Seit Juni besteht eine Kooperation der Stadt Stühlingen mit dem Tierheim Löffingen. Der Vorsitzende Johannes Linnemann gibt einen Einblick in die tägliche Arbeit.

  • „Wir helfen Tieren“ als Leitsatz: Die Unterscheidung zwischen Nützlingen und Schädlingen erläutert Johannes Linnemann am Beispiel des Marders. „Die Katze wurde vor etwa 2000 Jahren in Deutschland heimisch, sie wurde aus Rom mitgebracht. Damals, vor 2000 Jahren, war jeder heilfroh über eine hohe Marderpopulation. Erst in den letzten 100 Jahren hat sich das Verhältnis umgekehrt, der Marder gilt im Kopf als Schädling, weil er gerne im Auto die Kabel annagt. Wir vom Tierheim ziehen da keine Grenze.“
Neu gebaut: Der Neubau beim Tierheim Löffingen ist fertig, die Kosten wurden auf 300.000 Euro angesetzt. Die laufenden Kosten betragen 85.000 Euro. Es bestehen Kooperationen mit den Gemeinden Löffingen, Bonndorf, Friedenweiler und seit Juni mit Stühlingen.
Neu gebaut: Der Neubau beim Tierheim Löffingen ist fertig, die Kosten wurden auf 300.000 Euro angesetzt. Die laufenden Kosten betragen 85.000 Euro. Es bestehen Kooperationen mit den Gemeinden Löffingen, Bonndorf, Friedenweiler und seit Juni mit Stühlingen. | Bild: Yvonne Würth

Er nennt als weiteres Beispiel die Krähe, die in den 60er und 70er Jahren als Schädling galt und später auf der Roten Liste der bedrohten Arten stand. In Absprache mit den Behörden hilft der Tierschutzverein Löffingen auch Wildtieren, die gepflegt und anschließend wieder ausgewildert werden. Als Beispiel nennt er einen Igel, der durch einen Mähroboter verletzt wurde. Nicht nur das Tierheim, auch ein Netzwerk von Tierschützern hilft: „Wer jeweils ein Tier aufnehmen kann, hängt davon ab, wer noch Kapazitäten frei hat oder wie groß die Fahrstrecke ist. Melden kann man sich immer, wenn ein verletztes Tier gefunden wird.“

  • Das Tierheim Löffingen: Im Tierheim Löffingen, das außerhalb der Stadt idyllisch hinter dem Park Tatzmania liegt, gibt es aktuell 19 Tiere. Darunter sind klassische Fundtiere, drei Kaninchen, einige Nagetiere, ein Hund, dessen Herrchen kurzfristig ins Krankenhaus musste, der Rest sind Katzen.
Gut aufgehoben: Tierheimleiterin Carola Hannes (links) und der Vorsitzende des Tierschutzvereins Löffingen kümmern sich mit einem großen Helferteam um ihre Schützlinge. Hund Mäxchen durfte einige Tage im Tierheim verbringen, weil sein Herrchen kurzfristig ins Krankenhaus musste und sich niemand anders um das Tier kümmern konnte.
Gut aufgehoben: Tierheimleiterin Carola Hannes (links) und der Vorsitzende des Tierschutzvereins Löffingen kümmern sich mit einem großen Helferteam um ihre Schützlinge. Hund Mäxchen durfte einige Tage im Tierheim verbringen, weil sein Herrchen kurzfristig ins Krankenhaus musste und sich niemand anders um das Tier kümmern konnte. | Bild: Yvonne Würth

Während der Corona-Pandemie wurde der Einlass stark eingegrenzt, das „Katzen kuscheln“ findet nicht statt: „Wir mussten ehrenamtliche Helfer abweisen, das ist ein Problem, denn es geht der individuelle Beitrag den Tieren ab, die Katzenwelpen werden durch die Helfer zahmer und schneller sozialisiert.“ Für die regelmäßigen Dienstpläne werden immer ehrenamtliche Helfer gesucht. Im Juni wird der Innenausbau des neuen Nebengebäudes fertig gestellt. Im Innenbereich kann je nach Bedarf durch flexible Trennwände von drei auf sechs Räume gewechselt werden.

  • Katzen: Frei lebende Katzen sind häufig schwach, krank und unterernährt. Durch die Kastration wird der Fortpflanzungstrieb unterbunden und die damit einhergehenden Streitigkeiten, Krankheitsübertragungen und Verletzungen werden deutlich reduziert. Ist die Katze zusätzlich gechippt und registriert, lässt sie sich immer eindeutig ihrem Besitzer zuordnen und muss nicht das traurige Schicksal der Straßenkatzen teilen.
Niedlich: Rosina (links) ist eine Langhaarkatze. Ihre zwei Kätzchen mit der gefragten Räderzeichnung haben noch keine Namen.
Niedlich: Rosina (links) ist eine Langhaarkatze. Ihre zwei Kätzchen mit der gefragten Räderzeichnung haben noch keine Namen. | Bild: Yvonne Würth

Das Ziel von Johannes Linnemann und seinen Helfern ist es, all diese Katzen zu kastrieren. Vorgabe des Deutschen Tierschutzbundes ist die Kastration von Katzen, bevor sie vom Tierheim vermittelt werden. Die Tötung von Welpen ist ein Straftatbestand, „Kastration ist aktiver Tierschutz“. In seiner Eigenschaft als Projektleiter der Musella-Stiftung ist Johannes Linnemann regelmäßig unterwegs auf den Höfen im Schwarzwald, um Katzen zu kastrieren. Dabei sei es wichtig, dass es keine Ausnahmen gibt.

  • Chippen ist nicht Kastrieren: Katzen haben eine sehr gute Wundheilung, deshalb kann man nicht immer sehen, ob eine Katze bereits kastriert wurde. Ein Tattoo im Ohr (wird unter Narkose vorgenommen) ist hier weniger schmerzhaft für das Tier, als wenn erst bei der Operation festgestellt wird, dass es bereits kastriert wurde. Deshalb empfiehlt Johannes Linnemann das Tätowieren, eventuell zusätzlich zum Chippen. Ein Chip, das Einsetzen eines Transponders (passives Funk-Kommunikationsgerät) am Hals, hilft zwar, das geliebte Haustier vor dem Verschwinden zu schützen, bedeutet aber nicht, dass es kastriert ist, erklärt Linnemann: „Es gibt auch Züchter, welche ihre wertvollen Katzen chippen, aber natürlich nicht kastrieren lassen.“
  • Neues Haustier in der Corona-Zeit: Während der Pandemie verbrachten die Menschen mehr Zeit zu Hause oder mit Ausflügen an der frischen Luft, es wurden vermehrt Katzen und besonders Hunde angeschafft. Hier hofft Johannes Linnemann, dass die Tiere auch bleiben dürfen, wenn die Zeit des Homeoffice vorbei ist: „Mir graut‘s davor, wenn die Corona-Auflagen wegfallen, dann werden sehr viel Tiere vorbeigebracht, im schlimmsten Fall ausgesetzt.“ Ein Tier als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk hält er ebenfalls nicht für geeignet. Denn für die Tiere muss es ein dauerhaftes Zuhause sein. Einen besonderen „Riecher“ dafür, wer es ernst meint, habe Tierheimleiterin Carola Hannes bereits seit mehr als 40 Jahren.
  • Hasen aus dem Tierheim: Eine Vermittlung eines gefundenen Hasen ist komplizierter als bei anderen Tieren, erläutert Johannes Linnemann. Es komme darauf an, wie sie gehalten werden: „Die Vergesellschaftung bei den Hasenböckchen ist nicht einfach, da gibt es ein paar Faktoren.“
Putzig: Der Hase Zampano wurde im Winter beim Recyclinghof im Schnee gefunden. Seither verbringt er seine Zeit im Tierheim Löffingen.
Putzig: Der Hase Zampano wurde im Winter beim Recyclinghof im Schnee gefunden. Seither verbringt er seine Zeit im Tierheim Löffingen. | Bild: Yvonne Würth

Hase Zampano, der beim Recyclinghof im Schnee gefunden wurde und seither im Tierheim lebt, sei auf Interesse eines Züchters gestoßen, der ihn dann nach getaner Arbeit schlachten wollte. Da dies nicht im Interesse der Tierschützer liegt, wurde das Tier nicht vermittelt.

  • Zur Person: Johannes Linnemann ist gleich mehrfach für den Tierschutz aktiv. Als Projektleiter der Musella-Stiftung und des angegliederten Freiburger Musella-Instituts setzt er sich für den Tier- und Artenschutz ein. Dazu gehören auch pädagogische Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, um den nachhaltigen Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt zu vermitteln. Kontinuierlich weiter ausgebaut wird das bestehende Netzwerk mit Tierärzten, Tierarztpraxen und Tierkliniken, ebenso wie die Vogel- und Wildtierrettung. Im Tierheim Löffingen führt Johannes Linnemann als Vorsitzender (seit September 2020) des Tierschutzvereins Löffingen die jahrzehntelange Arbeit seiner Vorgängerin Carola Hannes fort, die als Leiterin des Tierheims weiterhin aktiv ist.