Der Wald – normalerweise eine sichere Einnahmequelle für Kommunen – entwickelt sich zum Sorgenkind. Fichtenbestände werden vom Borkenkäfer dahin gerafft, Stürme sorgen für weitere Schäden und auch ein zunehmender Pilzbefall macht den Bäumen zu schaffen. „2020 war ein Katastrophenjahr“, fasst der Wutacher Gemeindeförster Tristan Dellers die Situation zusammen. Das Forstbetriebsergebnis 2020 stellte Tristan Dellers den Wutacher Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung vor. Dabei schickte er gleich vorweg, dass an eine geplante Forstwirtschaft gar nicht zu denken war. Vielmehr sei man getrieben gewesen von Sturmereignissen und Käferinvasionen – gerade einmal 21 Prozent des Gesamteinschlags von 6498 Festmetern Holz konnten regulär geerntet werden.

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Nichtsdestotrotz hatte Tristan Dellers auch eine gute Nachricht im Gepäck: Unterm Strich konnte im Betriebsjahr 2020 noch ein positives Ergebnis erzielt werden. Immerhin 29.589 Euro brachte das Holzgeschäft an Gewinn ein. Bei der Planung war man noch von einem negativen Ergebnis (minus 29 100 Euro) ausgegangen. Die positiven Zahlen sind nach den Worten Dellers aber nicht auf einen guten Holzverkauf, sondern auf die erhaltene Bundeswaldprämie zurückzuführen. 71.900 Euro erhielt die Gemeinde als Unterstützung vom Bund – eine einmalige Zahlung, mit der im laufenden Forstwirtschaftsjahr nicht mehr zu rechnen sei.

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Tristan Dellers schlüsselte Einnahmen und Ausgaben im Einzelnen auf: Die Einnahmen summierten sich auf 383.631 Euro, wobei aus dem Holzverkauf 183.589 (im Durchschnitt 32 Euro pro Festmeter) erlöst werden konnten. An Ausgaben fielen 354.041 Euro an, sodass der bereits oben erwähnte Betrag von 29.589 Euro als Gewinn in die Gemeindekasse fließen konnte.

Sturmholzaufarbeitung kostenaufwendig

Wie Tristan Dellers weiter erläuterte, waren durch die kostenaufwendige Sturmholzaufarbeitung und einen erhöhten Einschlag (der geplante Hiebsatz liegt für den Wutacher Gemeindewald bei rund 5300 Festmetern) auch Zusatzkosten bei der Holzernte entstanden. Geplant waren Kosten in Höhe von 47.700 Euro, tatsächlich fielen 54.600 Euro an. Auch in die Wegeinstandsetzung musste mehr Geld als geplant investiert werden. Anstelle der vorgesehenen 12.000 Euro wurden 14.900 Euro verbraucht. Die höheren Kosten führte der Gemeindeförster auf die Wiederherstellung des Hauptweges Lembach, die Sanierung des Hinterholzwegs in Lembach und die Wetterereignisse zurück. Unter den geplanten Ausgaben war man hingegen bei Investitionen in die Kulturen geblieben (geplant: 24.500 Euro; Vollzug 17.600 Euro). Diese Einsparungen seien aber nicht beabsichtigt gewesen, so Dellers. Vielmehr sei es aufgrund der zeitaufwendigen Sturm- und Käferholzaufarbeitung nicht möglich gewesen, die geplanten Pflanzungen und Kulturarbeiten auszuführen.

Wiederaufforstung von Kahlflächen

Im Anschluss an die Präsentation von Tristan Dellers entwickelte sich eine angeregte Diskussion rund um den Ratstisch. Dabei ging es insbesondere um die Wiederaufforstung von entstandenen Kahlflächen und um die Baumarten, die mit Blick auf den Klimawandel als zukunftsfähig angesehen werden. Wie Dellers dazu informierte, habe man verstärkt Eichen gepflanzt und zwar in Trupp-Pflanzung. Eichentrupp-Pflanzungen werden seit den 1990er Jahren als ökologische und ökonomische Alternativen zur traditionellen Reihenpflanzung insbesondere nach Sturmwurf vermehrt für die Bestandsbegründung genutzt. Bei der Trupp-Pflanzung handelt es sich um mehr oder weniger gleichmäßig über die Fläche verteilte „Pflanzen-Inseln“. Man brauche weniger Pflanzen und zwischen den Inseln könnten Fichten und Douglasien als Naturverjüngung nachziehen, so der Gemeindeförster. Wie Bürgermeister Christian Mauch ergänzte, sei es insgesamt das Ziel, den Waldbestand über die Naturverjüngung zu stabilisieren. „Das klappt aber halt nicht überall“, so Mauch. Wichtig sei auf jeden Fall eine bunte Vielfalt von Baumarten, sagte der Rathauschef, der aber auch anfügte, dass man nicht ganz auf die Fichte verzichten wolle.

Die Kommune kämpfe mit aller Kraft gegen die Borkenkäferplage, was aber machen die Privatwaldbesitzer? Diese Frage stellte Günter Nosbüsch, der befürchtete, dass alle kommunalen Bemühungen verpuffen, wenn im Privatwald nicht nachgezogen wird. Mit diesem Problem sei man tatsächlich konfrontiert, sagte Bürgermeister Mauch, man stehe mit den Privaten aber in Kontakt. Der bis vor Kurzem am Boden liegende Holzpreis habe natürlich nicht gerade dazu motiviert, Käferholz einzuschlagen. Jetzt habe sich die Situation aber gebessert, „man kann wieder Geld verdienen mit Holz“, meinte der Wutacher Rathauschef, der hofft, dass die Privatwaldbesitzer jetzt verstärkt mitziehen.

Große Maschine kommen zum Einsatz

Um die großen Mengen an Sturm- und Käferholz schnell aufarbeiten zu können, werden auch im Wutacher Wald große Maschinen eingesetzt. Erich Zimmermann stellte die Frage, ob sich diese maschinelle Aufarbeitung nicht negativ auf die Waldböden auswirke. Die Fähigkeit der Böden, Wasser zu speichern, werde durch die Bodenverdichtung vermindert, befürchtete Zimmermann. Der Waldbodenhaushalt leide tatsächlich, räumte Gemeindeförster Tristan Dellers ein, allerdings habe man angesichts der Käferplage keine andere Wahl. Die Holzmengen könnten von Waldarbeitern nicht aufgearbeitet werden.