Es ist Punkt 18 Uhr. Nach dem sechsten Glockenschlag der Todtmooser Wallfahrtskirche wiederholt sich im Kur-und Wallfahrtsort seit einigen Wochen jeden Abend dasselbe Ritual: Vom Balkon des Altbürgermeisters Herbert Kiefer im Hohwehraweg erklingen ganz unterschiedliche Weisen. Kiefer setzt sein Flügelhorn an den Mund und es ertönt etwa das bekannte „One Moment in Time“ und im Anschluss daran die beliebte Polka „Böhmischer Traum“.

Wie alles begann

Angefangen hat alles im März, als die Corona Pandemie auch hier in Deutschland bedrohliche Ausmaße annahm, und viele Menschen zu Hause bleiben mussten. Der Bund Deutscher Blasmusikverbände rief damals seine Mitglieder deutschlandweit dazu auf, als Zeichen der Verbundenheit in dieser Krise am 22. März Beethovens „Ode an die Freude“ anzustimmen. Herbert Kiefer, der selbst in verschiedenen Blaskapellen in der Region und beim Musikverein Todtmoos-Weg aktiv tätig ist, war natürlich sofort mit dabei und lies sein Flügelhorn erklingen. Doch der 64-Jährige beließ es nicht bei dieser einmaligen Aktion.

60 Stücke im Repertoire

Seit dem 22. März erklingt das Flügelhorn von Herbert Kiefer jeden Abend um 18 Uhr durch das Tal. Sein Repertoire ist mittlerweile auf rund 60 Musikstücke mit weltlichen und kirchlichen Kompositionen angewachsen. Jeden Abend wechselt er sein musikalisches Programm.

Bislang hat Kiefer noch keinen Abend versäumt, an dem er nicht für die Einwohner zum Instrument greift: „Ich möchte den Leuten eine kleine Freude bereiten in dieser ganz schwierigen Zeit. Wir haben so etwas noch nie erlebt“, erklärt Kiefer die Beweggründe für sein außergewöhnliches Engagement. Das Ganze hat aber für ihn auch einen ganz praktischen Nutzen: Regelmäßiges Üben auf dem Blasinstrument ist gut für den so genannten „Ansatz“.

Keine Konzerte und Proben

Schon seit März müssen sich Kiefer und viele andere Blasmusiker auf das Üben Zuhause beschränken. Bis dato wurden alle Konzerte abgesagt und auch ein gemeinsames Proben ist noch nicht möglich. Kiefer hätte mit der Formation „Blechmeisen“ in diesem Jahr auch einen Auftritt in Hessen gehabt; alles fiel Corona zum Opfer. Umso mehr freut es den Altbürgermeister, dass seinem Flügelhornspiel regelmäßig etliche Stammhörer lauschen. Selbst aus Bad Säckingen sind schon Zuhörer nach Todtmoos gekommen: „Die Resonanz ist positiv“, so Kiefer.

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Seine Söhne haben ihren Vater inzwischen gefragt, wie lange er denn noch seine Balkonmusik machen wolle. Hierauf hat Herbert Kiefer eine ganz pragmatische Antwort: „Da möchte ich mich nicht festlegen.“