Genau 264 Jahre ist die kleine Wolfgangkapelle alt. Sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich, und nun dürfte feststehen, dass sie noch viele Jahre an ihrem angestammten Ort, auf Ewattinger Gemarkung, oberhalb des Laufes der Wutach thronen kann. Und das liegt an einer umfangreichen Sanierung, die viele fleißige Helfer dem Gotteshaus angedeihen ließen.

Begonnen hat dieses Großprojekt im Sommer des vergangenen Jahres. Damals fiel die Entscheidung, die arg ramponierte Außenfassade zu erneuern. Initiator war Udo Huber, seither auch die treibende Kraft dieser Maßnahme. „Man hat gesehen, wie sehr die Feuchtigkeit Putz und Mauerwerk zusetzte, es bestand einfach Handlungsbedarf“, bringt es Huber auf den Punkt, der auch im Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Bonndorf/Wutach sitzt.

Blick in die Geschichte

Das Budget wurde im Vorfeld auf 95.00 Euro festgelegt. Einen Teil davon übernimmt die Kirche, der größte Brocken finanziert sich allerdings aus der Dieter-Meister-Stiftung. „Dank der Eigenleistungen konnten wir etwa 40.000 Euro einsparen, damit wollen wir in naher Zukunft das Dach und den Innenbereich sanieren“, sagt Udo Huber.

Zunächst stand die Bestandsaufnahme auf dem Programm. Es zeigte sich schnell, dass die eindringende Nässe bis mindestens 2,50 Meter Höhe den Putz massiv beschädigt hatte. Gerade der stellenweise eingebaute Sandstein hatte besonders gelitten. Also machten sich die Einsatzkräfte ans Werk. Zunächst wurde der Boden etwa einen Meter tief bis auf das Fundament aufgegraben.

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Es wurden einzelne Steine ausgetauscht und anschließend der gesamte Bereich mit einer wasserabweisenden Grundierung versehen. Außerdem wurde um den ganzen Trakt herum eine Drainage verlegt. „Wir haben hier wirklich die optimale Lösung gefunden, das wird für lange Zeit halten“, sagt Huber strahlend.

Dieser erste Abschnitt wurde 2019 abgeschlossen, und allein dafür hatten die Helfer 300 Stunden eingebracht. Im Frühling dieses Jahres ging es weiter. Nun machten sich die Handwerker an den Bereich darüber. Bis auf eine Höhe von 3,50 Meter wurde in schweißtreibender Arbeit der Putz weggespitzt. Anschließend bekam das „Bruderchilchli“, wie die Wolfgangkapelle im Volksmund genannt wird, einen neuen Putz und schließlich einen neuen Anstrich. Auch der Sandsteinbogen um den Eingangsbereich wurde erneuert.

Viele hundert Stunden arbeiteten die Helfer an der Renovierung der Fassade.
Viele hundert Stunden arbeiteten die Helfer an der Renovierung der Fassade. | Bild: Stefan kech

Da steht sie nun, die Kapelle, in der übrigens die älteste Glocke Ewattingens hängt, und erstrahlt in neuem Glanz, in leicht gelbem Glanz. Und auch der erste Gottesdienst fand vor Kurzem schon darin statt. Vorher allerdings sorgten die Ewattinger Landfrauen mit einem Putzeinsatz dafür, dass in der Kirche selbst alles schön sauber ist.

Diese Helfer machen Sanierung möglich

Und damit wären wir bei den Helfern, ohne die ein solches Großprojekt nicht möglich gewesen wäre. Neben den Landfrauen haben sich auch die Feuerwehr bei der Entfernung des alten Putzes und der Musikverein beim Aufbau des Gerüstes hervorgetan. Dazu kam noch eine ganze Reihe von Einzelhelfern. Vor allem aber gab es einen harten Kern, der sich Wochenende für Wochenende auf den schmalen Weg am Bruderhof vorbei in Richtung Kapelle machte und anpackte.

Die Ewattinger Landfrauen reinigten vor dem ersten Gottesdienst den Innenbereich der Wolfgangkapelle.
Die Ewattinger Landfrauen reinigten vor dem ersten Gottesdienst den Innenbereich der Wolfgangkapelle. | Bild: Stefan Kech

„Ich kann den Unterstützern insgesamt nur ein ganz großes Kompliment aussprechen“, sagt Dauer. Die Bereitschaft zu helfen sei großartig gewesen, er habe nicht ein einziges Mal ein Nein zu hören bekommen, lobt Udo Huber. Eigentlich wollte der Chef-Organisator keine Personen herausheben, „aber vor allem Gottfried Meister und auch Rainer Färber sowie Matthias Scheu muss man dann doch besonders erwähnen“.

50 Personen leisten 800 Arbeitsstunden

800 Arbeitsstunden, geleistet von etwa 50 Personen, stehen insgesamt in der langen Einsatzliste. Hubers Dank gilt auch den Unternehmen, die mit Material und Maschinen unterstützten. „Es gab viele, aber auch hier möchte ich mit Sto eine Firma nennen, die uns die komplette Farbe gespendet hat und gleich auch durch ihre Arbeiter anbringen ließ.“

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Kein Wunder also, dass der Organisator ein rundum positives Fazit dieser Baumaßnahme zieht. Auch wenn nicht immer alles perfekt lief. Doch darüber kann der 56-jährige Ewattinger heute herzhaft lachen. „Es gab fast keinen Einsatztag ohne Probleme. Entweder funktionierte das Notstromaggregat nicht, oder es gab kein Wasser.“ Aber am Ende habe man das anvisierte Pensum dennoch geschafft. „Das war wie ein kleines Wunder, Wolfgang, der Schutzpatron der Kapelle, muss ein wirklich starker Heiliger sein“, schmunzelt Huber.

Gute Stimmung auf der Baustelle

Überhaupt kein Wunder wiederum war die gute Stimmung auf der Baustelle, dafür sorgte auch das gemütliche Zusammensein nach getanem Werk am Abend, manchmal sogar bis richtig spät am Abend. Trotz all der Mühen nennt Udo Huber die Renovierung der Wolfgangkapelle daher einen „Frohmacher“. „Alle Beteiligten waren und sind happy.“

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Ganz froh sind Huber und Co. allerdings noch nicht, denn sie sehen sich noch nicht am Ende ihrer Aufgabe. Noch steht, wie bereits erwähnt, die Sanierung des Innenraums und des Dachs der Kapelle aus. Zudem ist geplant, eine Gedenktafel in unmittelbarer Nähe anzubringen, die an Hans und Sophie Scholl erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden und deren Eltern und Schwester im nahe gelegenen Bruderhof während des Krieges Unterschlupf und Rettung fanden.