Am Gersbach ging Ende vergangenen Jahres ein neues Kleinwasserkraftwerk in Betrieb. Errichtet haben es Jürgen Müller und Simon Gerwig. Die jungen Männer haben schon unabhängig voneinander Erfahrungen mit kleinen Wasserkraftwerken gesammelt: Simon Gerwig besitzt in Häg-Ehrsberg das Wasserkraftwerk Häger Mühle mit 13 Kilowatt Leistung, Jürgen Müller betreibt eines mit 30 Kilowatt Leistung in Todtmoos-Au.

Durch Zufall wurde den Wassermüllern ein altes Sägewerk in Gersbach-Lochmühle angeboten, das ein altes Wasserrecht hatte. Wird ein Wasserrecht einige Zeit lang nicht genutzt, verfällt es. Es ist extrem schwierig, ein neues Wasserrecht zu bekommen.

Nachdem das Rechtliche mit zahlreichen Antragsverfahren geklärt war, begann die Bauplanung. Zunächst aber mussten einige Grundstücke erworben oder im Grundbuch Nutzungsrechte für Stromkabel, Rohre und Überfahrtsrechte eingetragen werden. Danach begann für beide Betreiber die Umsetzung für ihr großes Projekt. Es wurden diverse Baumaschinen angeschafft und im April 2016 legten die Beiden los.

Vom Bachlauf her bis ins Turbinenhaus wurden mit 27 Metern Gefälle 235 Meter lange Rohre mit einem Durchmesser von 450 Millimetern aus mit Glasfaser verstärktem Polyesterharz verlegt. Für die Rohre wurde auf die vollständige Länge ein 1,6 Meter tiefer und ein Meter breiter Graben ausgehoben. In diesen wurden dann die Rohre, die Steuerleitung und die Stromleitung verlegt. Für diesen Bauabschnitt waren Müller und Gerwig nahezu täglich im Einsatz. Es musste auch ein 50 Meter breiter Felsen durchquert werden, wozu ein großer Bagger mit Hydraulikhammer gebraucht wurde. Außerdem musste eine Fischtreppe errichtet werden. „So sollen die Fische die Chance haben, die Wasserkraftanlage zu überwinden“, berichtet Simon Gerwig.

Ihr Wasserkraftwerk nahmen die Investoren am 27. Dezember 2016 in Betrieb. "Wir haben in Gersbach eine umweltfreundliche, wirtschaftliche und unabhängige Stromversorgung geschaffen", betonen die beiden Betreiber. Alles in allem setzten die Kraftwerkbesitzer im Baujahr 250 Tonnen Split, 160 Tonnen Schotter, 50 Tonnen Kies sowie 25 Tonnen Beton ein. Dies sei kein Pappenstiel, dennoch bewerten sie ihr Werk positiv.

Die Beiden entschlossen sich für eine zweizellige Unterlecher-Durchstromturbine. Ein zehnpoliger, direkt gekuppelter Asynchron-Generator erzeugt den elektrischen Strom. Wenn die Kraftwerksbesitzer nicht vor Ort sind, können sie über ihre Handys die Anlage steuern und alle Werte und Verläufe überwachen.

Wie viel Strom das Kleinflusskraftwerk erzeugt, hängt in erster Linie von der Wassermenge und dem Gefälle ab. Die Turbine hat eine Drehzahl von 600 Umdrehungen pro Minute und eine maximale Schluckwassermenge von 250 Liter pro Sekunde. Das bedeutet eine installierte Leistung von 58 Kilowatt. Von ihrem Abnehmer, einem Energieversorger, erhalten sie 12,46 Cent für jede eingespeiste Kilomattstunde.

„Unsere Jahresleistung liegt ungefähr bei 180 000 Kilowatt, dies entspricht etwa einem jährlichen Strombedarf von 65 Haushalten. Gleichzeitig haben wir eine CO2-Ersparnis von circa 101 Tonnen pro Jahr. In acht bis zehn Jahren werden wir die Kosten wieder reingeholt haben. Es funktioniert alles wunderbar und wir können ein Stück weit stolz auf unser geschaffenes Werk sein“, sagen Müller und Gerwig stolz.

Besichtigung für Besucher: Jürgen Müller und Simon Gerwig laden Interessierte am Dienstag, 3. Oktober, ab 10.30 Uhr in ihr neues Wasserkraftwerk Lochmühle zum Tag der offenen Tür ein.