Der Winterschlaf war besonders lang. Mittlerweile sind sie aber wieder erwacht und jagen durch die Nächte: die Fledermäuse. Welche Arten es in der Region Wutachtal gibt, warum sie schützenswert sind und wie man den Tieren helfen kann, haben wir zusammengefasst.

Mit elegantem Flügelschwung geht die Große Mausohr-Fledermaus, die auch im Wutachtal heimisch ist, nachts auf Insektenjagd.
Mit elegantem Flügelschwung geht die Große Mausohr-Fledermaus, die auch im Wutachtal heimisch ist, nachts auf Insektenjagd. | Bild: Nicole Mai (Archiv)

Lautlose Schatten, geisterhaft und so schnell, dass man sie gleich wieder aus den Augen verliert. Wer in Sommernächten draußen sitzt und achtsam ist, hat sie bestimmt schon bemerkt: Fledermäuse. Die Jäger der Nacht drohen, aus unserer Natur zu verschwinden. Die US-amerikanische Wissenschaftlerin und Autorin Rachel Carson wies schon 1962 mit ihrem Buch „Der stumme Frühling“ auf die Konsequenzen des Insektensterbens für die Vögel hin. Doch auch die geflügelten Jäger der Nacht hängen an dieser Kette. Deshalb sind alle 25 Arten streng geschützt.

Im Fauna-Flora-Habitat (FFH) Gebiet „Blumberger Pforte und mittlere Wutach“ steht unter anderen das große Mausohr unter besonderem Schutz. „Diese Art braucht nicht isolierte Dachböden, um im Sommer ihre Jungen aufzuziehen“, erklärt Bettina Sättele. Die Sachverständige für Biberfragen und Auenschutz kümmert sich ehrenamtlich auch um die Belange der Fledermäuse im Landkreis Waldshut.

Bettina Sättele ist nicht nur Sachverständige für Biberfragen und Auenschutz, sondern kümmert sich ehrenamtlich auch um die Belange der Fledermäuse im Landkreis Waldshut.
Bettina Sättele ist nicht nur Sachverständige für Biberfragen und Auenschutz, sondern kümmert sich ehrenamtlich auch um die Belange der Fledermäuse im Landkreis Waldshut. | Bild: Guy Simon (Archiv)

Die geeigneten Lebensräume würden immer seltener und gerade deshalb stünden Arten wie das große Mausohr unter einem speziellen Monitoring. Im Stühlinger Kapuzinerkloster betreut die Arbeitsgruppe Fledermausschutz aus Freiburg eine Wochenstube, in der die Jungen aufgezogen werden, mit etwa 70 Tieren. Schwester Hedwig freut sich über die tierischen Untermieter. „Es sind ja ganz wichtige Tiere“, ist sie sich der Schutzbedürftigkeit der Fledermäuse bewusst, die im großen Dachstuhl des Klosters hausen. Jährlich kommen die Fachleute aus Freiburg zur Zählung und zum Einsammeln von Kot.

Weitere Bestände

Größere Quartiere gibt es außerdem noch in Ühlingen und in Schwaningen. Zur Entwicklung der regionalen Bestände gibt das Freiburger Institut für angewandte Tierökologie (FRINAT) Auskunft. „Wir gehen davon aus, dass die Bestände des Mausohrs weitestgehend stabil sind. Bei Arten wie der Mopsfledermaus hoffen wir, dass sie sich nach den massiven Bestandseinbrüchen in den 50/60er-Jahren wieder etwas erholen können“, erklärt Biologin Dagmar Schindler.

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Schindler sieht im FFH-Konzept ein wertvolles Instrument zum Erhalt der Artenvielfalt. Die Maßnahmen seien entscheidend für die Sicherstellung von Sommer- und Winterquartieren, von Nahrungshabitaten und deren Verbund und damit für die Bewahrung und Förderung dieser und weiterer Fledermausarten in dem Gebiet. Aktuell laufe in der Region das Artenschutz-Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“. Die Alb-Wutach-Region sei damit zu einer der deutschlandweiten Modellregionen für die Entwicklung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen für diese Art auserkoren worden.

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„Im Auftrag des Nabu Baden-Württemberg sind wir derzeit auf der Suche nach potenziellen Flächen im Wald, in denen wir im Rahmen des Projekts – gerne zusammen mit den Kommunen – geeignete Konzepte entwickeln und umsetzen wollen“, sagt Schindler zur Zukunft des regionalen Fledermausschutzes. Dabei seien die Tiere nicht nur beliebt. In den Tunneln der Museumsbahn Weizen-Blumberg halten Mopsfledermäuse jährlich ihren Winterschlaf ab und stoppen somit den Bahnbetrieb. Das müsse aber sein. Damit die Fledermaus weiterhin in freier Natur vorkommt, sei insbesondere ein Umdenken in (Land-)Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefragt. Alle Fledermausarten seien streng geschützt und überdies auch für den Menschen nützlich. Schädlinge würden vertilgt, die sich etwa in Äpfeln oder in Bäumen einnisten und große Schäden anrichten können.

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„Es geht um das biologische Gleichgewicht“, betont Burkhard-Bergér von der Ortsgruppe Oberes Schlüchttal im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den ökologischen Kreislaufcharakter, in dem auch die Fledermäuse eine wichtige Rolle als biologische Schädlingsbekämpfer spielen. Das sieht auch Bettina Sättele so, die zu einer naturnahen Gartengestaltung rät: „Natürliches Chaos und Unordnung schaffen Biodiversität.“

Mithelfen

Das sei wichtig für Insekten und damit auch für Vögel und Fledermäuse. Man müsse zulassen, was natürlich an einem Standort wachse und wilde Ecken im Garten als Refugien ansehen. Jeder Einzelne könne dahingehend etwas für Insekten, Vögel und Fledermäuse tun. Wer sich darüber hinaus engagieren möchte, kann bei den Naturschutzverbänden wie Nabu und BUND mitarbeiten. Es gibt Führungen, Kartierungen und gemeinsame Aktionen zum Schutz der heimischen Flora und Fauna.