Auf einen Kaffee mit... Erika Buhr. Die Todtmooser Mundartdichterin und Schriftstellerin hat sich mit ihrem neuesten Theaterstück „Im Wind der Zeit“ an ihr größtes Werk gewagt.

Frau Buhr, war Ihr neues Theaterstück zur 1200-Jahrfeier von Ühlingen eine große Herausforderung für Sie?

Ja, sicher! Das war mein bislang größtes Werk. In anderen Stücken habe ich meine Darsteller immer selbst erfunden; jetzt waren sie nach der historischen Vorgabe schon da; das ist mir schwer gefallen. Ich musste mich zunächst intensiv mit der Geschichte von Ühlingen beschäftigen und habe viele Zeitzeugen befragt. Die Vorbereitungen für das aufwendige Werk begannen bereits im Jahr 2010.

Was ist die Besonderheit an diesem Stück?

Die Geschichte spielt an authentischen Schauplätzen, etwa vor dem Haus von Leo Villinger. Der Inhalt konzentriert sich auf das Leben und Schaffen dieses Ühlinger Großunternehmers und dessen Familie.

Auch die Auswahl der Schauspieler ist eine Besonderheit. Die Rolle des damaligen Posthornwirtes wird vom aktuellen Wirt gespielt; Leo Villinger wird von einem engen Verwandten verkörpert. In dem Stück gibt es also viele Berührungspunkte der Schauspieler mit ihren Vorfahren. Unter den etwa 120 Mitwirkenden des Stückes sind unter anderem auch der Bürgermeister und der Pfarrer.

Wie kamen Sie zu dem Auftrag, ein Theaterstück für Ühlingen zu schreiben?

Meine Tochter Corinna lebt schon seit 25 Jahren in Ühlingen. In der dortigen Schule wurden auf Initiative meiner Tochter schon kleinere Stücke von mir aufgeführt. Dadurch bin ich in Ühlingen sehr bekannt und man hat mich gefragt, ob ich zum Jubiläum auch ein Stück schreiben kann. Ich freue mich schon sehr auf die Aufführungen Ende Mai und Anfang Juni.

Wann haben Sie Ihre Liebe zur Mundart und Dichtung entdeckt?

Das reicht zurück bis in meine Kindheit. Schon in der Schule schrieb ich Gedichte zu Geburtstagen und für den Nikolaus. Ich war immer mächtig stolz, wenn es sich gereimt hat. Später besuchte ich Seminare und habe mich durch ein Fernstudium weitergebildet. Als meine Kinder groß waren, habe ich dann Zeit gehabt, mich ganz dem Schreiben zu widmen.

Welche Werke haben Sie in dieser langen Zeit verfasst?

Neben einigen Theaterstücken habe ich drei Gedichtbände geschrieben: „Wa i am Weg no gfunde ha“, „Im Zitewind“ und „Mosaiksteine“. Auch für den Todtmooser Weihnachtsmarkt habe ich schon Stücke geschrieben. Seit 2011 bin ich auch zuständig für das verfassen der Todtmooser Narre-Zittig.

Erachten Sie den Gebrauch von Dialekt in der Schule und im Kindergarten als sinnvoll?

Ja, natürlich! Die Schweizer sind da übrigens viel konsequenter. Meine Urenkelin geht in der Schweiz in den Vorkindergarten und redet flüssig Schwiezer-Dütsch. Ich kenne sogar Geschäfte in der Schweiz, die nur Verkäuferinnen einstellen, wenn diese Dialekt sprechen können.

Apropos Dialekt: Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen „Todtmooserisch und Hotzenwälderisch“?

Das ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Die Hotzenwälder „schwätzen“ mehr aus dem Hals heraus; sie kratzen mit der Stimme! Die Hotzenwälder haben außerdem eine härtere Aussprache. Todtmooserisch ist für mich lieblicher vom Klang her.

Sehen Sie eine Überlebenschance für den Dialekt?

Beim Dialekt ist leider schon sehr viel verloren gegangen; ich denke da gerade an die alten Wörter. Umso mehr freut es mich, dass in der Schule wieder angefangen wird, Mundart zu lesen. Die Mundart sollte gefestigt werden und die Kinder wieder Spaß daran finden. Es ist wichtig, den Kindern in der Schule Impulse zu geben.

Wie sind Ihre Zukunftspläne?

Ich habe viele Ideen, aber die Umsetzung ist manchmal etwas schwierig. Es mangelt oft am Interesse, gerade in der Todtmooser Bevölkerung, die Dinge auch umzusetzen und zu unterstützen.


Zur Person

Erika Buhr wurde 1932 in Todtmoos geboren, wuchs mit ihren drei Geschwistern in einer urwüchsigen Schwarzwaldfamilie auf und ging auch in Todtmoos zur Schule. Schon früh verschrieb sich Erika Buhr der alemannischen Mundart, besuchte Seminare und absolvierte ein Fernstudium an der Goethe-Universität Frankfurt. Aus der Ehe mit ihrem Mann Emil gingen fünf Kinder hervor. Inzwischen ist die Familie auf zwölf Enkel und eine Urenkelin angewachsen.