Im Gespräch über seine Teilnahme bei den World Police and Fire Games in Juli gerät Daniel Kaiser kurz ins Stocken und gesteht, dass er gerade mit den Tränen kämpfen muss. Rund ein Monat ist seit den Wettkämpfen in Rotterdam vergangen, die Emotionen und die Eindrücke sind aber immer noch ganz präsent.

Und diese Szene beschreibt wohl am Besten, welche Bedeutung die Olympischen Spiele der Polizei-, Zoll- und Feuerwehrangehörigen für ihn und seine sportliche Karriere haben. „Und selbst, wenn ich keine Medaillen gewonnen hätte, gab es so viele Momente, die mich so gefesselt haben, dass ich sie wohl nie vergessen werde“, sagt der 52-jährige.

Mitglied der Zoll-Nationalmannschaft

Vom 22. bis 31. Juli nahm der Zollamtsinspektor aus Grimmelshofen bei den World Police and Fire Games in Rotterdam Teil. Er war Mitglied der neu gegründeten deutschen Zoll-Nationalmannschaft und holte in der Alterklasse Männer 50 drei Gold- und eine Silbermedaille, zwei Mal verpasste er knapp den Sprung aufs Treppchen und kam auf den vierten Platz.

Im Dreisprung sprang der 52-Jährige zur Goldmedaille.
Im Dreisprung sprang der 52-Jährige zur Goldmedaille. | Bild: Matthias Blaschke

Die Deutsche Zollsporthilfe hat die Teilnehmer der deutschen Nationalmannschaft finanziell unterstützt, die Trainingsanzüge gesponsert und die Startgebühr übernommen. „Unterkunft und Reise mussten wir selbst bezahlen.“

Normalerweise hätte er sich für den Wettkampf Urlaub nehmen müssen, die Sporthilfe habe sich aber für einen Sonderurlaub für die Wettkampftage eingesetzt. „Das ist aber nicht üblich“, zeigt sich der Sportler dankbar.

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„Die Stimmung war gut in der Mannschaft, wir waren 42 Zöllner aus ganz Deutschland“, erzählt Daniel Kaiser. Er ist gemeinsam mit seiner Frau Agnes und seiner Tochter Jenna nach Rotterdam gereist. Die Wettkämpfe der Leichtathleten fanden im 30 Minuten entfernten Den Haag statt.

„Es war ein bisschen schade, dass die Leichtathleten etwas abseits waren. Es war schon toll, aber es wäre besser gewesen, wenn alles an einem Ort gewesen wäre“, sagt der Sportler rückblickend.

Besucher jubeln Athleten zu

Neben den Emotionen rund um die gewonnen Medaillen sei vor allem die Eröffnungsfeier ein Höhepunkt der Spiele gewesen. „Die Eröffnungsfeier war gigantisch“, erinnert sich der 52-Jährige. Ähnlich wie bei den Olympischen Spielen liefen die Teilnehmer der verschiedenen Länder ein. „Das haut einen schon um, wenn man die ganzen Leute sieht, die einem zujubeln“, erinnert sich Daniel Kaiser.

Auch das ganze Ambiente rund um die Spiele sei besonders gewesen. In der ganzen Stadt wurde Werbung für die Wettkämpfe gemacht, die Sportler waren alle in Trainingsanzügen unterwegs – so hätten sich die Teilnehmer automatisch gegrüßt oder immer ein Lächeln für den anderen gehabt.

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Jede der vier Medaillen hat für Daniel Kaiser ihre eigene Geschichte. „Die emotionalste Medaille war die Diskus-Medaille, weil ich am Schluss über mich hinausgewachsen bin“, so der 52-Jährige. „Es war ein Auf und Ab, ein Verzweifeln und Hadern. Ich habe Selbstgespräche geführt und vor mich hingeschimpft. Das sind alles Gefühle, die man von normalen Wettkämpfen nicht kennt.“

Im Diskuswerfen holte sich Daniel Kaiser mit dem letzten Wurf die Goldmedaille.
Im Diskuswerfen holte sich Daniel Kaiser mit dem letzten Wurf die Goldmedaille. | Bild: Agnes Kaiser

Den ganzen Wettkampf über sei er im Mittelfeld gelegen, mit dem letzten Wurf konnte er sich schließlich an die Spitze setzen. „Das Ding flog und flog und kam nicht mehr runter. Das haben alle im Stadion gehört, wie ich mich danach gefreut habe“, blickt er zurück.

Die überraschendste Medaille sein im Weitsprung gewesen. „Gerechnet habe ich mit 5,10 Meter. Stattdessen wurden es 5,54 Meter – das sind Leistungen wie vor sechs Jahren.“

Im Weitsprung erreichte Daniel Kaiser den zweiten Platz.
Im Weitsprung erreichte Daniel Kaiser den zweiten Platz. | Bild: Agnes Kaiser

Im Dreisprung setzte er sich gleich beim ersten Sprung an die Spitze. Um Kräfte zu sparen, ließ er einen Versuch nach dem anderen aus und beobachtete die Gegner – ein weiterer Sprung sei schließlich nicht mehr notwendig gewesen, weil niemand an seine 11,04 Meter herankam.

Und auch im Stabhochsprung habe er seine Favoriten-Rolle ausspielen können. Aber: „Auch wenn man als Favorit reingeht, heißt das nicht, dass man auch gewinnt. Auch wenn es eine sichere Medaille war, bleibt man nervös“, sagt Kaiser.

Im Stabhochsprung holte sich der Zollamtsinspektor die dritte Goldmedaille.
Im Stabhochsprung holte sich der Zollamtsinspektor die dritte Goldmedaille. | Bild: Matthias Blaschke

Aber es gab auch Enttäuschungen. „Beim Kugelstoßen hatte ich mit mehr erhofft. Im Training lief es immer besser.“ Am Ende reichte es nur für Platz 4, wie auch beim Hammerwurf. „Das habe ich mit Medaillenchancen ausgerechnet, aber das ging in die Hose“, blickt der 52-Jährige zurück. „Der Hammer flog in alle Richtungen, nur nicht dahin, wo er sollte“, erzählt er lachend.

Ein „Lust-und-Laune-Sportler“

Daniel Kaiser bezeichnet sich selbst als „Lust-und-Laune-Sportler“. „Ich bin nicht der typische Leistungssportler. Ich bringe Leistungen, die mich überraschen. Ich habe nie das getan, was andere dafür tun“, sagt er und fügt hinzu: „Ich glaube nicht, dass ich beim Training im Jahresdurchschnitt auf zwei Mal pro Woche komme.“

Emotional wurde es auch noch einmal nach den Wettkämpfen in Rotterdam, bei der Ankunft in der Heimat. „Nach acht Stunden Fahrt wurde ich von meiner Frau ums Haus gelotst und auf der Terrasse empfingen mich Familie und Freunde.“ Über WhatsApp stand seine Frau ständig in Kontakt mit den Organisatoren des Empfangs. „Und ich habe nichts von den Vorbereitungen mitbekommen.“ An diesem Abend ist auch das Bild mit den vier Medaillen entstanden.

Vier Medaillen hat Daniel Kaiser von den World Police and Fire Games aus Rotterdam nach Grimmelshofen mitgebracht.
Vier Medaillen hat Daniel Kaiser von den World Police and Fire Games aus Rotterdam nach Grimmelshofen mitgebracht. | Bild: Angelika Blattert

Und wie geht es jetzt nach diesem Erfolg sportlich weiter? „So lange mein Körper mitmacht, nehme ich an Wettkämpfen teil“, erklärt Kaiser. Die nächsten World Police and Fire Games finden 2023 in Kanada statt. „Da bin ich ernsthaft am Überlegen, ob ich mich dort anmelde“, sagt Daniel Kaiser. Bis dahin hat er für seine vier Medaillen bestimmt einen Ehrenplatz in seinem Haus gefunden.

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