Zu einem Kloster gehört in der Regel ein Klostergarten. Oftmals sind es Kleinode, die einen bestimmten Zweck erfüllen. Da finden sich Kräutergärten und Nutzgärten, die schon im Mittelalter dazu dienten, die heilende Kraft der Pflanzen zu nutzen oder für einen reich gedeckten Tisch mit Obst und Gemüse zu sorgen.

Im Klostergarten des Todtmooser Paulinerklosters, unweit der Wallfahrtskirche, finden sich kaum Kräuter oder Nutzpflanzen. Das Areal neben und hinter dem Kloster, eingerahmt von dicken Mauern, zieren mehr als 350 Rosenstöcke mit Tausenden von duftenden und in allen Farben leuchtenden Blüten. Wer den Blick über die Mauer schweifen lässt, kann sich an der Blütenpracht kaum satt sehen und entdeckt immer wieder neue Raritäten.

Wenn es seine Zeit erlaubt, widmet sich Pater David seinem prächtigen Rosengarten neben dem Paulinerkloster.
Wenn es seine Zeit erlaubt, widmet sich Pater David seinem prächtigen Rosengarten neben dem Paulinerkloster. | Bild: Andreas Böhm

Bevor die Rosenpracht im Garten der Patres Einzug hielt, war die Fläche mit gewöhnlichem Rasen bedeckt. Prior Pater David und Pater Adam begannen vor einigen Jahren damit, einen Teil des Gartens mit Rosen zu bepflanzen. Pater David, der sich als Rosenfreund bezeichnet, blickt mit Stolz auf das Geschaffene: „Dieser Klostergarten ist ein Unikat in der Region.“ Rosenkenner sind erstaunt über die Vielfalt an Sorten, die in leichter Hanglage, von kleinen Fußwegen durchzogen, in der Anlage zu finden sind.

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Passend zu diesem Ort der Gläubigkeit wächst etwa die Rose „Johannes Paul II“ heran. Wie Pater David erzählt, wächst diese Züchtung ursprünglich nur im päpstlichen Garten des Vatikans. Seine Rosen bezieht der Prior von namhaften Züchtern. Als Beispiel nennt er die Rosenzucht Kordes. Das Familienunternehmen sei eines der bedeutendsten Rosenzuchtbetriebe weltweit. Dabei war es für den Pater am Anfang nicht leicht, sich für das Anlegen eines Rosengartens zu entscheiden: „Jeder hat gesagt, in dem Boden wächst nichts.“ Pater David hat die Skeptiker eines Besseren belehrt.

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Der Garten bedurfte bis zu seiner heutigen Pracht jeder Menge Zuwendung. Pater Davids Mutter hat ihn dabei unterstützt. Auch die Mesnerin Ywona Sandurska kümmert sich mit viel Hingabe um die Rosen. Pater David sagt zur Arbeit im Rosengarten: „Die Pflege geschieht natürlich von Hand. Meine Wirbelsäule hat das gespürt.“ Er vergleicht die arbeitsintensive Pflege gerne mit dem weiblichen Geschlecht: „Jede einzelne Rose bedarf der Pflege wie eine Frau. Das muss leidenschaftlich gemacht werden“, sagt der Pater augenzwinkernd. Er möchte mit seinem Hobby auch anderen Menschen eine kleine Freude machen: „Der Rosengarten ist für viele Menschen ein schöner Fleck.“ Nach zwölf Jahren verlässt der Geistliche Ende August den Wallfahrtort Todtmoos. Er wird sich in Passau seiner neuen Aufgabe als Kaplan widmen. Einen Herzenswunsch hat er für die Zeit nach seiner Seelsorge im Schwarzwald geäußert: „Mein Wunsch ist es, dass der schöne Rosengarten in Todtmoos auch nach meinem Weggang erhalten bleibt.“

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