Angela Böhrer

Herr Siebler, welche pädagogischen Ziele verfolgten Sie mit der Einrichtung einer Imker-AG?

Mein Hauptanliegen war und ist, den Kindern und Jugendlichen das Handwerk der Imkerei nahezubringen. Ich würde mich freuen, wenn einige Mädchen und Jungen sich entscheiden würden, selbst Bienen zu halten. Im Moment ist ein Junge unserer Imker AG tatsächlich Herr eines eigenen Volkes. Außerdem bietet die Imkerei natürlich weitere vielfältige Möglichkeiten, die wir versuchen, ebenfalls zu vermitteln: Biologie: Durch learning by doing erarbeiteten sich die Kinder und Jugendliche immer weitere Kenntnisse über die Faszination der Bienen. Wirtschaft: Drei Schülerinnen der 8. Klasse führten letztes Schuljahr das Kassenbuch unserer Schülerfirma. Schließlich müssen wir einmal im Jahr bei der Stadt Rechenschaft ablegen und da muss das Kassenbuch auf den Cent stimmen. Gemeinsam waren wir auch im Bereich Marketing unterwegs und haben die verschiedenen Etiketten für unsere Honiggläser entworfen. Werken: In den arbeitsarmen Wintermonaten waren wir beschäftigt, die Rähmchen herzustellen und die Wachsplatten einzulöten; jeder Jungimker/in baute sich eine eigene Werkzeugkiste; wir begannen damit eigene Beuten aus Wymouthkiefer herzustellen. Kooperation mit Brunnenwiesen: Von Anfang an unterstützte uns das Altenpflegeheim Brunnenwiesen, stellte uns zum Beispiel den Standort zur Verfügung; trotz Corona besuchten wir mit den Jungimkern die Bewohner, zum Beispiel, um sie über die Bienen im Allgemeinen zu informieren oder um gemeinsam eine Spende zu feiern; außerdem kamen die Bewohner auch zu uns an die Schule, um uns beim Schleudern des Honigs Gesellschaft zu leisten.

Ist es Ihnen gelungen, Schülerinnen und Schüler von dieser Idee zu begeistern? Wie viele Kinder aus welcher Altersgruppe machen mit? Worin bestehen deren Aufgaben?

Es sind 24 Schüler aus den Klassen 5 bis 8. Die Jugendlichen machen alles: Damit jeder Schüler alles einmal probieren kann, wurde die AG nicht 14-tägig, sondern wöchentlich angeboten, um zwei kleinere Gruppen ausbilden zu können. Durch Dieter Klingele vom Imkerverein Wutachtal, der die AG mit mir gemeinsam anbietet, sind wir als Team auch in der Lage, auf die Fragen einzugehen.

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Wie haben Sie es geschafft, einen geeigneten Platz sowie finanzielle Mittel für das sicherlich aufwändige Equipment zu beschaffen?

Martina Porten-Dengg von Brunnenwiesen unterstützte uns von Anfang an und bot den Platz hinter dem Pflegeheim an. Sowohl die Sparkasse als auch die Volksbank unterstützten uns mit großzügigen Spenden. Außerdem nahmen wir an einem Wettbewerb der Sparda-Bank teil. Da unsere Hausmeister von Anfang an hinter dem Projekt standen, ist es uns auch gelungen, ein Plätzchen für die Materialien zu finden. Wir sind nach dem ersten Jahr nun mit der Basisausrüstung versorgt, wenn die Beuten fertig gebaut sind, werden wir unsere privaten Beuten wieder mit nach Hause nehmen. Außerdem werden wir in Zukunft auch Einnahmen durch den Honigverkauf erzielen. Bereits dieses Jahr konnten wir eine kleine Menge – etwa 30 Kilogramm – ernten und verkaufen.

Der Konrektor an der Realschule Stühlingen, Patrick Siebler, spricht im Interview über den Erfolg der Imker-AG an der Schule.
Der Konrektor an der Realschule Stühlingen, Patrick Siebler, spricht im Interview über den Erfolg der Imker-AG an der Schule. | Bild: Angela Böhrer

Bekommen Sie Unterstützung vonseiten des Kollegiums oder Imkerkollegen bei Ihrer Arbeit?

Dieter Klingele vom Imkerverein Wutachtal unterstützt mich extrem. Er ist nicht nur immer dabei, durch sein großes imkerisches Wissen und sein handwerkliches Geschick ist er ein Glücksfall für die Schule und die Schülerinnen und Schüler.

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Können Sie uns nähere Informationen über die Bienenvölker der Realschule Stühlingen geben?

Im Moment haben wir drei Völker – jeweils eine Spende von Herrn Neukum (Imkerverein), Herrn Klingele (Imkerverein) und Herrn Siebler. Während zwei Völker Ertrag brachten, schwächelt eines, wir hoffen, es über den Winter zu bringen. Die beiden stärkeren Völker wurden gegen die Varroamilbe behandelt, alle Völker werden im Moment eingefüttert, damit sie über den Winter genug Futter haben.

Die Vermarktung der Produkte Ihrer AG wird über eine Schülerfirma abgewickelt. Was müssen sich unsere Leserinnen und Leser darunter vorstellen? Arbeitet sie gewinnorientiert? Sind die Produkte käuflich zu erwerben?

Selbstverständlich arbeiten wir – wie jedes Unternehmen – gewinnorientiert. Da wir dieses Jahr noch nicht so viel Ertrag hatten, ist der diesjährige Honig bereits weg. Jeder Teilnehmer der AG bekam ein Glas geschenkt; Schüler, Lehrer, Schule und Pflegeheim Brunnenwiesen kauften die restlichen Gläser. Wir hoffen, im nächsten Jahr mehr produzieren zu können und dann auch anderen Interessierten unseren Honig anbieten zu können.

Seit einigen Monaten gibt es an der Realschule Stühlingen eine Imker-AG, die von den Schülern gerne angenommen wird. Auch der erste ...
Seit einigen Monaten gibt es an der Realschule Stühlingen eine Imker-AG, die von den Schülern gerne angenommen wird. Auch der erste Honig konnte schon geerntet werden. | Bild: Angela Böhrer

Haben Sie sich bestimmte Ziele für die weitere Entwicklung der Imker-AG gesteckt?

Stabilität – Bienen sind Tiere, das heißt, wir haben Verantwortung für unsere Bienen. Wir können nicht nach Laune oder wegen anderweitiger Belastung plötzlich alles hinwerfen. Außerdem hoffe ich, dass wir jetzt ohne Corona die Zusammenarbeit mit Brunnenwiesen intensivieren können. Unsere Schüler profitieren nicht nur von der grundsätzlichen Begegnung mit älteren Menschen, es ist auch ein ungeheurer Wissensschatz, der im Altenheim schlummert. Bei der Honigernte erfuhren wir zum Beispiel von einem Bewohner, dass er früher selber Imker war und 1944 sein erstes eigenes Volk erhalten hatte.

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