Einen Vortrag über Todtmoos und die Grafschaft Hauenstein hielt der Murger Einungsmeister Konrad Lüthy am Donnerstag in Todtmoos aus Anlass des 750-jährigen Bestehens des Ortes. Mit zahlreichen Bildern untermalte er seine Recherchen. Todtmoos gehörte zwar nicht direkt zur Grafschaft, das obere Wehratal bildete aber eine eigene Vogtei, die dem Waldvogt unterstand, der auch die Verwaltung der Grafschaft Hauenstein besorgte.

Seit jeher selbst verwaltet

Das Gebiet der Grafschaft bildete 552 Jahre lang 1254 bis 1806 eine eigenständige Verwaltungseinheit unter habsburgischer Herrschaft. Der Referent beleuchtete die gesamte Zeitepoche von 552 Jahren. Gegenstand vieler Forschungen ist vor allem die Hauensteinische Selbstverwaltung. Die Grafschaft war aufgeteilt in acht Einugnen, zu der jeweils mehrere Dörfer gehörten. Die Einungen waren verantwortlich für das Steuerwesen, sie organisierten die Miliz, was ein großes Privileg war, sie kümmerten sich um die Erledigung öffentlicher Arbeiten. Todtmoos-Au gehörte zur 1391 erstmals erwähnten Einung Rickenbach.

Redmann an der Spitze der Selbstverwaltung

Die verheirateten männlichen Bewohner jeder Einung wählten jährlich unter freiem Himmel einen Einungsmeister als ihren Sprecher. An einigen Orten oblag den Einungsmeistern sogar die niedere Gerichtsbarkeit. Einungsmeister waren bei den wöchentlichen Amtstagen des Waldvogteiamts zugegen und hatten ein Vorschlagsrecht bei der Benennung der Vögte. Alle amtierenden Einungsmeister und die Einungsmeister der vorangegangenen Amtszeit wählten jährlich in Görwihl zusammen mit dem Waldvogt einen Redmann. Er stand an der Spitze der Selbstverwaltung und vertrat die Grafschaft nach außen. Der Redman sei tatsächlich ein "Mann der Rede“ gewesen, so Lüthy.

Konrad Lüthy hielt einen Vortrag über die Grafschaft Hauenstein. Bild: Werner Probst
Konrad Lüthy hielt einen Vortrag über die Grafschaft Hauenstein. | Bild: Werner Probst

Keine einfache Zeit

Die Zeiten damals seien für die Menschen, die in diesem Gebiet lebten, nicht einfach gewesen, unterstrich Lüthy. Kriegerische Auseinandersetzungen und hohe Abgaben an die Feudalherrschaft sorgten dafür, dass das Leben nicht einfach war. Lüthy erinnerte an die Burg Rheinsberg und die Rothaus-Schanze bei Murg, wo im Dreißigjährigen Krieg und im Erbfolgekrieg Angriffe der Schweden und der Franzosen abzuwehren waren. Auch heute noch seien die Steinwälle der Schwarzwaldlinie noch vorhanden.

Salpetererunruhen prägend

Prägend für das Gebiet seien auch die Salpetererunruhen gewesen. In ihnen ging es umd die „alten Rechte und Freiheiten“, die ein Teil der Leute vom Wald durch das Kloster St. Blasien bedroht sah. Lüthy wusste aber auch von der Entstehung der Ödlandkapelle zu berichten. Sie wurde von Bergalinger Bauern nach einem Versprechen gebaut, weil sie von einer im Umfeld grassierenden Viehseuche verschont blieben. Lüthy ging zum Abschluss seines Vortrages auf die heutigen Aktivitäten des Fördervereins Grafschaft Hauenstein ein. So wurde im Gasthaus „Hirschen“ in Dogern ein kleines Museum eingerichtet, bei dem auch Wandmalereien zu besichtigen sind. Ehreneinungsmeister Paul Eisenbeis berichtete über die Kohlenmeiler in Wehr, wofür Holz über die Wehra ins Tal geflößt wurde.

Die Grafschaft Hauenstein

Das Gebiet der Grafschaft Hauenstein unterstand von 1254 bis 1806 dem Hause Habsburg. Die Habsburger Landeshoheit geht auf eine Verpfändung dieser Region von König Konrad IV. an den Grafen Rudolf von Habsburg zurück, die nicht mehr eingelöst wurde. Das Land hieß ursprünglich Vogtei zu Hauenstein. Im Jahr 1523 war daraus die Herrschaft Hauenstein geworden, und seit 1562 schließlich spricht man von einer Grafschaft Hauenstein. Zeitweilig war früher der Verwaltungssitz auf der Burg Hauenstein am Rhein, daher der Name. Bis 1597 gehörte der klösterliche Zwing und Bann St. Blasien“ auch zu dieser Verwaltungseinheit.

In acht Eignungen

Die Grafschaft Hauenstein war eingeteilt in acht Einungen (Bezirke), benannt nach ihren Hauptorten: Murg, Hochsal, Rickenbach, Görwihl, Wolpadingen, Birndorf, Dogern und Höchenschwand. An der Spitze jeder Einung stand ein jeweils für ein Jahr von den verheirateten Männern frei gewählter Einungsmeister; alle 8 neuen wählten zusammen mit den 8 vorjährigen Einungsmeistern aus ihren Reihen einen Redmann, ihren Vertreter beim herrschaftlichen Waldvogt in Waldshut. Dieser, zumeist dem regionalen Adel entstammend, war der vom österreichischen Landesherrn eingesetzte Verwalter der Grafschaft.

Selbstschutz gegen äußere Feinde

Ein wesentliches Kennzeichen der Einungen war ein von ihnen organisierter Selbstschutz gegen äußere Feinde, der sogenannte Landfahnen. Nach einer Aufstellung von 1655 zählte der Hauensteiner Landfahnen 2059 wehrfähige Männer. Weiter hatte die Grafschaft beziehugnsweise die Einungen eine gewisse Selbstverwaltungsorganisation aufgebaut, die in den Jahrzehnten der Salpetereraufstände (1726-1755) vom Landesherrn stark beschnitten wurde. Nach dem Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 endete die österreichische Herrschaft in der Grafschaft Hauenstein. Das Gebiet fiel nach einem Vertrag zwischen Napoleon und Kaiser Franz II. an das eben geschaffene Land Baden. Mit der Huldigung an den neuen Landesherrn Kurfürst Karl Friedrich am 30. Juni 1806 in Freiburg erlosch der Name Grafschaft Hauenstein endgültig; die Einungen verschwanden von der Landkarte. Die Region wurde nun allgemein Hauensteinerland benannt. Der westliche Teil davon zwischen Wehra und Alb nannte man seit dieser Zeit den Hotzenwald. Symbolisch dafür steht die Hauensteiner Tanne.

Mehr zum Thema gibt es hier:

www.foerderverein.grafschaft-hauenstein.de