Die Nutzung der Wasserkraft ist ein Mosaikstein der regenerativen Stromerzeugung in Deutschland. Bernhard Ernst verwirklichte 2014 unterhalb der Wutachmühle sein erstes Projekt – eine Wasserkraftanlage. Der Ingenieur sieht auch künftig Potenzial in der ausgefeilten Technik – trotz trockeneren Sommern.

Die Fischtreppe macht die Wasserkraftanlage Ewattingen an der Wutach durchlässig.
Die Fischtreppe macht die Wasserkraftanlage Ewattingen an der Wutach durchlässig. | Bild: Stefan Limberger-Andris

Wasserkraft sei im Südwesten zukunftsfähig – trotz des sich verändernden Klimas mit trockeneren Sommern, ist Bernhard Ernst im Gespräch überzeugt. Grundsätzlich seien zwei Dinge notwendig, die es im Schwarzwald zu genüge gibt – Wasser und Gefälle. Er habe auf Grund der trockeneren und heißeren Jahreszeiten eine bisherige Mindererzeugung von bis zu rund 15 Prozent in einzelnen Jahren hinnehmen müssen. Trotzdem seien in diesen vereinzelten Jahren noch immer 85 Prozent Strom als regenerative und CO2-freie Energie in das Stromnetz eingespeist worden.

Und wie steht Bernhard Ernst zur Windkraft und Photovoltaik? Bei Photovoltaik und Windkraft gebe es teilweise keinen so großen Widerstand wie bei Wasserkraft, beide Formen ließen sich gesellschaftspolitisch besser vertreten. Wer denke schon heute daran, was einmal aus den Photovoltaik-Panels oder den Rotorblättern der Windkraftanlage wird? Trotzdem gehören auch diese Formen der Energieerzeugung zum regenerativen Mix dazu. Aus seiner Sicht gebe es bei der Wassernutzung leider einen Interessenskonflikt bei gleichzeitiger Nutzung durch unterschiedliche Interessensvertreter.

Die Nutzung der Wasserkraft sei neben Photovoltaik und Windkraft eine bedeutende Komponente der regenerativen Energieerzeugung. Um Energie zu speichern, sieht Bernhard Ernst auch den Neubau von Pumpspeicherkraftwerken als sinnvoll an, um den Energiebedarf des Landes abzudecken und besser steuern zu können. Es gebe keinen besseren Energiespeicher als das Potenzial des gespeicherten Wassers in einem Pumpspeicher. Der Wirkungsgrad mit etwa 65 Prozent sei weit besser als der von Batterien und wesentlich ungiftiger und ohne Probleme bei der Entsorgung.

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Im Süden Deutschlands bestehe durch die nutzbaren Gefälle im Schwarzwald weiter eine Zukunft für die Wasserkraft, erläutert Bernhard Ernst. Er glaube weiterhin an Wasserkraft als unerschöpfliche und dezentrale Energiequelle zur Erzeugung CO2-freier und regenerative Energie, so Bernhard Ernst. Im Kampf gegen den Klimawandel sollte man diese Form der Energiegewinnung bei steigendem Bedarf mit gegebener Rücksicht nutzen.

Der Plan von Bernhard Ernst, eine zweite Wasserkraftanlage zu verwirklichen, konnte bislang nicht realisiert werden. Die Planung der Wasserkraftanlage bei Stühlingen – immer noch auf dem Stand der Wissenschaft –, die rund 425 Haushalte hätte versorgen können, sei zwar durch Fachbehörden, sowohl auf deutscher wie auch auf Schweizer Seite, als sehr gelungen eingestuft worden, habe aber nicht verwirklicht werden können, obgleich die Belange zum Arten- und Naturschutz mitberücksichtigt worden waren, erzählt Bernhard Ernst. Allerdings habe die politische Einflussnahme der Fischerei- und Naturschutzverbände – etwa WWF und AquaViva – beim Kanton Schaffhausen das Projekt auf Schweizer Seite blockiert. Das Wasser der Wutach fließe nun eben ohne weitere Nutzung über eine Rampe.

Wasserkraft biete etliche Vorteile, erläutert Bernhard Ernst: Im Gegensatz zu Photovoltaik und Windkraft sei sie grundlastfähig und vorhersehbar, was sehr wichtig für den Betrieb der Stromnetze sei. Eine Wasserkraftanlage sei auf über 120 Jahre Laufzeit ausgelegt und berechnet und somit wesentlich langlebiger als Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Beton und Stahl seien zu 100 Prozent recyclebar. Zudem sei die Technik bewährt und ausgefeilt.