Die offizielle Tagesordnung in der Sitzung des Todtmooser Gemeinderates am Dienstagabend geriet zur Nebensache. Im Fokus standen die mit Spannung erwarteten Statements bezüglich des Ausschlusses von Georg Boedeker aus der Fraktion der Freien Wähler. Während Jörg Oehler als Vorsitzender die Entscheidung, die mit vier zu eins Stimmen gefasst wurde, bekräftigte, forderte Boedeker seinerseits den Rücktritt Oehlers vom Amt des Vorsitzenden.

Oehler verurteilte die anonyme Weiterleitung des von sechs Altgemeinderäten persönlich an Boedeker gerichtete Schreiben an den SÜDKURIER. Der Brief sei „inhaltlich berechtigt und in seiner Form korrekt und legitim gewesen“. Die früheren Leistungsträger und erfahrenen Kommunalpolitiker hätten das Recht, das Einhalten des Ehrenkodex für Gemeinderäte der Freien Wähler einzufordern: „Wir Freien Wähler stehen für Transparenz, Glaubwürdigkeit und sind dem Allgemeinwohl verpflichtet“, erklärte der FW-Vorsitzende. Fraktionssprecher Ingomar Werner Franz stellte fest, dass der Ausschluss Boedekers aus der Fraktion der Freien Wähler nicht wegen seines Neins zum Beitritt zum Biosphärengebiet erfolgt sei, wohl aber neben anderen Gründen wegen der Art und Weise des Zustandekommens: „Da es sich um eine interne Angelegenheit handelt, möchten wir auf die anderen Gründe in der Öffentlichkeit nicht eingehen, auch aus Respekt vor der Lebensleistung von Dr. Boedeker“, so Franz abschließend. Boedeker ergriff das Wort und legte seine Sicht der Dinge dar: „Entgegen allen Behauptungen und Unterstellungen habe ich meine persönliche Entscheidung hinsichtlich des Abstimmungsverhaltens zur Biosphäre nicht kurzfristig geändert, sondern rechtzeitig in einer nichtöffentlichen Sitzung angekündigt.

Aussagen bezüglich einer Verknüpfung seines Votums mit anderen kommunalpolitischen Themen entsprächen nicht der Wahrheit. Er wolle, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Fraktion, weiter aktiv und konstruktiv im Gemeinderat mitarbeiten und sich für die Interessen der Bevölkerung engagieren.

Persönlich an die Adresse Oehlers gerichtet, forderte Boedeker dessen Rücktritt als Vorsitzender der Freien Wähler. Als Begründung führte er ein aus seiner Sicht beschämendes und mit falschen Behauptungen geführtes Interview Oehlers zum Thema in einer Sonntagszeitung an. Oehler habe sein Amt als Gemeinderat und Vorstand der Freien Wähler missbraucht, so sein Vorwurf. Ein Rücktritt Oehlers sei gefordert, um die für die Gemeinde Todtmoos schädliche Diskussion zu beenden und einen Neuanfang zu ermöglichen.

Der CDU-Fraktionssprecher Christian Zumkeller erklärte, dass die CDU sich von dem Brief distanziere. Dieser habe sehr viel Unruhe gestiftet und der Gemeinde geschadet. Zumkeller rief im Gemeinderat dazu auf, Vergangenes hinter sich zu lassen und positiv in die Zukunft zu blicken. Bürgermeisterin Janette Fuchs äußerte den Wunsch, dass diese Stellungnahmen die letzten zu dem Thema sein mögen: „Wir brauchen Kraft und Energie für die zukünftige Arbeit zum Wohle von Todtmoos“, so Bürgermeisterin Fuchs abschließend.