Der Tourismus ist das wirtschaftliche Herz des heilklimatischen Kur- und Ferienortes Todtmoos. Fast jeder Einwohner partizipiert in irgendeiner Form vom Fremdenverkehr.

Ein trauriger Anblick bietet sich derzeit dem Betrachter, wenn er durch die Straßen geht. Wo sonst, gerade am Wochenende, die Parkplätze vor den Hotels und Restaurants gut gefüllt sind, herrscht derzeit gähnende Leere.

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Das Hotel Schwarzwaldgasthof „Rößle“ im Ortsteil Strick ist normalerweise zu 40 Prozent alleine mit Tagungen von Firmen ausgelastet. Schweizer Gäste sind am Tagesgeschäft und im Hotelbetrieb zu 45 Prozent beteiligt. Hotelier Thomas Maier spricht im Gespräch mit unserer Zeitung durch hohe Umsatzeinbußen von einer Existenzbedrohung: „Sollte unser Hotelbetrieb bis Juni geschlossen bleiben müssen, dann ist die Hälfte des Geschäftsumsatzes fort“, befürchtet er.

Viele Angestellte in Kurzarbeit

Seit Beginn der Epidemie in China habe er schon Absagen für Tagungen erhalten. Seit vier Wochen seien nun alle Buchungen storniert: „Dadurch haben wir schon jetzt einen Verlust von 750.000 Euro, der noch auf eine Million Euro steigen könnte“, befürchtet Maier. Alle 40 Mitarbeiter, von der Wäschefrau bis zum Kellner, sind in Kurzarbeit geschickt worden. Derzeit versuchen die Familienmitglieder beim vorhandenen Warenbestand zu retten, was noch zu retten ist.

Betroffen von der Krise ist auch die „Kirchberghütte“, die zum Hotel gehört, und durch Gruppen und Vereine ganzjährig gut belegt ist. Thomas Maier hofft nun auf die angekündigten finanziellen Hilfsprogramme für die betroffene Wirtschaft: „Die Hilfsprogramme laufen zwar, aber das braucht seine Zeit“, so der Hotelier, der den Behörden hier keine Vorwürfe machen will: „Diese Situation ist für alle Neuland.“ Ein kleiner Trost bleibt Thomas Maier jedoch: „Kleine wie große Betriebe sitzen alle in einem Boot.“

Auf Busreisen hat sich das Hotel „Am Kurpark“ in der Todtmooser Ortsmitte spezialisiert. Besitzer Andreas Weiland rechnet frühestens ab Mitte Juni wieder mit Gästen: „Das ist für Alle die größte Katastrophe, die eintreten kann“, so Weiland erschüttert. Er hat acht seiner Mitarbeiter seit Mitte März in Kurzarbeit geschickt.

Der Hotelier bemängelt, das die Minijobs derzeit noch keine finanzielle Unterstützung erhalten würden: „Diese Mitarbeiter fallen im Moment hinten runter und fallen möglicherweise in die Grundsicherung“, erklärt Weiland die Situation. Sein Hauptgeschäft macht Andreas Weiland in den Monaten von Mai bis Oktober. Er hofft, mit finanziellen Förderungen über die Runden zu kommen. Nach dem Ausbleiben der Gäste bleibt nun Zeit für anstehende Renovierungsarbeiten.

Hennry Adler betreibt seit 29 Jahren das Bistro-Pub „Klimperkasten“ in Todtmoos. Er befürchtet einige Insolvenzen in der Branche. Gerade kleine Betriebe hätten in der Regel keine finanziellen Reserven, so Adler.

Der Lebensmittel-Einzelhandel in Todtmoos hat sich der neuen Situation angepasst. Im Edeka Schmidts Markt dürfen die Kunden nur noch einzeln an die Kasse treten und müssen Abstand halten. Die Dorfmetzgerei Edelbert Wassmer hat eine Beschränkung des Zutrittes eingeführt. In der Todtmooser Filiale dürfen sich nur noch maximal fünf Kunden gleichzeitig im Verkaufsraum aufhalten.

Die Pizzeria „Ratsstüble“ bietet aktuell einen Lieferservice innerhalb von Todtmoos an.