Aus dem Fricktal im Kanton Aargau führt jedes Jahr am Montag vor Pfingsten die größte Fußwallfahrt vom Hochrhein über den Hotzenwald in das obere Wehratal. Aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie musste Pilgerführer Karl „Charly“ Herzog schweren Herzens die Wallfahrt absagen: „Der Entschluss ist mir nicht leicht gefallen; wäre es doch die 70. Wallfahrt nach dem letzten Weltkrieg gewesen“, so Herzog in einer schriftlichen Mitteilung an Bürgermeisterin Janette Fuchs und die Pauliner Patres.

Das könnte Sie auch interessieren

Herzog vermutet, dass trotz angekündigter Lockerungen der Verordnungen in der Schweiz Ansammlungen von bis zu 200 Personen in absehbarer Zeit nicht zugelassen sind. Es stehe zudem in den Sternen, wann die Grenzen wieder normal geöffnet seien, so der Pilgerführer. Für ihn persönlich wäre es heuer die 42. Wallfahrt nach Todtmoos gewesen: „Mir tun alle leid, die sich schon darauf gefreut haben – aber schauen wir vorwärts und freuen uns auf das nächste Jahr“. Herzog bedankte sich in dem Schreiben „für die Wertschätzung, die unsere Wallfahrt seit unglaublich vielen Jahren durch die ganze Gemeinde Todtmoos erfahren durfte“.

Das könnte Sie auch interessieren

Es ist wirklich paradox: die Hornusser Wallfahrt hat ihren Ursprung nämlich in einer Pest-Epidemie, die im 15. Jahrhundert in Mitteleuropa wütete. Als Dank dafür, von der Pest verschont worden zu sein, pilgern seither Menschen aus dem Fricktal nach Todtmoos.

Das könnte Sie auch interessieren

Prior Pater David bedauerte ebenfalls die Absage der traditionellen Wallfahrt: „Damit hat keiner gerechnet“. Doch kurz nachdem das Schreiben aus der Schweiz in Todtmoos eintraf, keimte beim Pater und der Bürgermeisterin eine spontane Idee auf. Es klingt ungewöhnlich, aber die letzte Etappe des Pilgerzuges auf dem Todtmooser Gemeindegebiet soll am 25. Mai trotzdem begangen werden; auch ohne die Pilger aus Hornussen. Um 16.25 Uhr, wenn normalerweise die Schweizer Pilger am Ortseingang in Empfang genommen werden, pilgern die drei Patres David, Lukas und Roman zusammen mit der Bürgermeisterin unter dem Geläut der Glocken von dort bis zur Wallfahrtskirche. Wenn die Regeln es bis dahin erlauben, dürfen auch weitere Menschen sich anschließen.

Die Pilger aus Hornussen erklimmen die letzten Meter am „Kirchenbuckel“ vor dem Eintritt in die Wallfahrtskirche. Dieses eindrucksvolle Bild wird es in diesem Jahr nicht geben.
Die Pilger aus Hornussen erklimmen die letzten Meter am „Kirchenbuckel“ vor dem Eintritt in die Wallfahrtskirche. Dieses eindrucksvolle Bild wird es in diesem Jahr nicht geben. | Bild: Andreas Böhm

Vor dem Gnadenbild soll dann für die Hornusser gebetet werden. Laut Pater David soll diese Geste der Verbundenheit möglicherweise per Livestream in der Schweiz zu sehen sein. Der Geistliche hofft darauf, dass dann im nächsten Jahr doppelt so viele Pilger aus dem Fricktal in den Schwarzwald kommen. Neben diesem bedeutenden Pilgerzug sind inzwischen auch einige kleinere Wallfahrten abgesagt worden.

Während der Pandemie werden von den Paulinern jedoch Einzel- und Familienwallfahrten im privaten Kreis angeboten. Dennoch hofft Pater David darauf, dass die strengen Regeln auch für Kirchenbesucher bald gelockert werden. Die Menschen würden nicht verstehen, dass Märkte geöffnet haben, Kirchen jedoch geschlossen seien. Der Pater spricht hier wohl vielen Gläubigen aus der Seele, wenn er sagt: „Die Menschen suchen Zufluchtsorte und Trost. Die Verantwortlichen sollten auch an die seelische Not denken; dieser Schaden kann viel größer sein“.