Studie ermittelt Bedürfnisse junger Menschen in Stühlingen. Günstiger und gemeinschaftlich genutzter Wohnraum gewünscht

Stühlingen – Die Stadt Stühlingen wurde als eine von sechs Modellregionen für das Projekt „Junges Wohnen: Zukunftsorientierte Wohnmodelle für junge Erwachsene durch Umnutzung von leer stehenden Gebäuden im Ortskern“ ausgewählt. Das Projekt setzt sich zum Ziel, „attraktiven Wohnraum für junge Erwachsene im Ländlichen Raum zu schaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg.

In Stühlingen war neben der Stadt das Unternehmen „Landimmobilien Thekla Korhummel“ beteiligt, welches seit 2015 besteht. Thekla Korhummel, Geschäftsführerin und Maklerin, ist zudem Gründerin des Vereins „Jung und Alt – Attraktives Dorfleben“, welcher sich für ein attraktives Leben auf dem Land stark macht. „Ich sehe die Problematik darin, dass junge Menschen, die nach dem Studium zurück in die Heimat möchten oder die hier verwurzelt sind, zusätzlich zu einem guten Arbeitgeber auch guten Wohnraum brauchen“, erklärt sie ihr Interesse an dem Projekt.

Zudem, erklärt Bürgermeister Joachim Burger, gebe es in der Kernstadt und in den Ortsteilen viele leerstehende Gebäude, die nicht mehr genutzt werden. „Bereits 2018 haben Verwaltungsmitarbeiter leerstehende Gebäude in den Ortsteilen ausfindig gemacht und die Eigentümer angeschrieben“, erklärt er. Die Vorteile, diese Bestandsimmobilien umzufunktionieren, liegen für den Bürgermeister klar auf der Hand: „Diese Gebäude haben meist eine große Fläche und sind zudem bereits an das Wasser-, Abwasser- und Stromnetz angeschlossen. Für die Kommune würde eine Umnutzung weniger Flächenversiegelung und keine zusätzlichen Infrastrukturkosten bedeuten.“

Und auch das Aussterben der Ortskerne wird von Thekla Korhummel als eine Problematik im ländlichen Raum angesprochen. „Wir haben zu Beginn des Projekts nachgewiesen, dass bei uns in der Region viel alte Bausubstanz vorhanden ist. Während sich die Neubaugebiete aus dem Ort heraus entwickeln, stehen im Ortskern ungenutzte Gebäude oder solche, die nur als Lagerraum genutzt werden“, erörtert sie.

Doch der Bedarf von jungen Personen nach günstigem Wohnraum sei auch auf dem Land vorhanden. Um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu ermitteln, hat die Stadtverwaltung Stühlingen rund 400 Personen im Alter zwischen 18 und 26 angeschrieben. „Die Empfänger des Schreibens konnten an einem Workshop teilnehmen, in dem sie ihre Wünsche und Vorstellungen zum Thema Wohnen auf dem Land äußern konnten. So haben sich auch hier in Stühlingen einige Jugendliche in das Projekt eingeklinkt“, so Burger.

Bedürfnisse junger Menschen

In der Umfrage hätten Jugendliche vor allem den Wunsch nach Gemeinschaftsräumen im Wohnhaus und gemeinsam genutzten Außenflächen geäußert. Zudem würden Arbeitsplätze im Wohnhaus eine immer größere Rolle spielen, da regelmäßig von zuhause aus gearbeitet werde, fasst Burger die Ergebnisse zusammen. „Gerade die Thematik Co-Working-Plätze war ein zentrales Anliegen der Personen. Es sollte Arbeitsplätze im Haus geben, die außerhalb der Wohnung liegen, um Arbeit und Freizeit räumlich besser trennen zu können“, erörtert Korhummel. Auch neue Formen der Mobilität wurden von den Personen angesprochen. „Viele Teilnehmer sagten, sie bräuchten kein alleiniges Auto, da dieses die meiste Zeit nur herumstehen würde. So wurden Konzepte zum Teilen von E-Autos oder E-Fahrrädern entwickelt, um diese sinnvoller einsetzen zu können“, berichtet der Bürgermeister. „Nach dem Studium haben junge Menschen nicht das Bedürfnis sich sofort ein Eigenheim zu kaufen, dafür ist das Geld auch gar nicht da. Deshalb braucht es Wohnungen, die gemeinschaftlich genutzte Bereiche mitdenken“, so Burger.

Die Stadt Stühlingen sieht sich zukünftig als „Brückenbauer“ und Unterstützer, der Eigentümer umfassend über Themen wie Fördermöglichkeiten und Denkmalschutz informieren kann. Thekla Korhummel will sich mit ihrem Unternehmen nun verstärkt dem Bereich „junges und barrierefreies Wohnen“ widmen. „Mein Ziel ist es nun Eigentümer zu finden, welche die Gebäude für eine solche Nutzung zur Verfügung stellen“, erklärt die Maklerin. So sollen neue Wohnformen für Jung und Alt vornehmlich in alter Bausubstanz entstehen. „Wir wollen barrierefreie und soziale Projekte entwickeln, die einen Gemeinschaftscharakter haben“, setzt sie sich als Ziel.

 

„Es braucht Wohnungen, die gemeinschaftlich genutzte Bereiche mitdenken.“

Joachim Burger,
Bürgermeister Stühlingen

Modernes Wohnen im Bestand

Die alte Scheune in Bettmaringen erstrahlt in neuem Glanz: Das klassische Walmdach fügt sich in die Umgebung ein. Für die Außenfassade wurde Fichten- und Lerchenholz verwendet. Im Bild: Innenarchitekt Jürgen Büche. <em>Bild: Vanessa Amann</em>
Die alte Scheune in Bettmaringen erstrahlt in neuem Glanz: Das klassische Walmdach fügt sich in die Umgebung ein. Für die Außenfassade wurde Fichten- und Lerchenholz verwendet. Im Bild: Innenarchitekt Jürgen Büche. Bild: Vanessa Amann
Yvonne und Jürgen Büche aus Bettmaringen bauen ehemalige Scheune zum Mehrfamilienhaus um. Auch Gebäude in kommunaler Hand sollen zeitgemäß gestaltet werden

Stühlingen – Das alte Ökonomiegebäude im Ortskern Bettmaringen wurde bereits 1770 erbaut, erklärt der Innenarchitekt Jürgen Büche. „Bereits vor mehreren Jahren gab es Überlegungen, was mit der Scheune gemacht werden könnte“, so Büche. Als familienintern geklärt wurde, wer das Gebäude erben würde, stand der Umbau zu einem Mehrfamilienhaus relativ schnell fest. Da das Elternhaus direkt an die zuvor landwirtschaftlich genutzte Scheune angrenzt, kam ein Verkauf für Jürgen und Yvonne Büche nicht in Frage. „Mit den Wohnungen wollen wir dem Gebäude wieder neues Leben einhauchen und gleichzeitig Personen, die das ländliche Leben schätzen, günstigen Wohnraum im Ortskern zur Verfügung stellen.“

Denn der Innenarchitekt spricht folgende Problematik an: „Weitere Flächen zu versiegeln ist nicht gewollt und gleichzeitig stehen viele Gebäude, trotz Bedarf, im ländlichen Raum leer.“ Entstehen werden vier Wohnungen, die eine Grundfläche zwischen 60 und 80 Quadratmeter haben. Das Konzept dazu haben der Innenarchitekt und seine Frau Yvonne Büche, die als Bauingenieurin tätig ist, selbst entwickelt. „Uns war es wichtig, dass sich der Umbau in das Ortsbild einfügt. Gleichzeitig soll das Gebäude den Charakter eines Bauernhauses mit modernen Elementen verknüpfen“, sagt er.

Entstanden ist ein Holzbau, der lediglich im Wohnbereich gemauert wurde und der dem Energiestandard KfW 40 entspricht. Dies bedeutet, dass das Wohnhaus 60 Prozent weniger Energie verbraucht, als staatlich vorgeschrieben ist. Förderlich ist hier die Hackschnitzelheizung, an welche nun acht Wohneinheiten angeschlossen sind. Zudem stammt ein Großteil des Holzes für die Dachkonstruktion aus dem eigenen Forst. „Wir konnten hier auch Käferholz aus dem eigenen Wald verwenden, das ist später nicht ersichtlich“, sagt der Innenarchitekt. Damit im Laufe des Umbauprozesses keine unerwarteten Überraschungen auftauchen, sei laut Büche ein guter Planer unerlässlich. „Wir hatten Unterstützung durch einen Planer, der umfassend informiert ist und das gesamte Vorhaben, auch was die Statik betrifft, überblickt“, erklärt er.

Während des Umbauprozesses blieb lediglich eine alte Wand erhalten, der restliche Teil wurde komplett neu ausgebaut“, sagt Büche. „Ursprünglich wollten wir die Bestandswände im Kellerbereich erhalten. Für uns war es dann eine Überraschung, dass wir keine Fundamente unter den Wänden vorgefunden haben“, berichtet er. So musste mehr abgerissen und neu errichtet werden. Einen Vorteil konnten sich Yvonne und Jürgen Büche auch zunutze machen: „80 Prozent unserer Handwerker kommen aus dem Ort und so kennt man sich. Das schafft eine andere Arbeitsatmosphäre und mehr Vertrauen“, schildert Büche.

 

„Uns war es wichtig, dass sich der Umbau in das Ortsbild einfügt. Gleichzeitig soll das Gebäude den Charakter eines Bauernhauses mit modernen Elementen verknüpfen.“

Jürgen Büche, Innenarchitekt

 

Das sagt der Experte der Sparkasse

Die Ressourcen auf unserem Planeten sind begrenzt. Der verantwortungsvolle Umgang mit vorhandenen Immobilien, sollte daher in der Planung berücksichtigt werden. Gerade auch hinsichtlich aktueller Diskussionen zu den Themen Nachhaltigkeit, bezahlbarer Wohnraum und Lieferengpässen. Daher sehen wir den Umbau, egal ob Sanierung oder Modernisierung vorhandener Bausubstanz, als Kernpunkt des zukünftigen Bauens an.

Wann lohnt sich sanieren? Energetische Sanierung oder substanzielle Modernisierung lohnt sich immer dann, wenn sich das Gebäude mit einem vertretbaren Aufwand im Verhältnis zur Ersparnis in den gewünschten Zustand bringen lässt.

Ist Sanieren/Modernisieren günstiger als ein Neubau? Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Rohbau eines Gebäudes etwa 30 Prozent des Bauwerks ausmacht. Unterstellt man im Falle einer Sanierung, dass diese Kosten eingespart werden könnten, könnte die Einsparung bei Sanierungen im Vergleich zum Neubau bei rund 20 Prozent liegen.

Was muss ich bei beachten? Grundsätzlich ist zu klären, ob das Gebäude so wie gewünscht genutzt werden kann, oder ob eine Nutzungsänderung notwendig wird. Es muss geklärt sein, ob im Gebäude schädliche Substanzen verarbeitet wurden oder ein Denkmalschutz besteht. Dies könnte eine Sanierung deutlich verteuern. Es empfiehlt sich hierzu frühzeitig einen Architekten, Fachplaner oder Energieberater mit einzubinden.

Wann muss ich mit der Bank in Kontakt treten? Hierbei empfehlen wir frühzeitig, am besten noch in der Planungsphase bereits Kontakt aufzunehmen, spätestens mit Bauantrag. Es gilt dabei zu prüfen ob die eigenen Finanzmittel ausreichen, staatliche Zuschüsse möglich sind, oder ob eine Finanzierung über die Förderbanken wie KFW, L-Bank und der Sparkasse in Frage kommen. Die Wichtigste ist, es dürfen keine Bauverträge oder Baubeginne vor Zusage der Förderbank stattfinden.

Benjamin Schrader, Marktbereichs-leiter Stühlingen und Eggingen

 

Serie „Wohnen und leben in“

Die Sparkassen der Region und das SÜDKURIER Medienhaus beleuchten in einer 13-teiligen Serie den Immobilienmarkt.
Teil 5, 19.¦Oktober: Ühlingen-Birkendorf, Eggingen, Stühlingen
Teil 6, 21.¦Oktober: Bonndorf, Grafenhausen, Wutach
Teil 7, 26.¦Oktober: Weilheim, Höchenschwand, Dachsberg
Teil 8, 28.¦Oktober: St. Blasien, Häusern, Ibach, Bernau
Teil 9, 02.¦November: Albbruck, Dogern
Teil 10, 04.¦November: Laufenburg, Murg
Teil 11, 09.¦November: Görwihl, Herrischried, Rickenbach
Teil 12, 11.¦November: Wehr, Bad Säckingen, Todtmoos
Teil 13, 16.¦November: Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen, Schwörstadt