Schon vor Ostern hat der Familienzirkus Weisheit in Todtmoos-Strick, von Niederwihl kommend, auf dem ehemaligen Skiliftparkplatz Quartier bezogen. Bürgermeisterin Janette Fuchs hatte sich dafür eingesetzt, dass der Zirkus eine vorübergehende Bleibe in Todtmoos bekommt. Am Dienstag besuchte Janette Fuchs die Familie, hieß sie willkommen, und hatte neben einem kleinen Geschenk viele Fragen im Gepäck.

Leben im Wohnwagen: Bescheiden ist die Unterkunft der Zirkusleute in Todtmoos Strick.
Leben im Wohnwagen: Bescheiden ist die Unterkunft der Zirkusleute in Todtmoos Strick. | Bild: Andreas Böhm

In einem lockeren Gespräch berichtete Jasmin Byszio, die zusammen mit ihrem Mann Marvin Weisheit den Zirkus führt, über ihre schwierige Lage aufgrund der Pandemie. Sie zeigte sich dankbar für die angebotene Hilfe: „Wir fühlen uns in Todtmoos sehr wohl; alle sind hilfsbereit“. In Todtmoos mit dabei sind auch die dreijährige Tochter und ein guter Bekannter, der in der Manege in die Rolle des Clowns schlüpft.

Wegen Corona stehen die Räder beim Zirkus Weisheit derzeit still. Der Fuhrpark ist größtenteils abgemeldet. Die Zirkusfamilie hofft auf bessere Zeiten.
Wegen Corona stehen die Räder beim Zirkus Weisheit derzeit still. Der Fuhrpark ist größtenteils abgemeldet. Die Zirkusfamilie hofft auf bessere Zeiten. | Bild: Andreas Böhm

Die Bürgermeisterin fragte nach Möglichkeiten der Unterstützung vor Ort. Benötigt würden Lebensmittel sowie Heu und Stroh für die Tiere, erklärte Jasmin Byszio. Hilfe sei auch schon angekommen: „ Ein Bauer hat einen Ballen Heu vorbeigebracht und eine Frau füttert regelmäßig unsere Hasen“, freute sie sich.

Hübsch anzuschauen: eines von zwei schottischen Hochlandrindern des Zirkus Weisheit, der in Todtmoos Strick ein vorübergehendes Quartier gefunden hat.
Hübsch anzuschauen: eines von zwei schottischen Hochlandrindern des Zirkus Weisheit, der in Todtmoos Strick ein vorübergehendes Quartier gefunden hat. | Bild: Andreas Böhm

Zum Zirkus gehören auch drei Ponys und zwei schottische Hochlandrinder. Während die Ponys sich genüsslich am duftenden Heu labten, erzählte Jasmin Byszio von der aktuell schwierigen Situation: „Unsere letzte Vorstellung war 2019 vor der Winterpause“. Byszio weiter: „Wir sind im Moment klein gebündelt und leben in Wohnwägen“. Eine Aufgabe des Zirkuslebens kommt für sie aber keinesfalls in Frage: „Ich möchte dieses Leben nicht mehr hergeben“, bekannte Jasmin Byszio im Gespräch mit der Bürgermeisterin. Coronahilfe käme für sie nicht in Frage. Um diese zu bekommen, unterliege man der Buchführung und müsse Zahlen liefern, erklärte Byszio.

Diese zwei Ponys geniessen das frische Heu, das ein Bauer beim Zirkus Weisheit in Todtmoos Strick vorbeigebracht hat.
Diese zwei Ponys geniessen das frische Heu, das ein Bauer beim Zirkus Weisheit in Todtmoos Strick vorbeigebracht hat. | Bild: Andreas Böhm

Die Spendenbereitschaft der Menschen habe aufgrund der langen Dauer der Pandemie abgenommen, stellte sie fest: „Es ist einfach hart. Auch die Menschen verändern sich und werden aggressiver. Die Fröhlichkeit geht weg“, so ihre ernüchternde Feststellung. Dennoch will die Zirkusfamilie, deren Tradition bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, den Kopf nicht in den Sand stecken und den Betrieb am Leben erhalten. Derzeit gäbe es aber noch keinen konkreten Fahrplan. Jasmin Byszio: „Wenn es wieder erlaubt ist, wollen wir lieber kleine Sprünge machen. Ein mögliches Ziel wären Freiluftvorstellungen im Sommer“. Dann könnte es für den Zirkus Weisheit hoffentlich bald wieder heißen: Manege frei.