Im Kur- und Klinikwesen in Todtmoos gab es in den 60er Jahren einen markanten Umbruch. Die Hotelerie stand vor neuen Herausforderungen. Und der Wintersportort Todtmoos verdiente damals noch seinen Namen als Attraktion für Touristen.

Premiere für Lungen-Operation

In den 60er Jahren wurde in Todtmoos Medizingeschichte geschrieben. Als damalige Koryphäe in der Lungenmedizin wurde Doktor Hans Good 1964 Chefarzt der Klinik Wehrawald. Auf dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung wurden fortan neue Wege beschritten. Im Operationssaal des Chefarztes wurde in Todtmoos die deutschlandweit erste Lungenresektion (Entfernung von Teilen der Lunge) durchgeführt. Danach wurde diese bahnbrechende Methode in der Klinik Wehrawald im großen Stil angewandt. Mit dem Beginn der chemotherapeutischen Behandlung wurde die Thoraxchirurgie Zug um Zug ersetzt.

An der Stelle der berühmten Lungenheilstätte steht heute ein moderner Klinikbau der Deutschen Rentenversicherung. Der Name Wehrawald ist geblieben. <em>Bild: Adreas Böhm</em>
An der Stelle der berühmten Lungenheilstätte steht heute ein moderner Klinikbau der Deutschen Rentenversicherung. Der Name Wehrawald ist geblieben. Bild: Adreas Böhm

Damals war die Klinik als höchstgelegene Lungenheilanstalt Deutschlands weltberühmt. Todtmoos wurde deshalb nicht ohne Grund als das Davos Deutschlands bezeichnet. Heute ist das Rehazentrum Todtmoos Klinik Wehrawald medizinisch breit aufgestellt. Neben der Behandlung von Atemwegserkrankungen gehört die Onkologie und die Psychosomatik zu den aktuellen Behandlungsfeldern.

Weitere Fachklinik in Todtmoos

An der selben Stelle auf dem Schwammberg, wo heute die moderne Klinik steht, die der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) gehört, stand noch in den 60er Jahren das alte Klinikgebäude, das mit seinen vielen Türmen und Erkern wie ein mondänes Schloss wirkte. Mit der Verus-Klinik hat sich inzwischen eine weitere Fachklinik für Psychosomatik im Todtmooser Ortszentrum angesiedelt.

Beliebter Wintersportort

Wegen der damals noch sicheren Schneelage im westlichen Staubereich des Schwarzwaldes wurden in den 50er und 60er Jahren in Todtmoos technische Voraussetzungen geschaffen, um dem Skisport zu frönen. Im Jahr 1963 machten sich wagemutige Männer an die Arbeit, um am steilen Kirchberghang in Todtmoos-Strick den ersten Skilift im Südschwarzwald zu bauen. Von den damaligen Mitgliedern des Todtmooser Skiclubs wurde in über 3000 Arbeitsstunden die 500 Meter lange Liftanlage errichtet. Das Material lieferte eine Firma aus Grenoble.

Zentrum des alpinen Skisports im Südschwarzwald in den 60er Jahren war der Kirchberglift in Todtmoos Strick. Repro: Andreas Böhm
Zentrum des alpinen Skisports im Südschwarzwald in den 60er Jahren war der Kirchberglift in Todtmoos Strick. Repro: Andreas Böhm

Alten Berichten zufolge standen in den Anfangsjahren riesige Schlangen von Skifahrern an der Talstation, um auf den Kirchberg befördert zu werden. Ein weiteres Novum in der damaligen Zeit war die Installation einer Flutlichtanlage. Die besten Schwarzwälder Skiläufer nahmen an den bekannten Nachttorläufen teil. Bis zum Bau der Umgehungsstraße Mitte der 50er Jahre bestand gegenüber des heutigen Busbahnhofes ein Skisprungschanze, auf der die berühmten Dreikönigsspringen ausgetragen wurden. Es folgte der Bau weiterer Liftanlagen in Todtmoos-Weg und am Hochkopf. Die Anlage von Loipen zog auch die Fans des Nordischen Skisports nach Todtmoos.

Der Kirchberglift 2017: im Gebäude der ehemaligen Talstation werden Hackschnitzel gelagert.<em>Bild: Andreas Böhm</em>
Der Kirchberglift 2017: im Gebäude der ehemaligen Talstation werden Hackschnitzel gelagert.Bild: Andreas Böhm

In früheren Jahren warb Todtmoos noch mit dem Begriff „Heilklimatischer Kurort und Wintersportplatz“. Das Prädikat Heilklima ist bis heute geblieben; der Schwerpunkt des Wintersportes liegt derzeit beim Langlaufen und Winterwandern. Im Gemeinderat wird aktuell wieder über ein neues Wintersportkonzept diskutiert, das möglicherweise auch den Alpinsport zurück nach Todtmoos bringt.

Bild 06: Das ehemalige Kurhaus heute: ein schon seit einigen Jahren nicht mehr genutzter Hotelkomplex, der zwischenzeitlich im Besitz der Gemeinde ist.Bilder/Repro Böhm
Bild 06: Das ehemalige Kurhaus heute: ein schon seit einigen Jahren nicht mehr genutzter Hotelkomplex, der zwischenzeitlich im Besitz der Gemeinde ist.Bilder/Repro Böhm

"Zwei Mark extra für den Luxus des Duschens"

Hannelore Eckert führte jahrzehntelang das Parkhotel "Eckert" im Ortszentrum. Sie erzählt über ihre Erfahrungen, als sie Ende der 60er Jahre das frühere Kurhaus mit Wasserheilanstalt Luisenbad zusammen mit ihrem Mann Reinhold übernahm und das Haus zum Hotel umgebaut wurde.

Frau Eckert, was war der Grund für den Umbruch des Kurortes zum Ferienort ab Ende der 60er Jahre ?

Seit die Klinik Wehrawald keine Thoraxklinik mehr war, musste in Todtmoos auch zunehmend auf Touristik umgestellt werden.

Wie war die gastronomische Infrastruktur damals ?

In den 60er Jahren hatte sich alles in Hotels und Privatzimmern abgespielt. Die Ferienwohnungen kamen erst viel später als neue Unterkunftsart dazu.

Wie änderte sich das Angebot für die Hotelgäste im Laufe der Jahre ?

Es begann mit der Vermietung von Hotelzimmern mit fließendem kalten und warmem Wasser. Damals waren Etagenduschen noch Standard. Manche Hoteliers nahmen sogar für den Luxus des Duschens zwei Mark extra. Später wurden viele Einzelzimmer gestrichen und zu Doppelzimmern umgebaut, um Platz für ein WC pro Zimmer zu haben.

Waren die Ansprüche der Gäste früher anders als heute ?

Ja, am Anfang waren sie nicht so anspruchsvoll. Viele Pauschalurlauber wurden über Reisebüros nach Todtmoos vermittelt. Die Koffer der Gäste wurden damals noch mit dem Leiterwagen transportiert.

Welchen Bezug hatten Sie zu den Wallfahrern, die früher schon nach Todtmoos kamen ?

Wir hatten früher immer sehr viele Busse mit Wallfahrern. Wir haben uns gerne um sie gekümmert.

Zur Person: Hannelore Eckert wurde 1935 in Mannheim am Neckar geboren und stammt aus einer Metzgerfamilie. Bevor sie Ende der 60er Jahre im umgebauten Kurhaus zum Parkhotel eine neue Wirkungsstätte fand, betrieb sie mit ihrem Mann Reinhold eine Metzgerei im „Brandtnerhaus“.