Der Festnetzanschluss ist lahm gelegt. Einige Bewohner im Stühlinger Ortsteil Schwaningen sind derzeit fast nicht erreichbar, und sie können per Telefon niemanden erreichen. Und das im digitalen Zeitalter. Grund ist offensichtlich eine eingefallene Baugrube auf privatem Grund. Geröll hat laut Auskunft der Telekom ein Kabel beschädigt. Der Eigentümer ist nicht erreichbar, den Technikern sind die Hände gebunden. Wir haben mit Ottmar Kehl, einem der Betroffenen, gesprochen und bei der Telekom nachgefragt.

Kehl hat sich mit einer E-Mail an den SÜDKURIER gewandt. Zu diesem Zeitpunkt war sein Festnetzanschluss bereits fast zwei Wochen gestört. Nur über sein Mobiltelefon ist er zu erreichen. Aber auch das ist nicht einfach, weil er über seinen Mobilfunkanbieter in seinem Haus keinen vernünftigen Empfang hat. „Eine Katastrophe“, ärgert er sich.

Für kurze Zeit hat es wieder funktioniert

Am Montag, 10. Januar, habe er festgestellt, dass über sein Haustelefon nichts mehr geht. Daraufhin sei er nach Tiengen gefahren und in einem Fachgeschäft die Störung gemeldet. „Dann hat es ein paar Tage wieder funktioniert“, schildert er. Bis dann überhaupt nichts mehr gegangen sei. Als er sich an den SÜDKURIER wandte, waren bereits zwei Wochen vergangen. Von der Ursache des Schadens wusste er bis dato noch nichts.

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Ohne Einverständnis geht nichts

Die Ursache ist nun geklärt. Die Pressestelle der Telekom schreibt auf Nachfrage: „Die gemeldete Störung ist uns seit 10. Januar bekannt. Vermutlich liegt ein Kabelfehler vor.“ So weit so gut. Die Techniker hätten sich auf den Weg gemacht und festgestellt, dass sich die verortete Schadstelle auf privatem Grund und Boden in einer eingefallenen Baugrube befinde. „Der Eigentümer konnte weder vor Ort angetroffen werden, noch ist er in irgendeiner Art und Weise erreichbar.“ Das Unternehmen macht klar, dass es für die Tiefbauarbeiten auf privatem Grund das Einverständnis des Eigentümers brauche. Sprich: Man müsse warten, bis der wieder nach Hause kommt. Die Telekomsprecherin spricht von einem eher seltenen Fall.

Sechs Haushalte in Schwaningen betroffen

Kehl hat mittlerweile herausgefunden, dass fünf weitere Haushalte in Schwaningen von der Störung betroffen sind. „Alles Senioren“, sagt der 78-jährige Rentner. Es ärgert ihn, dass er fast niemanden erreichen kann und nicht erreichbar ist. Um mit seinem Handy telefonieren zu können, muss er sich anstrengen. Kehl: „Wenn ich mich auf der Südseite aus dem Fenster lehne, geht es einigermaßen.“ Es scheint für ihn im Moment die einzige Möglichkeit zu sein, sich mit der Außenwelt zu verständigen. Es sei denn, er setzt sich ins Auto und fährt zu seinem Gesprächspartner oder an einen Ort mit besserem Empfang.

Nur mit dem Mobiltelefon geht es. Aber einen vernünftigen Empfang hat Ottmar Kehl nur am Fenster auf der Südseite seiner Wohnung.
Nur mit dem Mobiltelefon geht es. Aber einen vernünftigen Empfang hat Ottmar Kehl nur am Fenster auf der Südseite seiner Wohnung. | Bild: Yvonne Würth

Für einen weiteren Betroffenen ist es noch problematischer. Laut Kehls Schilderungen werde eine Person in der Nachbarschaft über den Festnetzanschluss medizinisch überwacht – wenn alles funktioniert. Auch das geht im Moment nicht.

Verlegung in öffentlichen Raum geht nicht

„Wir könnten, dürfen aber nicht“, sagt die Telekomsprecherin am Telefon indes. Und sie schreibt in ihrer E-Mail: So lange der Zugang auf das Grundstück nicht geklärt ist, könnten die Maßnahmen zur Beseitigung der Störung nicht fortgesetzt werden. Der technische Service des Telekommunikationsunternehmens habe bereits ins Auge gefasst und geprüft, das Kabel in den öffentlichen Raum zu verlegen. Das Ergebnis: Es sei baulich nicht machbar.

Bis wann, die Störung behoben werden kann, könne das Unternehmen unter diesen Umständen nicht sagen. Wie Kehl in einem weiteren Gespräch mit dem SÜDKURIER mitteilt, sei ihm nun der 4. Februar genannt worden.

Telekom hat jetzt das Einverständnis

Mittlerweile hat die Telekom den Eigentümer angetroffen und bei einem gemeinsamen Termin vor Ort, das Einverständnis erhalten. Wie das Unternehmen in einer aktuellen Nachricht mitteilt. Allerdings befinde sich die Grube am Straßenrand, es müssten noch verkehrsrechtliche Regelungen getroffen werden. „Sobald diese vorliegt, können die Tiefbaumaßnahmen beginnen, und die Störung kann beseitigt werden“, schreibt die Sprecherin. Aber eine Aussage zu einem Entstörungszeitpunkt sei, entgegen von Kehls genannten Termins, noch nicht möglich. Die Betroffenen müssen sich also also noch gedulden.

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Störungen unbedingt melden

Die Telekomsprecherin macht noch einmal deutlich: Eine Störung dieser Art sei nicht die Regel. Das Unternehmen veranlasse im Normalfall, dass eine Behebung einer Störung umgehend veranlasst werde, sobald sie gemeldet werde. „Dafür ist es unbedingt notwendig, dass betroffene Kunden die Störung beim Kundenservice melden. Ohne Störungsmeldung können wir keine Entstörung veranlassen.“

Dies hat Kehl getan. Aber keiner kann damit rechnen, dass der Grundstückseigentümer ausgerechnet jetzt nicht zu erreichen ist, wenn die Grube einfällt und ein Kabel beschädigt. Ein kurioser Fall.