstraße wurde rundum saniert und nicht zu vergessen, die „normalen“ Arbeiten der Verwaltung, Straßen und Einrichtungen, Pflege unserer Grünanlagen, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung bis hin zum Bürgerservice im Rathaus gingen reibungslos über die Bühne. Aufgaben, die gerne für die Bürgerinnen und Bürger erledigt wurden und vor allem erledigt werden konnten, weil im Team Gott sei Dank keiner krankheitsbedingt ausgefallen ist. Die Gemeindeverwaltung war für viele Bürger der Ansprechpartner, wenn es um die Umsetzung der Corona-Auflagen ging. Das zeigt das große Vertrauen in die Verwaltung. Es war eine Herausforderung, die sich verändernden Verordnungen zu interpretieren und umzusetzen. All das haben wir klasse gemeistert. Und last but noch least habe ich mich über die herzliche Lichtbotschaft am Vierten Advent gefreut. 144 Fackeln erstrahlten um die Marienstatue auf dem Kirchberg als Zeichen der Hoffnung, der Liebe und des Lichtes, welches sicherlich die Grenze über Todtmoos hinaus geschafft hat.

  1. Was war für Sie besonders unerfreulich?

Dass ein Lockdown überhaupt möglich ist, das hätte ich noch Anfang 2020 nicht für möglich gehalten. Erstaunlich, welch weitreichende Einschränkungen auf uns zugerollt sind. Schließung der Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, der Einzelhandel samt Dienstleistung musste dicht machen, Veranstaltungen, welche lange geplant waren wurden abgesagt. Ich denke hier besonders an unser weit über die Grenzen hinaus bekanntes Tanzlokal „Schwarzwaldspitze“. Der Betreiber hat seit März 2020 durchgehend geschlossen und muss zusehen, wie er seine dennoch laufenden Kosten trägt oder das 125-jährige Jubiläum unseres Musikvereins Todtmoos-Weg. Die Organisatoren mussten lange Geplantes auf 2021 verschieben. Zudem war es überhaupt nicht schön, die Entscheidung treffen zu müssen, dass das Freibad aufgrund der nicht umsetzbaren Coronaverordnung geschlossen bleibt.

  1. Welches ist das wichtigste Projekt, das vergangenes Jahr in Ihrer Gemeinde verwirklicht wurde?

Der Bürger hat ein Recht auf eine flächendeckende schnelle Mobilfunkversorgung. Das Breitband gehört zur Grundversorgung und Daseinsvorsorge. In einigen Ortsteilen in Todtmoos ist das nicht mehr gegeben beziehungsweise bricht weg. Der wichtigste Schritt war deshalb der Beginn des Breitbandausbaus, hin zum schnellen Internet. Wir haben mit dem Ausbau des Breitbands begonnen und sind gut vorangekommen.

  1. Was ist die wichtigste Sache, die liegenblieb?

Unerledigte oder unbearbeitete Dinge gibt es nicht. Es wurden alle Dinge angegangen und entsprechend den besonderen Umständen weiterverfolgt.

  1. Warum könnte 2021 ein besseres Jahr für Ihre Gemeinde werden als 2020?

Wenn die Impfung den gewünschten Erfolg bringt, wird der Tourismus wieder in Gang kommen und somit unsere Lebensader aktiviert. Ich glaube die Bevölkerung ist besonnener geworden und deshalb denke ich, dass vorerst die Menschen nicht ins entfernteste Ausland reisen, sondern wie schon im Spätjahr 2020 spürbar, den Schwarzwald, „neu“ entdecken werden. Unsere Gastronomen und Hotels sind somit wieder gefragt und unser Ort wird damit auch wieder belebt.

  1. Was wünschen Sie sich 2021 als Bürgermeister für Ihre Gemeinde?

Ich wünsche mir, dass der Zuschuss für unser Freibad bewilligt wird und Ende 2021 das Breitband abgeschlossen und funktionsfähig ist und vor allem, dass wir keine weiteren Lockdowns mehr durchleben müssen.

  1. Was wünschen Sie sich 2021 persönlich?

In meine persönlichen Wünsche schließe ich alle mit ein. Ich wünsche uns: Glück, Gesundheit und Zufriedenheit, die drei Fundamente für ein gutes Leben. Ich hoffe, dass die Pandemie durch die Impfungen besiegt wird und wir bald wieder ein normales Leben führen können. Denn fest steht: Soziales Leben, Vereine, Kultur und Sport, viel ist 2020 auf der Strecke geblieben. Mögen wir uns nicht wieder so viele Sorgen machen müssen und wieder unbeschwert leben können. Wirtschaftlich soll es wieder aufwärts gehen und die Existenzängste, unter denen derzeit so viele Menschen leiden, weniger werden und vor allem wünsche ich, dass wir uns, wenn uns danach ist, einfach mal wieder in den Arm nehmen können.

  1. Wenn Ihre Gemeinde einen Sechser mit Superzahl im Lotto hätte, was sollte sie mit dem Geld tun?

Ach, davon habe ich schon oft geträumt! Leider darf eine Gemeinde kein Lotto spielen. Doch wie heißt es so schön: Träume und Gedanken kennen keine Schranken. Ein Geldsegen würde uns so gut tun. Wir könnten unabhängig von einem Investor eine Anlage für betreutes Wohnen errichten. Wir müssten nur einen Betreiber suchen, gleichzeitig könnten wir eine Kinderkrippe bauen.

  1. Welche Schlagzeile über sich selbst oder über Ihre Gemeinde würden Sie 2021 gerne lesen?

Zuschuss für Todtmooser Freibadsanierung bewilligt!