55 Jahre sind vergangen, seit der Todtmooser Holzbildhauer Paul Mutter bei einem Skiunfall in Todtmoos-Strick ums Leben kam. Der 53-Jährige nahm als einziger Todtmooser am „Feldberg­springen“ teil.

Die Stammkrippe in der evangelischen Kirche in Todtmoos.
Die Stammkrippe in der evangelischen Kirche in Todtmoos. | Bild: Andreas Böhm

Auch heute finden sich in seiner Heimatgemeinde und an anderen Orten in Deutschland noch viele Spuren seines künstlerischen Schaffens. Zu seinen bekanntesten und größten Werken gehört der Märchenbaum. Er befindet sich inzwischen unter dem Dach des Kurhauses Wehra­tal. In einem stilisierten Baumstamm tummeln sich Tiere des Waldes, etwa Eule und Specht.

Zu den größten Werken von Paul Mutter gehört der Märchenbaum.
Zu den größten Werken von Paul Mutter gehört der Märchenbaum. | Bild: Andreas Böhm

Paul Mutter hat eine Vorliebe für sakrale Schnitzereien entwickelt. Hierzu zählt die Schutzmantelmadonna an der Fassade der Todtmooser Apotheke. Unter dem weit ausgebreiteten Mantel findet ein Füchslein Schutz; es erinnert an den Namen der früheren Apotheker-Familie Fuchs. Das Kunstwerk aus afrikanischem Holz wiegt 150 Kilogramm.

Die Schutzmantelmadonna an der Fassade der Todtmooser Apotheke.
Die Schutzmantelmadonna an der Fassade der Todtmooser Apotheke. | Bild: Andreas Böhm

Auch der Herstellung von Weihnachtskrippen widmete sich der Holzbildhauer. Eine seiner Stammkrippen ziert den Vorraum der evangelischen Kirche zum Guten Hirten in Todtmoos. Stammkrippe, weil sie aus einem Baumstamm heraus geschnitzt wurde. Sie entstand kurz vor seinem Tod in seiner Werkstatt im Ortsteil Mättle. In der Josefskapelle im Ortsteil Weg wird jedes Jahr eine weitere Stammkrippe aufgestellt. Auch die Auferstehungskirche in Rüppur bei Karlsruhe hat eine Krippe von Mutter. Eine geschnitzte Stammtischfigur aus dem Hotel „Löwen“ ist im Todtmooser Heimatmuseum zu sehen.

Paul Mutter, Holzbildhauer aus Todtmoos, hatte eine Vorliebe für sakrale Figuren.
Paul Mutter, Holzbildhauer aus Todtmoos, hatte eine Vorliebe für sakrale Figuren. | Bild: Andreas Böhm (Repro)

Mutter besuchte die Holzschnitzschule in Bad Warmbrunn im Riesengebirge. Nach Kriegsende schloss er sein Studium an der Meisterschule für Holzbildhauer ab. Sein Sohn Andreas, der in Spanien lebt, erinnert sich noch gut an die Schaffenskraft seines Vaters: „Mein Vater schaffte, ohne je eine richtige Lehre oder Gesellenzeit absolviert zu haben, die Prüfung zum Drechslermeister.“ Dabei hatte Paul Mutter bei der Ausübung seines Berufs mit einem Handicap zu kämpfen. Im Krieg wurde er durch einen Granatsplitter an der Schulter verletzt. Zeitlebens konnte er den linken Arm schlecht bewegen und zwei Finger seiner linken Hand waren versteift, erinnert sich sein Sohn. Umso bemerkenswerter ist es, dass er trotz dieser Einschränkung sein Handwerk mit viel Liebe und Hingabe ausübte.