Der Fahrweg führt steil hinab Richtung Wutach, wird immer schmaler. Wir sind bereits eine Strecke weit zu Fuß am Hang unterwegs, hören irgendwo in der Tiefe die Wutach rauschen. Gemeindeförster Tristan Dellers bleibt stehen, zeigt auf einen unspektakulär wirkenden Baum, der seine noch spärlich belaubte Krone gen Himmel reckt. „Dieses Prachtstück gehört zum Schatz des Gemeindewalds Wutach.“ Die stattliche Bergulme ist eines von vielleicht 40 Exemplaren auf sechs bis sieben Hektar, von denen Tristan Dellers im Gemeindewald weiß.

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Der nordexponierte Hang in der forstlichen Abteilung Salzschlecke schwingt sich in leichtem Bogen entlang der Schlucht. Ist es am Fahrweg noch mild, frisst sich auf dem Fußweg bereits nach wenigen Minuten langsam aber sicher ein klammes Gefühl durch die Kleidung. „Ideale Bedingungen für die Bergulme – sickerfeuchter, nährstoffreicher Tonboden im schattigen Schluchtbereich.“

Warum die Ulmen ein forstlicher Schatz sind

Tristan Dellers weiß von den zerstreut stehenden Bergulmen aus einer forstlichen Kartierung aus dem Jahr 2011, in der diese als 80- bis 90-Jährig verzeichnet sind. Durch einen Tannenverjüngungshieb in der Abteilung im vergangenen Jahr wurde er sich dieses forstlichen Schatzes so richtig bewusst. Die vitalen Bäume seien etwas ganz Besonderes, weil sie bislang nicht dem Ulmensplintkäfer, besser gesagt dem durch ihn übertragenen Schlauchpilz (Ophiostoma novo-ulmi), zum Opfer gefallen sind. Der Pilz verursache das Ulmensterben und brachte die Bergulme (Ulmus glabra) europaweit dem Aussterben nahe. Warum sich die Bergulme gerade an diesem Hang so vital hält? Vermutlich der optimale Standort.

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Stolz verweist der junge Forstmann auf die bereits übermannshohe Verjüngung der Bergulme, die sich auf dem Verjüngungshieb zeigt. Der Nachwuchs ist zumindest dem äsenden Wild weit übers Haupt gewachsen. Gefahr drohe ihm nun zunächst durch den Kleinen Ulmensplintkäfer (Scolytus multistriatus), der die Sporen des Pilzes Ceratocystis ulmi überträgt, der ebenfalls Ulmen zum Absterben bringt. Älteren Bergulmen kann der Große Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) gefährlich werden.

Zartes Grün an den Bergulmenzweigen. Am nordexponierten Hang fängt der Frühling etwas später an.
Zartes Grün an den Bergulmenzweigen. Am nordexponierten Hang fängt der Frühling etwas später an. | Bild: Stefan Limberger-Andris

Bergulmen können bis zu 400 Jahre alt werden, gemessen daran befinden sich die Bäume in der Abteilung mit ihren 90 bis 100 Jahren also im jungen Erwachsenenalter. Trotz der guten Holzqualität der Bergulme im Gemeindewald steht ein Hieb nicht zur Debatte. Ökologisch zu wertvoll seien die in Brusthöhe 40 bis 50 Zentimeter starken Bäume, argumentiert Tristan Dellers. Außerdem sei Ulmenholz am Markt eher weniger gesucht. Die stillen Riesen, die von Forstleuten als Halbschattenbaumart waldbaulich geschätzt werden, haben einen hohen Naturschutzwert, sollen dem Bestandsschutz und vielleicht einmal einer Saatguternte dienen.

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„Die Bergulme hatte im Gemeindewald als Nutzholz eine geringe Bedeutung.“ Diesen Schluss zieht Tristan Dellers nach Studium der Forsteinrichtungswerke der Gesamtgemeinde aus vergangenen Jahrzehnten. Dort ist sie stets unter „Sonstige Baumarten“ aufgeführt, die im Wald vorkommen – und dies heißt, dass ihr Anteil deutlich unter fünf Prozent sämtlicher dort vorkommender Baumarten liegt.

Typisch für junge Bergulmen – sprossenförmig wie bei einer Leiter und wechselständig wachsen die Äste aus dem Stämmchen. Der Nachwuchs an Bergulmen scheint im Gemeindewald gesichert zu sein.
Typisch für junge Bergulmen – sprossenförmig wie bei einer Leiter und wechselständig wachsen die Äste aus dem Stämmchen. Der Nachwuchs an Bergulmen scheint im Gemeindewald gesichert zu sein. | Bild: Stefan Limberger-Andris

In diese Gruppe fallen noch andere seltene Baumarten. Tristan Dellers weiß aus Erzählungen von Elsbeere (Sorbus torminalis) und Eibe (Taxus baccata), die in wenigen Exemplaren im Gemeindewald vorkommen sollen. Wo diese stehen, weiß er allerdings nicht. Sie sind verschollen im Baummeer des Gemeindewalds Wutach.