„Es macht mich fertig, wenn ich die Nachrichten schaue“, meinte eine ältere Dame, die diverse Schachteln mit Lebensmittel und Kosmetikartikel in Ewattingen ablieferte. Sie wollte die Initiative einiger Frauen im Ort unterstützen, die zu Spenden für die leidende Bevölkerung der Ukraine aufgerufen hatten. Julia Hamdalla, Anja Wehinger und Cornelia Rendler erfuhren von der Aktion der Stühlinger Firma LOG Group, nahmen Kontakt mit Janina und Rolf Sperisen auf und organisierten für Ewattingen eine Sammelaktion, die zu einem vollen Erfolg wurde.

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Zur personellen Unterstützung reaktivierten die beiden die Gruppe „Wutach hilft“, die 2015 für die damaligen Flüchtlinge aus Syrien aktiv war. So standen zahlreiche Frauen auf dem Vorplatz des Feuerwehrgerätehauses, um die Spenden entgegen zu nehmen, zu sortieren, zu verpacken und in den bereitgestellten Anhänger von Lothar Schmidt zu laden. Einige junge Burschen hatten Freude daran, den Anhänger stabil zu beladen, einige Spender blieben, um zu helfen. So waren im Lauf der angesetzten drei Stunden über 20 Personen im Einsatz.

Syrerin betet täglich für Menschen

Der Strom der Spendenlieferanten riss kaum ab. Marlies Pfeiffer war gar mit dem Schubkarren da, Martin Dziewiecki zog einen Sackkarren mit seiner Spende hinter sich her. Sie fühlen sich ohnmächtig und sind froh, etwas tun zu können. Auch die Syrerin Tourkey Alhmmada kam mit einer Spende und wollte helfen. Sie lebt mit ihrem Mann und den fünf Kindern schon seit vier Jahren in Ewattingen. Sie weiß genau, wie sich die Flüchtlinge aus der Ukraine gerade fühlen und ist sehr traurig. Sie bete täglich für diese Menschen. Roland Rendler von der Bonndorfer Tafel überbrachte Ware, die derzeit im Tafelladen nicht gebraucht werde, da es zur Zeit nur 25 bis 30 bedürftige Personen gibt.

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Andrea Meßmer mit ihren drei Kindern zeigte sich besorgt, was noch alles passieren wird. Sie leide mit den betroffenen Kindern, für die dieser Krieg traumatisierend sein muss. Sie sei jederzeit bereit, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Auf die Frage, was die einzelnen Spender bewogen habe, zu helfen, kamen Sätze wie: „Sie brauchen es mehr als wir“, „Wir wollen einfach nur helfen, fühlen uns so machtlos“, „Wir wollen uns solidarisch zeigen, besonders wenn die Aggression so einseitig ist wie die aus Russland“ und das Wort Angst wurde häufig genannt.

Frieden soll für Enkel erhalten bleiben

Ein älterer Herr Jahrgang 1943 meinte, er sei im Krieg geboren und habe mehr als 75 Jahre Frieden in Europa erleben dürfen, dies wolle er gerne für Kinder und Enkel erhalten wissen. Was in der Ukraine passiere, sei unvorstellbar. Die Mosterei Grüninger lud kurzerhand 400 Liter Saft in ihren großen Anhänger und stellte diesen zum weiteren Beladen zur Verfügung. Auch der Arbeitgeber von Julia Hamdalla, der Feldberger Hof, lieferte Lebensmittel.

Markus Grüninger spendete 400 Liter Saft und lieh seinen Anhänger an die Initiatorinnen Julia Hamdalla und Conny Rendler aus (von links).
Markus Grüninger spendete 400 Liter Saft und lieh seinen Anhänger an die Initiatorinnen Julia Hamdalla und Conny Rendler aus (von links). | Bild: Ingrid Mann

Die Ewattinger Frauen brachten die Anhänger und einen beladenen Kleinbus nach Stühlingen. Dort wurden die Waren in Lastwagen umgeladen. Seit einer Woche seien schon 20 große Lastwagen mit Hilfsgütern an die polnisch-ukrainische Grenze gestartet, erfuhren die Frauen dort. Auf dem Rückweg wollen die Busfahrer so viele Angehörige wie möglich mit nach Deutschland holen. Dazu meldete Reinhard Stritt, Telefonnummer 07744/13 88, der sein Büro in Stühlingen hat, dass für diese Angehörigen noch Mietunterkünfte gesucht werden.