Seit 2018 gehört Todtmoos zum Tourismusverband Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) – nachdem sich de Schwarzwaldgemeinde zuvor von der „Ferienwelt Südschwarzwald“ – einem Zusammenschluss touristischer Destinationen aus dem Landkreis Waldshut – getrennt hatte. Doch an der neuen Partnerschaft gab es von Beginn an Kritik – und sie ebbte nicht ab.

Bereits 2017 äußerten etliche Todtmooser Gastronomen Kritik am Beitritt. Nicht erst seit der anhängenden Steuersache, welche die HTG 2,3 Millionen Euro kosten könnte, wurden in Bezug auf die Zusammenarbeit mit der HTG in Todtmoos immer wieder kritische Stimmen laut. Die Gemeinde zahlt für das Außenmarketing der Gesellschaft jährlich 431.000 Euro.

Wir haben bei den beiden Fraktionen im Gemeinderat, Freie Wähler und CDU, sowie bei Bürgermeisterin Janette Fuchs und den Bürgermeisterkandidaten Marcel Schneider und Tobias Büscher nach ihrer Meinung zur Zusammenarbeit mit der HTG oder möglichen Alternativen gefragt – denn das Thema spielt naturgemäß im Todtmooser Bürgermeisterwahlkampf eine große Rolle. Bald steht die Entscheidung an, ob Todtmoos den Kooperationsvertrag mit der HTG verlängert.

Bürgermeisterin räumt falsche Entscheidung ein

Die amtierende Bürgermeisterin Janette Fuchs trifft zur aktuellen Situation eine klare Aussage: „Da ich die Aufgabe habe, mit der HTG Gespräche zu führen ist es mir wichtig, festzustellen, das mein Gemeinderat und ich mit der momentanen Situation unzufrieden sind. Wir haben großes Interesse daran, das Verhältnis zu optimieren“. Fuchs sieht Defizite in der notwendigen Transparenz zu den Mitgliedsgemeinden. Im täglichen touristischen Geschäft werde sie von Vermietern und Gästen darauf aufmerksam gemacht, dass es Verbesserungspotential gäbe.

Bürgermeisterin Janette Fuchs.
Bürgermeisterin Janette Fuchs. | Bild: Andreas Böhm

„Aus heutiger Sicht muss ich klarstellen, dass ich mit meiner Stimme zum Wechsel zur HTG nicht richtig lag“, so Fuchs. Man habe sich von der professionellen Tourismusarbeit mehr Vorteile versprochen: „Heute bezahlen wir im wahrsten Sinne des Wortes einen hohen Preis für unsere damalige Entscheidung“, so Fuchs. Sie betont aber, dass in der Thematik HTG zwischen ihr und dem Gemeinderat stets einstimmige Aussagen und Beschlüsse getroffen wurden.

Mit Blick in die Zukunft nach Ablauf des Vertrages stellt die Bürgermeisterin fest: „In einer Klausurtagung haben der Gemeinderat und ich die Weichen für den neuen touristischen Weg gestellt“. Dieser Weg bietet nach Aussage von Janette Fuchs verschiedene Optionen. Es sei ihr wichtig, zunächst Gespräche mit der HTG, Fachleuten und einheimischen Dienstleistern zu führen, um dann gemeinsam die richtige Entscheidung für Todtmoos treffen zu können.

Fraktionen sehen HTG-interne Probleme

Die Fraktionen von CDU und Freien Wählern sprechen von internen Baustellen der HTG, die geschlossen werden müssten. Die Entscheidung, ob der Vertrag verlängert wird, sei keine einfache Situation. Das Zusammenspiel zwischen Innen- und Außenmarketing gestalte sich schwierig. In Bezug auf die Organisation sei es nicht hilfreich, dass keine von der Gemeinde an die HTG übergebenen Arbeitskräfte mehr bei der Touristinfo angestellt seien.

Jörg Oehler, Vorsitzender Freie Wähler Todtmoos
Jörg Oehler, Vorsitzender Freie Wähler Todtmoos | Bild: Joerg Oehler
CDU Vorsitzende Bettina Schmitz.
CDU Vorsitzende Bettina Schmitz.

Die Vorgehensweise beim Wechsel zur HTG wird als unvorteilhaft für die Gemeinde bezeichnet. Der Vertrag hätte vor Unterzeichnung von einem Fachmann geprüft werden müssen. In Sachen Außenmarketing sei die HTG ein guter Partner. Es gelte nun abzuwarten, was mit der HTG passiert. Wichtig sei, für alle Richtungen offen und gesprächsbereit zu sein. Es gäbe mehrere gute Optionen für die Zukunft, so die Einschätzung der Fraktionen.

Bürgermeisterkandidat Marcel Schneider offen für Veränderungen

Marcel Schneider.
Marcel Schneider. | Bild: Andreas Böhm

Bürgermeisterkandidat Marcel Schneider meint zu einer möglichen Vertragsverlängerung mit der HTG: „Aus vielen Gesprächen mit der Todtmooser Bevölkerung nehme ich mit, dass eine Verlängerung vielfach kritisch gesehen wird im Hinblick auf Kosten und Leistungen“. Es sei klar, dass eine Verlängerung nur bei deutlich reduzierten Kosten und veränderten Rahmenbedingungen in Frage käme. Andere Konstellationen im Tourismusmarketing seien denkbar: „Hier darf es keine Denkverbote geben“, so Schneider. Im Außenmarketing werde es auch künftig nicht ohne Verbünde gehen, wenn man mehr Gäste nach Todtmoos holen wolle: „Wir sollten mit Blick auf die Verhandlungsoptionen gegenüber anderen Kooperationspartnern gesprächsbereit bleiben. Schneider weiter: „Beim Innenmarketing besteht großer Handlungsbedarf“. Als Stichworte nannte Marcel Schneider den Service vor Ort oder die Präsenz von Todtmoos im Internet und in den sozialen Medien.

Bürgermeisterkandidat Tobias Büscher gegen die Verlängerung des Vertrages

Tobias Büschner.
Tobias Büschner. | Bild: Danylo Vladyka

Bürgermeisterkandidat Tobias Büscher hat in Bezug auf die Steuersache der HTG eine konkrete Meinung: „Todtmoos hätte nie der HTG beitreten dürfen. Dann wäre uns der Ärger mit dieser Steuersache erspart geblieben“. Büscher verneint die Frage, ob der Vertrag mit der HTG verlängert werden soll: „Todtmoos zahlt jährlich über 430.000 Euro an die HTG. Ich sehe nicht, dass sich das für die Gemeinde rechnet“. Andere Wege im Tourismusmarketing sind für Tobias Büscher durchaus denkbar: „Wir sollten hier selbst effektives Marketing betreiben. Das würde auch den Haushalt entlasten.“

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