Wie leben Menschen im ländlichen Raum in Zukunft zusammen? Mit einem Info-Abend startete der JA-Verein (Jung & Alt Attraktives Dorfleben) Stühlingen die ersten öffentlichen Schritte für die Gründung der Genossenschaft Pro-Land-Geno (“Pro.Land.Geno“). 42 Interessierte aus dem Einzugsgebiet des JA-Vereins, hauptsächlich aus Stühlingen, Eggingen und Bonndorf, hatten am Info-Abend teilgenommen.

„Ich bin beeindruckt, was alles herausgekommen ist, wow Stühlingen“. Monika Studinger aus Albbruck moderierte die ...
„Ich bin beeindruckt, was alles herausgekommen ist, wow Stühlingen“. Monika Studinger aus Albbruck moderierte die Informationsveranstaltung Pro-Land-Geno. | Bild: Yvonne Würth

Was ist eine Genossenschaft überhaupt?

Bereits im Mittelalter entwickelten sich Zusammenschlüsse für einen gemeinsamen Zweck, Beispiele sind die Finanzierung von angemessenen Beerdigungen, eine Arbeitnehmerinteressenvertretung im Bergbau sowie die gemeinschaftliche Nutzung der Weiden und Alpen.

Mit der Industrialisierung und der Arbeiterbewegung wurden Genossenschaften gegründet, zum Beispiel für menschenwürdigere Arbeits- und Lebensbedingungen um 1800. In Deutschland bekannt ist der kreditgenossenschaftliche Ansatz von Friedrich Wilhelm Raiffeisen 1852, der schweizerische Einzelhandel wird noch heute von den Genossenschaften Migros und Coop dominiert.

Das könnte Sie auch interessieren

„Was einer nicht schafft, schaffen viele“, der markante Spruch ist eine Kurz-Erklärung für die Genossenschaft. „Lebensformen in Gegenwart und Zukunft betrifft uns alle und bedarf der Initiative aller Bürger. Um dies solidarisch, ökologisch sinnvoll und gemeinwohlfördernd zu ermöglichen, soll die Genossenschaft Pro-Land-Geno gegründet werden“, erläuterte Monika Studinger in der Veranstaltung.

Was wurde in Stühlingen bereits unternommen?

Die Nachbarschaftshilfe wurde als einer von mehreren möglichen Bereichen für die Pro-Land-Geno. genannt. Seit zehn Jahren ist der JA-Verein in der Nachbarschaftshilfe aktiv in Stühlingen, Eggingen, Wutöschingen, Ühlingen-Birkendorf, Grafenhausen, Bonndorf und Wutach tätig.

Der JA-Verein hat auch bereits erste Angebote für weitere Bereiche erstellt: Generationenwohnen, Kinderbetreuung, Nahversorgung/Treffpunkte und Mobilität.

Worauf zielt die Genossenschaft des JA-Vereins ab?

Synergien sollen geschaffen werden, die transparent und mit einer gemeinsamen Mission tätig sind. Ein großer Wert wurde in der Infoveranstaltung auf die gemeinsame Ideen-Sammlung gelegt.

Alle Teilnehmer wurden angehalten, sich zu überlegen, ob sie aktiv in einer der künftigen Arbeitsgruppen mitwirken möchten. Die Idee der Pro-Land-Geno stammt von Thekla Korhummel.

„Wir sagen JA und wollen neue Wohnformen für Jung und Alt im ländlichen Raum schaffen. Und das vorwiegend in alter Bausubstanz. ...
„Wir sagen JA und wollen neue Wohnformen für Jung und Alt im ländlichen Raum schaffen. Und das vorwiegend in alter Bausubstanz. Wir können alle echt mal selber was machen, nicht nur die Gemeinde.“ Thekla Korhummel aus Mauchen ist Vorsitzende des JA-Vereins und Initiatorin der Genossenschaft. | Bild: Yvonne Würth

Sie ist Gründerin und Vorsitzende des Jung & Alt Vereins, außerdem ist sie Inhaberin der Firma Landimmobilien Südschwarzwald, die sich auf die Vermittlung von Immobilien im ländlichen Raum spezialisiert hat. Diese beiden Themenfelder sind ihre Herzensthemen, die sie gerne in der Pro-Land-Geno zusammenführen möchte. „Eines der Hauptziele ist es dabei, alte leerstehende Gebäude auf dem Dorf und im Stadtkern wieder einem sinnvollen Wohnzweck zu zuführen“, erklärt sie.

Welche Ideen haben die Teilnehmer gesammelt?

Kinderbetreuung: Manuela Harder-Holle ist Erzieherin und im JA-Verein aktiv bei der Betreuung der Kleinkindergruppen. Sie sammelte die Ideen der Teilnehmer für den Bereich Kinderbetreuung und stellte sie anschließend im Plenum vor: „Was gab es, was wäre schön, was gab es noch nie“, die Ideen waren zahlreich. Bereits in der Entstehungsphase des JA-Vereins ist ein Natur- und Waldkindergarten Mauchen mit 20 Plätzen.

Erste Schritte für die geplante Genossenschaft Pro.Land.Geno gab es mit der Informationsveranstaltung des JA-Vereins im Sitzungssaal ...
Erste Schritte für die geplante Genossenschaft Pro.Land.Geno gab es mit der Informationsveranstaltung des JA-Vereins im Sitzungssaal Stühlingen. Nach einer Kurz-Info hatten die 42 Teilnehmer in Gruppen ihre Ideen zu den Themen Kinderbetreuung, Mobilität, Nahversorgung/Treffpunkte und Wohnformen gesammelt. Im Bild sind Monika Sackmann (von links), Ines Keller und die Vorsitzende Thekla Korhummel, alle vom JA-Verein zu sehen. | Bild: Yvonne Würth

Mobilität: Gemeinderat Dominik Rombach ist Realschullehrer in Stühlingen. Er stellte die Ideensammlung zum Thema Mobilität vor. Fünf große Überthemen wurden gebildet: ÖPNV, Mitfahrgelegenheiten im weitesten Sinne, Kinderbeförderung, Carsharing und Fahrradstruktur. „Wir haben uns mit einer Mitfahrgelegenheit-App beschäftigt, es gab viele tolle Ansätze, wie so eine App aussehen müsste und wie sie nicht aussehen darf.“ Zwei Fahrzeuge werden demnächst in Stühlingen bereit stehen, die für Carsharing genutzt werden können. Offen ist noch, bis wann sie geliefert werden können.

In der Gruppenphase der Info-Veranstaltung Pro.Land.Geno hatten Gemeinderat Dominik Rombach (von links), Bürgermeister Joachim Burger, ...
In der Gruppenphase der Info-Veranstaltung Pro.Land.Geno hatten Gemeinderat Dominik Rombach (von links), Bürgermeister Joachim Burger, Initiatorin Thekla Korhummel und Manuela Harder-Holle (rechts) die Ideen der Teilnehmer gesammelt, Moderatorin Monika Studinger führte durch den Abend. | Bild: Yvonne Würth

Nahversorgung und Treffpunkte: Bürgermeister Joachim Burger wurde gebeten, sich hier einzubringen. „Allen war die digitale Plattform, die Vernetzung wichtig: Einer hat zu viel, einer zu wenig, da kann man sich austauschen, auch bei Obst und Gemüse, ob Gratisecke oder Hausflohmärkte, eine gebündelte Info in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen.“

Neue Wohnformen: Die Initiatorin Thekla Korhummel hatte sich des Themas angenommen und die Ideen der Teilnehmer gesammelt. „Das Thema Wohnen ist der Hauptgrund für die Genossenschafts-Idee, die Finanzierung von Wohnprojekten. Die anderen Themen können auch über andere Initiativen abgedeckt werden.“

Das könnte Sie auch interessieren